Neu Mercedes C-Klasse

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Die ganz neue C-Klasse gibt es nur mehr elektrisch. Das ist in dem Fall kein Schaden. Die große Frage war aber: Passt das Auto auf Anhieb? Weil wenn nicht, dann aber hallo! 

Überblick

Mercedes-Benz C 400 4MATIC elektrisch
68.550 Euro
Preis
max. 489 PS
Leistung
2460 kg
Gewicht
94 kWh netto
Batterie

• Elektrischer Neustart: Die neue C-Klasse wird als eigenständiges Elektroauto positioniert, während die Verbrenner-C-Klasse auf einer umfangreichen Überarbeitung des aktuellen Modells basiert.
• Software und Komfort im Fokus: MB.OS, KI-Integration, durchgehende Displays und aus der S-Klasse übernommene Komforttechnik prägen Innenraum und Bedienung.
• C 400 als Spitzenmodell: 489 PS, 800 Nm, rund 16 kWh Verbrauch und knapp 70.000 Euro positionieren den C 400 4Matic zunächst als technologisches Aushängeschild; schwächere Varianten sollen folgen.

Zwischen Tradition und Elektro-Neustart

Es ist ein Autohersteller nicht zu beneiden für die fünf Millionen Entscheidungen, die er treffen muss, erneuert er sein langfristig erfolgreichstes Modell (seit 2022 ist das der GLC, aber im 21. Jahrhundert führt insgesamt der C). Bei einem Auto wie der C-Klasse schaut man besonders genau hin, Zielvorgabe: Alles passt, kein einziger Fehler. Wenn man weiß, wie größere Unternehmen psychologisch funktionieren, nämlich ungefähr so wie ein Zicken-Atomkrieg, dann hat man vor jeder richtigen Entscheidung Respekt und versteht die weniger guten (hat sich mal wieder ein ellbogenwirksamer Idiot durchgesetzt).

Dieses alles stellen wir gutmütig in Rechnung, wenn wir sehen, dass es die neue C-Klasse nur mit Glasdach gibt (eigentlich ein schlechter Witz) und nur mit versenkbaren Türgriffleisten, die pro Batterieladung einen niedrigen einstelligen Kilometergewinn bewirken, als Gegenleistung aber die Freude am Türaufmachen einkassieren.

Soweit das Geschimpfe. Freilich verkennen wir nicht das Historische der Lage. Hier ist der neue Mercedes, als solcher Verteidiger der Limousine, der Mittelklasse, des Stuttgarter Wertekanons. Seit dieses Modell 1982 als 190 die Marke nach unten erweitert hat, dies aber nur längenmäßig, wurden davon mehr als 10,5 Millionen gebaut. Auch heute noch sieht man schöne 190er, grazil wie Insekten, 4,4 Meter lang. Der Neue ist 40 cm länger, gar nicht so arg eigentlich.

Dieser Neue findet übrigens nur im Elektrischen statt. Es wird auch eine (sogenannte neue) C-Klasse mit Verbrennermotoren geben, welches eine aktuelle C-Klasse mit größeren Überarbeitungen sein wird. Der Benziner aus China wird dort nicht vorkommen, der bleibt im CLA.

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Elektroautos brauchen in dem Sinn kaum noch einen Kühlergrill. Dieser wird von den Herstellern daher gerne dafür genutzt, die LEDs, die von der Weihnachtsbeleuchtung übriggeblieben sind, sinnvoll einzusetzen. Nein, im Ernst, auf vielen großen Märkten ist es wichtig, vorne am Auto eine Show anbieten zu können.

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Die elektrische C-Klasse setzt auf Bildschirm und MB.OS

Bullig und glatt steht da also dieses neue Auto, wobei die Glätte tatsächlich viel ausmacht beim antriebslosen Segeln, in welcher Disziplin Mercedes alle übertrifft. Wir konnten ihn neben einem CLA sehen, der Unterschied im Auftreten ist deutlich. Die Limousinenform zerfließt heckwärts zu einer coupéhaften Silhouette. Es wird keinen Kombi geben (was wir kaufmännisch betrachtet etwas seltsam finden).

Bei den ersten Testfahrten und den damit verbundenen Präsentationen standen Dinge im Vordergrund wie das Betriebssystem MB.OS, die 162 Sterne im Panoramadach, das Ambientelicht mit pulsierender Soundvisualisierung oder der beleuchtete ehemalige Kühlergrill. Vielleicht ist das nicht unlogisch, denn da geht es um die direkten Erfahrungen der User (die ehemaligen Lenker), während etwa Hinterachslenkung oder Luftfederung, hier als Option zu haben, unsichtbar und unbedankt ihre Arbeit tun.

Also hat jede C-Klasse einen Bildschirm, der von der einen Tür zur anderen reicht. Wenn man nicht aus dem Rokoko in die Gegenwart gezeitmaschint wurde (und daher noch nie einen Bildschirm gesehen hat), dann ist das hier so unsexy wie in allen anderen Autos, wenn auch durchaus gutaussehend. Aber es erspart den Cockpitdesignern Arbeit. Und es ist ausstattungsmäßig staffelbar: Wer voll einzahlt, hat beifahrerseitig das volle Entertainment (von Disney+ bis zum Wetterbericht), man kann das auch später noch over the air nachkaufen. Sonst ist dort nur ein Screen ohne Jahrmarkt (Holz oder so gibt’s dort nicht).

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Hyperscreen, Superscreen, Glänzingqueen. Wir meinen, solche Installationen nehmen die Lust aufs Auto. Freilich haben sie auch ihren Reiz, und nachfolgende Generationen werden gar nicht mehr wissen können, was wir mit Lust aufs Auto eigentlich gemeint haben. Ja, was denn eigentlich?

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Was MB.OS und S-Klasse-Technik bringen

Das neue Betriebssystem MB.OS ist KI-gestützt und über die Cloud vernetzt: Erkennt ein Auto etwa eine neue Bodenschwelle, meldet es die an alle anderen Autos. Die gesamte Fahrzeugsoftware wird over the air automatisch stets auf den neuesten Stand gebracht. Das Infotainment von MB.OS verbindet erstmals die KI von ChatGPT4o, Microsoft Bing und Google Gemini zu einem digitalen Wesen, das „intuitiv und persönlich“ sein soll (mit Avatar). Zumindest die Sprachbedienung haben wir als in der Tat hochflexibel und präzise erfahren, was ja mal eine gute Entwicklung wäre.

Da oder dort konnten die Softwareleute die Stuttgarter Guter-Geschmack-Sicherheitsschranken durchbrechen, etwa mit der Schleudersitzfunktion (mit bedrohlichem Countdown und Alarm-Ambiente, um die nichtsahnende Erbtante am Nebensitz in den finalen Herzinfarkt zu schocken, haha).

In der neuen C-Klasse sind nicht nur die Elemente der Luftfederung aus der S-Klasse übernommen, sondern der gesamte Zugang zu Charakter und Wesen. Wir lernen von der neuen Ledernarbung „Softtorino“, von Ziernähten und Rauten-Perforation, von „Fineline Birke offenporig grau“ und von der Energizing Sitzkinetik mit 15-minütigem Kurzschlaf-Programm „Power Nap“. Der vegane Innenraum wurde von „The Vegan Society“ zertifiziert. Die gibt’s wirklich.

Die sogenannte Qualitätsanmutung im Innenraum ist dementsprechend. Die ist im besten und traditionellen Sinne mercedes (als Eigenschaftswort).

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Der neue C ist seit seinen Anfängen vor 44 Jahren (damals noch als 190) um insgesamt 40 cm gewachsen. Früher ist man hinten sehr knieunfrei gesessen, das ist jetzt nicht mehr so: Genug Platz für alle mit Schuhgröße unter 50.

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Leistung, Verbrauch, Preis und Fahreindruck

Das elektrische Wesen des neuen C offenbart sich zunächst nur von seiner hegemonialsten Seite: 400 4Matic: Zwei permanenterregte Synchronmaschinen, die vordere als Boost-Antrieb. Ein Zweiganggetriebe soll für Energieeffizienz sorgen – bei normaler Fahrweise mit allen Facetten kamen wir auf runde 16 kWh, was im WLTP-Rahmen liegt.

Die Spitzenleistung liegt bei krassen 489 PS, das Drehmoment bei 800 Nm, die Null-Hundert bei vier Sekunden und der Preis bei knapp 70.000 Euro. Das ist für eine C-Klasse natürlich alles etwas hoch angeflogen, also werden weitere Varianten folgen bis hinunter auf circa 300 PS. Dem C 400 kommt eher eine Art Leuchtturmfunktion zu: „Dazu sind wir imstande“. Später dürfte eine AMG-Variante zeigen, wozu man noch imstande ist.

Der C fährt sich zwar nicht wie eine echte S-Klasse, aber wie eine kleine solche. Extrem leise (auch wegen der Glätte des Designs), sehr präzise, sehr beweglich (Hinterachslenkung), sehr satt (knapp 2500 Kilo). Und nicht zuletzt sehr sportlich, Mercedes hat nicht nur in MB.OS, sondern auch ins Fahrwerk investiert. Wir können also erleichtert vermelden, dass Mercedes auch bei der Hardware dort angekommen ist, wo es eh fast immer war, nämlich vorne.

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Die Limousine ist dermaßen fließend im hinteren Verlauf, dass wir eh gleich Fließheck
sagen können. Für dieses gibt es keine Alternative in Form eines Kombis mehr. 

Zusammenfassung

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Laden geht mit maximal 320 kW. Ein Wert, der, egal mit welchem Auto, in der Realität auch dann kaum erreicht wird, wenn das Ladeterminal viel mehr könnte. Das macht aber nix: Wichtig ist, dass die Ladekurve möglichst lang möglichst waagrecht bleibt.

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