
Heute tun wir GTI fahren, aber die Freude über die grandiose Edition 50 weicht bald den unausweichlichen Verlustängsten ob der unklaren Zukunft.


Wir konnten den VW Golf Edition 50 auf der Rennstrecke Castellolí testen.
GTI Edition 50: Jubiläumsmodell mit echter Substanz
Wie geht’s mit dem GTI weiter? Na egal, besser im Hier und Jetzt bleiben, und da ist jetzt der GTI Edition 50 Jahre eine Special-Edition zum gegebenen Jubiläums-Anlass. Bei solchen Sondermodellen besteht immer die Gefahr, dass es sich nur um eine Sticker-Aktion handelt, aber das ist hier glücklicherweise nicht der Fall.
Zumindest, wenn das optionale Performance-Paket verbaut ist: Die Akrapovič-Abgasanlage mit Titan- Endrohren und die Schmiederäder drücken das Fahrzeuggewicht um 25 Kilo, die eigens für das Auto entwickelte Semi-Slick-Bereifung von Bridgestone (später dazu mehr) trägt ebenso ihren Teil bei. Dazu kommen diverse Änderungen am Fahrwerk: Adaptierte Schwenklager an der Vorderachse für mehr Sturz, steifere Federn samt fünf Millimeter Tieferlegung sowie angepasste Fahrwerkslager – das alles mit dem Ziel, die Angelegenheit knackiger und direkter zu gestalten.


Vom Comfort-Modus bis zur Rennstrecke
Und das ist eigentlich das Schöne an dem Auto, weil die Jubiläums-Optik, zwar gefällig, wirkt dagegen wie eine leicht umzusetzende Sache, aber bei der Fahrdynamik, da sind dann die Eingefleischten am Werk, und das spürt man, und hier liegt auch der große Unterschied zum Serienmodell, auf dem hier aufgebaut wird, dem GTI Clubsport. Auf der Anreise im Edition 50 zur Rennstrecke von Castellolí im katalanischen Hinterland gefällt die Harmonie des Comfort-Modus, irrsinnig geschmeidig, aber genau das macht neugierig, wie dieses Gerät auf der Rennstrecke tut – immerhin kommt er von dort und gehört auch dort hin.
Also raus auf die Piste, das ESP bleibt vorerst an, der Sportmodus wird ausgewählt und für das Getriebe der manuelle Modus aktiviert (das ist natürlich Geschmacksache, aber der Autor schaltet im konkreten Fall lieber selbst). Der unmittelbare Eindruck nach den ersten Kurven: positives Bremsgefühl, neutrales Handling, sehr steifer Vorderwagen, williges Einlenken. Die Vorderachse hat echt Biss. Auf Wunsch mit spielerischem Heck nach Lastwechsel, aber sonst erschreckend tückenfrei, ein Auto zum ernsthaften Schnellfahren. Saubere Traktion, auch auf feuchten Passagen, die aufgrund des wechselhaften Wetters mit Schauern immer häufiger werden.
Semislicks mit Alltagstalent
Üblicherweise würde man sich bei einer Testfahrt auf einer Rennstrecke über solche Bedingungen ärgern, aber im Falle des neuen Bridgestone-Reifens kommen die schwierigen Verhältnisse sogar gelegen, denn darin liegt seine Stärke. Trocken-Grip hat ein Semislick bald einmal, aber im Nassen wird es dann oft brenzlig. Nicht so bei diesem Pneu – der Nass-Halt ist sensationell und passt perfekt zum allgemeinen Charakter, nämlich trotz aller Sportlichkeit die volle Alltagstauglichkeit zu behalten (an der Stelle sei erwähnt, dass für die Edition 50 alle gängigen Extras aus der Golf-Welt bestellbar sind, bis auf Lederausstattung und deshalb auch Sitzlüftung).
In dieser Disziplin unterscheidet er sich beispielsweise in seiner Radikalität vom Clubsport S, der nur als Dreitürer und mit Handschaltung sowie giftigen Reifen zum Nürburgring-Rekordauto wurde – der Edition 50 schafft es ohne Komfort-Einbußen.
Das DSG schaltet wie gewohnt fehlerfrei und flink, wenn auch nicht besonders emotional, immerhin bleibt das Getriebe dem gewählten Gang treu, wenn der Begrenzer erreicht wird, und schaltet nicht automatisch hoch. Unter Last sind kaum Antriebskräfte übers Lenkrad spürbar, nichts zerrt, aber es bleibt genau noch so viel Feedback übrig, um über den Traktion-Zustand der Vorderachse in Echtzeit unterrichtet zu sein.


325 PS, hohe Geschwindigkeit – aber leiser Klang
Der Antrieb leistet beim Edition 50 325 PS (es handelt sich dabei um die neueste Version des altbewährten Zweiliter-Vierzylinders mit dem Namen EA888 LK3 evo4, also Leistungsklasse 3, Evolutionsstufe 4), auf der langen Gegengeraden oben am Berg fliegt man schon ziemlich dahin – mit 270 km/h Top-Speed liegt er mit dem minimal stärkeren Golf R gleichauf.
Nicht ganz mitkommen tut da leider der Sound, auch nicht mit Akrapovič, der Klang ist nicht wirklich animalisch, aber da kann bekanntlich der Hersteller wenig dafür, hier hat der Gesetzgeber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie auch immer, bei der Performance dürfte es gerne ein bisschen mehr sein, vor allem auf der Rennstrecke.
Ein GTI für Fans in einer schrumpfenden Klasse
Aber so wie es einmal war, ist es nun einmal nicht mehr, und das zeigt sich ganz besonders, wenn man einen Blick auf den Gesundheitszustand der Fahrzeugklasse „Hot Hatch“ wirft. Hier kränkelt es nämlich an allen Ecken und Enden, es ist dünn geworden rund um die frontgetriebenen Sport-Kompakten, eigentlich bleibt nur mehr der Ford Focus ST zurück, aber um den ist es zuletzt auch still geworden. Hyundai i30N, Renault Mégane RS und natürlich der Namensbruder Peugeot 308 GTi, für alles heißt es R. I. P. Hoffentlich nicht für den Golf.
Warum? Über die Qualitäten eines klassischen Kompakten müssen wir unsere Leserschaft nicht mehr unterrichten, hier geht es ja ohnehin nur um den GTI und insbesondere um diesen Edition 50 mit Performance Paket. Üblicherweise bietet man so etwas an, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, um einen speziellen Käuferkreis für sich zu gewinnen oder sogar zurückzugewinnen. Oder um möglichst viel Kohle zu verlangen, die Marge zu erhöhen und nochmal ein bisschen abzucashen.
Aber in diesem Fall? Echte Konkurrenz gibt es ja wie besprochen keine mehr und bei dem verlangten Preis (auch wenn er abstrakt und entkoppelt betrachtet natürlich heftig ist) kann man sicher sein, dass man es nicht primär aus geschäftlichen Gründen macht. Die VW-Leute, die GTI-Leute, machen es für sich selbst und ihre Fans, wegen der Sache an sich und nicht wegen des Wettbewerbs oder der Kohle. Und so ist es umso erfreulicher, dass dieses Auto umgesetzt wurde. Es gibt auch keine Limitierung in Sachen Stückzahl, alle können einen haben, noch so ein positives Signal.
Und dann noch die Sonderfarbe Dark Moss Green Metallic mit dem Dach in Schwarz: Dafür verlangt VW die regulären 1.102 Euro Aufpreis, was für so eine schöne und nur hier erhältliche Lackierung auch fair ist. Tornado Rot, die klassische GTI-Farbe, ist übrigens auch wieder erhältlich, um 492 Euro, womit er sich perfekt in die Reihe der rechts gezeigten Ahnen einfügen würde. Der 8er-Golf hatte es nie wirklich leicht, als Edition 50 ist er hingegen vielleicht sogar legendär.


Alle Optik-Details, die man hier sieht, sind beim Edition 50 Serie, nur die Felgen und die Auspuff-Blenden verraten das Performance-Paket. Gelochte Bremsen, ohne Fading.
© WerkZusammenfassung
Was wir mögen
Mit welcher Detailverliebtheit und mit welchem Enthusiasmus der GTI weiterentwickelt wurde.
Was uns fehlt
Schalensitze für die Freaks, die gab es zuletzt beim Clubsport S.
Was uns überrascht
Warum andere Hersteller dieses wunderbare Rezept aufgegeben haben.
Die Konkurrenz
Die ist eher beim Gebrauchtwagenhändler zu finden – Neuwagen gibt es keinen vergleichbaren mehr zu bestellen.
Daten & Ausstattung
Preis | € 64.498,–, NoVA 16 % Steuer jährlich € 2.211,84 |
Motor, Antrieb | R4, 1984 ccm, 7-Gang-Doppelk., Sperrdiff., Vorderradantrieb. |
Leistung/Drehmoment | 239 kW (325 PS), 420 Nm. |
Fahrleistungen | Spitze 250 (270) km/h, 0–100 km/h 5,3 sec. |
Verbrauch | 7,6 l/100 km, CO2 173 g/km. |
Dimensionen | L/B/H 4292/1789/1463 mm, Radstand 2629 mm, Gewicht 1470 kg. Kofferraum 374 l, Tank 50 l, Reifen 235/35 R19. |
Ausstattung | Spurführung, Abstandstempomat, Rückfahrkamera, el. Sitze, Navi, indukt. Handyladen, Sitzheizung vorne, Dreizonen-Klima, Matrix-LED-Licht etc. |
Extras | Unlimited-Paket (Panorama-Schiebedach, Head-up-Display etc.) € 1.523,–, Harman/Kardon-Sound € 778,–, Rundumkameras € 445,–, Alcantara-Lenkrad € 257,– etc. |
Diese Neuvorstellung ist in autorevue 3/2026 erschienen.

