Mit Biss: Zur Unterscheidung des Seltos von Kias Elektro-SUV dient der prominente Kühlergrill, zum Auseinanderhalten der einzelnen SUV-Baureihen reicht ein recht kurzes Maßband, und mit dem Seltos hat die ganze Modellpalette eine gute, neue Mitte.
Überblick
Kia Seltos: Marktpositionierung und Hybrid-Ausblick
Global gibt’s den Seltos schon ausreichend lange, um zu Kias zweitmeistverkauftem Modell zu reifen, da lässt sich für Europa auch ein markanter Platz in der Zulassungsstatistik hochrechnen. Immerhin gilt Kia hier als am stärksten wachsende unter den Top-10-Marken, und wer jetzt fragt, warum dem Sportage im C-Segment ein zweites SUV zur Seite gestellt wird, bekommt eine simple Antwort: weil zwei Modelle mehr Verkaufszahlen heimbringen als eines. Das leuchtet ein, und elf Zentimeter Längenunterschied sind auch nicht nichts, sondern nur fast. Der Seltos ist um dieses Stückerl kürzer als der Sportage.
Dass er bis auf den Kühlergrill den elektrischen Kia-SUV ziemlich ähnlich schaut (aufrechte Statur mit Kanten, und vorne muss man die Leuchten ein bisserl suchen), darf als Normalisierung der Vielfalt gewertet werden, und ein bisserl elektrisch wird auch der Seltos demnächst sein: Eine Hybridversion ist nah, mit Frontantrieb und 154 PS oder als Allradler mit einem zweiten Elektromotor an der Hinterachse und 178 PS im System.
Motor und Getriebe zum Marktstart
Zum Marktstart verfügbar ist der Seltos mit einem 1,6-l-Turbobenziner zu 180 PS. Als Fronttriebler gibt’s ihn mit einem heute schon rar gewordenen Sechsgang-Schaltgetriebe oder mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, als Allradler (2.500 Euro Mehrpreis bei gleicher Ausstattung) mit dem Doppelkupplungsgetriebe alleine. Hier stellt der Allradantrieb die Kraft zu den Hinterrädern klassisch über eine Antriebswelle her, quasi die försterkompatible Version.
Fahrwerk und Verarbeitungsqualität im Fahreindruck
Insgesamt zeigt sich der Seltos auf beruhigende Art von klassisch technischer Substanz: Das Aussehen des E-Zeitalters trifft auf die Sendboten einer solide fundamentierten Gegenwart, das Fahrwerk passt gut in jeden Alltag, klingt beim Abrollen dabei so samtig satt, als wären die Reifen mit Plüschteppich runderneuert. Gerade hier, an den Tiefen der metallenen Fahrwerksorgane, kann man die Qualität eines Autos wunderbar vermessen, und man diagnostizierte zeitschriftenübergreifend bei der ersten Fahrvorstellung: Der Seltos ist aus einem Guss und mit 180 PS ausreichend agil motorisiert, das Doppelkupplungsgetriebe reicht die Gänge quasi unmerklich durch.
Innenraum, Platzangebot und Ausstattungslinien
Außen möge der Seltos als bold and rugged wahrgenommen werden, sagt Kia, innen darf man dafür calm and connected unterwegs sein, besser kann man die Bedürfnisse der breiten Menge nicht treffen. Eine breite Palette an Apps gibt’s als Zubehör, sie lassen sich am 12,3-Zoll-Touchscreen rechts gruppieren, natürlich kommuniziert auch das Smartphone mit dem Seltos. Als Schwachpunkt bleibt der 5,3 Zoll kleine, mittlere Touchscreen für die Klimasteuerung, der gut hinter dem Lenkrad abtaucht.
Der Fond aber macht alles gut: Die Beinfreiheit reizen auch Erwachsene nicht aus, die Lehnenneigung ist zwischen aufrechter Aufmerksamkeit und lümmelnder Lauschigkeit justierbar. In Zahlen: 12 Grad vor und 12 Grad nach hinten, also 24 Grad insgesamt. Dahinter bleiben 536 Liter Kofferraum, auch das schaffen nur wenige Kompakte.
Zu haben ist der Seltos in vier Ausstattungsniveaus, die GT-Line streckt sich bis zur Sitzheizung auch im Fond, bis zum Kunstleder-Interieur und dem belüftbaren Fahrersitz samt Luft-Lendenwirbelstütze, da werden alle Jahreszeiten gut abgedeckt.
Zusammenfassung
Was wir mögen
Dass er sich fährt wie aus einem Guss, und es ist ein guter, solider, harmonischer Guss.
Was uns fehlt
Die Augen. Haben durch moderne Lichttechnik wenig Chance gegen einen ambitionierten Kühlergrill.
Was uns überrascht
Dass Kia die E-Designlinie auf die Verbrenner-Modelle rüberprojiziert. Dürfte sich bewährt haben.
Die Konkurrenz
Der Sportage. Von außerhalb: Citroën C3 Aircross, Jeep Compass, Nissan Qashqai, Renault Symbioz, Škoda Karoq etc.
Daten & Ausstattung
Antrieb 4-Zyl.-DI-Turbobenziner, 6-Gang-Getriebe oder 7-Gang-DKG, Front- oder Allradantrieb.
1,6 T-GDI ab € 32.590,–, 132 kW (180 PS), 265 Nm, 0–100 km/h in 8,8 sec, Spitze 208 km/h, Normverbrauch 6,6–6,9 l/100 km, CO2 158 g/km.
1,6 T-GDI AWD ab € 40.890,–, 0–100 in 9,0 sec, 205 km/h, Normverbr. 7,5 l/100 km, CO2 169 g/km.
Dimensionen L/B/H 4430/1830/ 1600 mm, Radstand 2690 mm, Kofferraum 536–1511 l.
Gewicht ab 1425 kg, Anhängelast 1300 kg, Tank 50 l.
Ausstattung Titan: 16" Alu, Schi-Durchreiche. Silber: + Lenkrad- & Sitzheizung v., 18" Alu; Gold: + Navi, Harman-Kardon-Sound. GT-Line: + 19" Alu, Sitzheizung h., Head-up-Display, Fahrmodi etc.
Diese Neuvorstellung ist in autorevue 9/2026 erschienen.

