Mit der Tür kann man den wichtigsten Riff der Musikgeschichte
spielen. Was fix nicht die einzige Qualität des Atto 3 ist.
Überblick
Design, Details und Technik als Kampfansage
Da sind drei Gummischnüre, die die Seitenfächer in den Türen bespannen, und sie sind, übrigens auch bei anderen BYD-Modellen, in jenem Dreiklang gestimmt, den wir in Mannish Boy von Muddy Waters ebenso finden wie in Smoke on the Water oder anderen Klassizistikern. Damit’s nicht zu dekadent wird (aus Zentralkomitee-Perspektive) zeigt das Navi die Orte in lateinischen und chinesischen Schriftzeichen an, wodurch wir jetzt aber immer noch nicht wissen, wie man Kaltenleutgeben auf Chinesisch richtig ausspricht. Somit beweist der BYD, dass wir noch lange nicht am Ende der automobilen Geschichte angelangt sind, sondern immer wieder Unterhaltsames dazukommt. Abgesehen davon steht hier ein Hochkonzentrat an Vorwärts-Techno und Leistungshegemonie in der unprätentiösen Verpackung eines unangreifbar-hübschen Familien-SUVs, und das Ganze auch noch für unter 40.000 Euro (mit insgesamt drei BYD-Boni). Mehr Kampfansage geht kaum.
800-Volt-Technik, Reichweite und Innenraum des BYD Atto 3
Da wäre die 800-Volt-Architektur, in diesem Segment wahrlich noch nicht verbreitet, die schnelles Laden bis 220 kW ermöglicht. Bei defensiver Fahrweise reicht der Atto 3 bis um die 500 km weit. Da er aber in 3,9 Sekunden auf hundert hupfen kann, wird man vielleicht auch nicht-defensiv fahren wollen, zumal der Wagen fahrwerksseitig eher knackig angemischt ist. Ergibt gute Kurvendynamik und wenig Seitenneigung, aber ohne Poltrigkeit. Famose Kunstledersitze, natürlich belüftbar, zu konstatieren ist insgesamt mittlerweile große Materialqualität. Mit dem Bediensystem kann man leben, wobei sich BYD bei der Gestaltung am Screen nicht gerade an Pensionistenhandys orientiert hat, um es mal so auszudrücken. Witzige Details innen wie die Türschnallen oder der Schwung im Armaturenbrett zeigen, dass man offenbar auch Spaß am Autoentwickeln hat, gut so.
Zusammenfassung
Was wir mögen
Premiumanmutung ohne den
dazupassenden Preis.
Was uns fehlt
Die Sprachbedienung hat ihre schwachen Tage.
Was uns überrascht
Die Power in einem Familien-SUV.
Die Konkurrenz
BMW- und Mercedes-SUVs mit Elektro sind alle länger, sonst
kämen sie durchaus in Betracht.
Daten & Ausstattung
Preis € 45.990,– (Liste), Kaufpreis
€ 38.990,–, Steuer jährlich € 512,40
Motor, Antrieb Permanentmagnet- Synchron h., AC-Asynchron v.,
Allradantrieb.
Leistung/Drehmoment Max. 330 kW (449 PS), 560 Nm. Nennleistung 105 kW (143 PS).
Batterie/Laden Kapazität 74,8 kWh, Ladeleistung DC 220 kW.
Fahrleistungen Spitze 200 km/h, 0–100 km/h 3,9 sec.
Verbrauch 17,8 kWh/100 km, im Test 15–19 kWh/100 km.
Dimensionen L/B/H 4455/1875/ 1615 mm, Radstand 2720 mm, Gewicht 1990 kg, Anhängelast 750/ 1500 kg. Kofferraum 490–1360 l.
Ausstattung Panoramadach, 18"-LM-Reifen, Lenkradheizung, Sitzkühlung v., Sitzheizung v./h., Navi, 360°-Kamera, adaptiver Tempomat, Head-up-Display etc.
Extras Alle Außenfarben außer Iris Blue € 750,–.
Dieser Test ist in autorevue 7/2026 erschienen.

