Ist man im Facelift-Modell der S-Klasse unterwegs, wird man daran erinnert, was einen Mercedes ausmacht, ganz allgemein und auch im Speziellen.
Überblick
Mercedes im strategischen Umbruch
Mercedes ist im Umbruch. Die vergangenen Jahre waren von mehreren strategischen Richtungswechseln geprägt, nicht nur beim Thema Antrieb. Erreichbare Einstiegsmodelle: ja oder nein? Reiner Luxushersteller: ja oder nein? Spezielle Elektromodelle oder ein Modell mit allen Antrieben? Eines blieb jedoch bei all den Fragen immer gleich: das Selbstverständnis, dass die S-Klasse das identitätstiftende Modell der Marke ist. Auch nach 140 Jahren Firmengeschichte, die gerade gefeiert werden.
Die große Limousine von Mercedes brachte über die Jahre hinweg zahlreiche Innovationen auf die Straße, wodurch sie in regelmäßigen Abständen Alleinstellungsmerkmale besaß. Heute gerät sie von allen Seiten unter Druck, Luxus können nicht mehr nur Mercedes, BMW und Audi. Die neue Konkurrenz kommt aus China. Um weiter Akzente zu setzen, wurde massiv am Facelift-Modell gearbeitet: Die Hälfte aller eingesetzten Teile ist neu oder überarbeitet. Außen erkennt man einen nun 20 Prozent größeren, beleuchteten Kühlergrill. Auch der stehende Stern, praktisch nur mehr auf der S-Klasse zu finden, ist jetzt beleuchtet. Wer’s braucht.
Innenraum mit Superscreen und KI-Technik
Innen hat sich auch ein bisschen was getan: Das eine Detail, das man beim bisherigen Modell nicht ignorieren konnte, hatte man es erst einmal entdeckt, ist entfallen: Das getrennte Bildschirmlayout mit vertikalem Multimedia-Schirm, der nicht symmetrisch mit den Lüftungsdüsen abschloss, wurde von einem durchgehenden Paneel ersetzt, wie man es auch schon beispielsweise aus EQE und EQS kennt. Es ist hier also der sogenannte Superscreen serienmäßig verbaut. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass man nicht die neueste Generation im Bildschirmbereich bei Mercedes, den Hyperscreen mit vollintegrierter Glaslandschaft (wie beim neuen GLC) an Bord hat, schon aber den MB.OS-Supercomputer mit KI-Integration.
Diesel mit 1000 Kilometer Reichweite
Klar, diese Technik-Elemente sind wichtig, aber digitale Spielereien inklusive Bildschirm-Overkill können andere auch, vor allem die neuen Mitbewerber. Was die nicht können, steckt unter der Haube. Den ersten Teil der Testfahrt haben wir im 450 d absolviert, dem stärkeren der beiden Diesel. Der Reihensechszylinder sorgt für mühelosen Vortrieb, ist hervorragend gedämmt, vermittelt aber dennoch das Gefühl, dass hier ein Verbrenner arbeitet – feine Nuancen kommen in den Fingerspitzen an. Auf unserer Testfahrt pendelte sich der Verbrauch je nach Autobahntempo bei rund sieben Litern ein. In Kombination mit dem 75 Liter großen Tank bedeutet das eine Reichweite von über 1000 Kilometern, Standzeit an der Zapfsäule dann zwei Minuten.
Neben dem Diesel stehen noch zahlreiche weitere neue Motorisierungen parat: ein schwächerer Diesel, zwei Sechszylinder- Benziner (zwei weitere als Plug-in-Hybride mit ordentlicher Reichweite), das eigentliche Highlight ist jedoch der neu entwickelte V8-Motor. Es handelt sich hierbei erstmals um ein Aggregat mit flacher Kurbelwelle, das gab es im Konzern bisher nur beim letzten AMG GT Black Series. Diese Bauart kennt man eigentlich von Sportwagenmarken wie Ferrari. Der Vorteil im Vergleich zu der Machart mit um 90 Grad versetzten Kurbelzapfen: spontanere Gasannahme, geringere rotierende Masse, bessere Abgasführung. Die Nachteile in Sachen Laufruhe wurden gekonnt kaschiert, dem weniger charismatischen Sound bei niedrigen Drehzahlen mit einem Trick entgegengewirkt: Die Nockenwellen werden so verstellt, dass beim Losfahren der typisch blubbernde V8-Sound sehr wohl dezent hörbar ist – faszinierend.
S-Klasse: Fahrkomfort, Luxus und Materialkritik
Ansonsten kann man eigentlich nicht viel sagen, man setzt sich in dieses Auto, fühlt sich wie im Himmel, startet per Knopf (und nicht automatisch), fährt los, genießt, kommt an, dreht ab, ist erholt. Freilich ganz besonders, wenn man hinten rechts sitzt. „So ein Auto hat man ohnehin nur in Kombination mit einem Chauffeur“, hört man immer wieder. Schon möglich, aber eine S-Klasse selbst zu steuern ist immer noch ein Ding. Einzig schade ist nur, dass bei all der Qualität und Stilsicherheit die Materialien nicht ganz in allen Bereichen mitkönnen. Zwei Beispiele dafür: Die Roll-Elemente zur Lautstärkenverstellung am Lenkrad oder die Plastikelemente rund um Türgriff und Sitzverstellung. Ist wohl verkraftbar.


Bei Mercedes ist designtechnisch in den letzten Jahren viel los, alles wirkt aber dennoch wie aus einem Guss – auch wenn die großen schwarzen Flächen (Leisten, Bildschirme) aufdringlich sein können. Neu beim Facelift: beheizbarer Sicherheitsgurt. Sie ist auch als Langversion zu haben, rund zehn Zentimeter mehr Radstand, circa 3.000 Euro Aufpreis.
© WerkZusammenfassung
Was wir mögen
Die Sicherheit, die das Gefühl gibt, dass sich manche Dinge nicht verändern (auch wenn sich sonst alles verändert).
Was uns fehlt
Ein Verständnis dafür, was der chinesische Markt braucht – und damit auch eine Abschätzung über Erfolgsaussichten der S-Klasse.
Was uns überrascht
Dass fast alles beim Alten geblieben ist. Neuer V8!
Die Konkurrenz
Audi A8, BMW 7er.
Daten und Ausstattung
Antrieb | Benziner, Diesel, PHEV. 9-G-Aut., Hinter- und Allradantrieb. |
450 e | ab € 130.210,– , 6-Zyl, 2999 ccm + E-Motor, System 320 kW (435 PS), 680 Nm, 0–100 km/h in 5,7 sec, Spitze 250 km/h, Normverbrauch 2,2 l/100 km, 16,5 kWh/100 km, CO2 50 g/km, el. Reichweite bis 118 km. |
350 d 4M | ab € 134.300,– , 6-Zyl, 2989 ccm, 247 kW (336 PS), 650 Nm, 0–100 km/h in 5,4 sec, Spitze 250 km/h, Normverbr. 6,3 l/100 km, CO2 162 g/km. |
450 d 4M | ab € 142.690,–, 6-Zyl, 2989 ccm, 287 kW (390 PS), 750 Nm, 0–100 km/h in 5,1 sec, Spitze 250 km/h, Normverbr. 6,3 l/100 km, CO2 164 g/km. |
580 e | ab € 145.810,–, 6-Zyl, 2999 ccm + E-Motor, System 430 kW (585 PS), 750 Nm, 0–100 km/h in 4,4 sec, Spitze 250 km/h, Normverbrauch 2,7 l/100 km, 17,0 kWh/100 km, CO2 61 g/km, el. Reichweite bis 103 km. |
580 4M | ab € 197.120,–, 8-Zyl, 3982 ccm, 412 kW (560 PS), 750 Nm, 0–100 km/h in 4,0 sec, Spitze 250 km/h, Normverbr. 10,6 l/100 km, CO2 241 g/km. |
Dimensionen | ab € 142.690,–, 6-Zyl, 2989 ccm, 287 kW (390 PS), 750 Nm, 0–100 km/h in 5,1 sec, Spitze 250 km/h, Normverbr. 6,3 l/100 km, CO2 164 g/km. |
Gewicht | ab 2165 kg (Plug-in ab 2445 kg). |
Weitere Motorisierungen | S450 4M und S500 4M, jeweils 6-Zyl-Benziner. |
ab € 142.690,–, 6-Zyl, 2989 ccm, 287 kW (390 PS), 750 Nm, 0–100 km/h in 5,1 sec, Spitze 250 km/h, Normverbr. 6,3 l/100 km, CO2 164 g/km.
Dieser Test ist in autorevue 6/2026 erschienen.

