Test Bentley Continental GTC S

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Das Auto war ein Bentley GTC S, die Straßen ein verwunschener Kindheitstraum, und der Auspuff produzierte gepflegten Krach vom Allerfeinsten. 

Überblick

Bentley Continental GTC S
ca. 400.000 Euro
Preis
680 PS
Leistung
2650 kg
Gewicht
PHEV
Antrieb
80 km
Elektrische Reichweite
V8 Biturbo
Was sein muss, muss sein

Bentley Continental GTC S: Das Cabriolet verbindet luxuriöse Verarbeitung und hohe Leistung mit Fahrwerksqualitäten, die sich besonders auf den kurvigen und unebenen Straßen Mährens zeigen.
Roadtrip durch Österreich und Tschechien: Windmühlen in Retz, Lesná und Kunkovice, der Kovozoo sowie der Nagano-Express bilden die Stationen einer bewusst abseits von Autobahnen geführten Reise.
Akrapovič-Abgasanlage: Die optionale Titanium Sports Exhaust erweitert den Continental GT um einen markanteren Klang und verweist zugleich auf die technische Fertigungstiefe des slowenischen Herstellers.
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Propere Proportionen. Cabrio kann er, das ergibt Sinn und Gestalt. Quizfrage: Was stimmt nicht am Bild? Richtig, die B-Logos drehen nicht mit. Sind nur ein bisschen angeschrägt von geringer Restreibung. Bezeichnend für das S-Modell hier sind 22-Zoll-Felgen, dann wirkt alles rundherum zierlich.

 ©  Andreas Riedmann

Cabriolet, Komfort und erste Fahreindrücke

Bisschen Nomenklatura voran: GT firmiert beim Bentley Continental als Basis-Distinktion, das C hier steht für Convertible, und S, jetzt neu, macht sich immer gut, wenn man auf gefällige Nachschärfung hinweisen möchte. (Akrapovič!). Die Continental-GT-Berichterstattung zieht sich durch die autorevue wie ein langer, breiter Strom. Diese massivmetallenen Orgelregister an den Lufteinlässen, diese carpacciodünnen Wurzelholzvertäfelungen, diese staubmagnetischen Pianolacke, alles vertraut und geschätzt. Aber halt, das hatten wir noch nie im Submenü: „Hinterradlenkung: Schneekettenmodus“. Lerne deinen Bentley kennen!

Wo Wassermühlen meist im feuchten Wiesengrunde sich in Schatten schmiegen, stehen knarrende Windmühlen garantiert an exponierten Plätzen und frei im Wetter. Insofern ergibt es gerade im Cabriolet Sinn, der Freiluftsaison was Windzerzaustes draufzusetzen und mit einer gewissen Logik folgt man dem Wink der Flügelmühlen. Die österreichweit schönste und funktionierendste davon steht auf dem Windmühlenberg bei Retz und markiert ungefähr die Grenze zwischen Wald- und Weinviertel: Wer über den Ort hinweg auf die Weiten des Ostens blickt, fühlt im Rücken die Kühle des Waldes und hört die Rehböcke bellen.

Der Continental GT als Convertible war immer schon eine Beauty (ab 2006, damals noch mit W12-Motor), er stellt das eher schwernackige Coupé in den Schatten dank seiner ausfrisierten Nackenlinie, die das gesamte Auto sinnreich verschlankt, den optischen Druck auf das Hinterrad nimmt und ihm daher schon im geschlossenen Zustand eine gefälligere Anmutung verleiht. Schade gerade, dass es keine Hardtop-Version gibt.

Dass man in dieser Klasse eine Menge Horsepower spazieren führt, ergibt auf hoher Ebene Sinn. Dennoch leichte Wehmut eingedenk der Zeiten, als Motorleistung in dieser Wagenklasse mit „ausreichend“ angegeben wurde. Warum ist alles so ordinär messbar geworden.

Weitere Bedauerlichkeiten: 8-Gang-DSG aus dem (VW-)Konzernbaukasten, massives Lenkrad statt elegantem Reif und ein Tastaturfeld auf der Mittelkonsole, das bei Sonnenschein (ebenda) spiegelt wie gleißender Asphalt.

Das Auto wird auf Anhieb sympathischer, sobald man die Zwangsmechanismen auszuschalten weiß: Idealspur-Störprogramm am Lenkstockhebel links eliminieren (länger drücken), Sterntaste mit Temponörgel-Aus beaufschlagen, dann noch ein kurzer Nachdruck im Zentraldisplay, also dort, wo man dir immer vor Start Rechtsverhältnisse erklärt, damit du nie vergisst den langen Ärmel der Onlineüberwachung mit all ihren Vorzügen. Merke: So reich kannst du gar nicht sein, dass dir dein Bentley wirklich ganz gehört.

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Auch das Cockpit nimmt Fahrtluft auf. Schade, das kein Holzlenkrad angeboten wird. Muss man bei Mansory nachkaufen.

 ©  Andreas Riedmann

Windmühlen, Kovozoo und Nagano-Express

Mähren, die unbekannte Region im fremden Nachbarland (andere Sprache, andere Währung, bessere Biere, die EU kann ganz schön exotisch daherkommen), bietet niederschwellige Fahrfreuden auf Straßen, die anderswo längst von Kurven, Bäumen, Kuppen und Senken befreit und begradigt wären, und plötzlich spürst du, was ein Fahrwerk ist, wie es was wegarbeitet, Wellen, Rillen, Löcher, Asphaltflickwerk, und wie die waggonradgroßen Bremsen in die Eisen gehen und die Lenkung leicht wird, wenn du den schweren Wagen fliegen lässt ins Swingen aus der eigenen Masse heraus, dreidimensionales Autofahren in Zeit und Raum, aber bitte seid nicht bös, wenn ich das Dach lieber geschlossen habe. Wind und Sonne werden gemeinhin überschätzt als Freudenfaktor beim Autofahren. Bis Tempo 45 kann man ununterbrochen die Rooftop-Show abziehen, das macht sich gut im Stadtverkehr, da schau her!

Die Windmühle bei Retz, sozusagen Ankerpunkt unserer Reise, ist immer ein Bringer, man kann ihr beim Mahlen zuschauen und Windmühlenbrot erwerben. Du blickst in die Weiten des Weinviertels und spürst im Rücken die kühle Luft des Waldviertels. Scheideland, das nordwärts in den Naturpark Thayatal übergeht, und wer einen Abstecher ins ehemalige Liliendorf, heute Lesná macht, entdeckt dort die ebenfalls vom Maurer Franz Cerny erbaute Schwestermühle samt Motorradmuseum. Wir halten uns grade östlich bis Břeclav und schlagen uns dann nordwärts hinauf, gute sechzig Kilometer auf Bundesstraßen bis Uherské Hradišté, um den dort ansässigen Kovozoo aufzusuchen. Kovo bedeutet Metall auf Tschechisch. Zoo ist bekannt. Auf dem umzäunten Areal einer Metallverwertungsfirma haben unermüdliche Hände hunderte künstlerische Objekte erschaffen, Elefanten, Pfauen, Schweine und dero mehr in hoher Vielzahl, alles bewacht von einem Trabi auf fünfzehn Meter hoher Stange. Der alles überragende Leuchtturm heißt Šrotik (27 m), der dazugehörige Dreimaster Naděje (Hoffnung). Tatsächlich sehenswert, muss man aber mögen. Freiluftmuseen habe so einen Hang zur Unfrische.

Wir cruisen fünfzehn Kilometer weiter zum Flugzeugmuseum hinterm Gitterzaun. Prominentestes Ausstellungsstück hier ist der sogenannte Nagano-Express, eine Tupolev TU-154 mit besonderer Geschichte. Wir zitieren Radio Prag: „Ihren wohl berühmtesten Flug absolvierte die TU-154 am 23. Februar 1998. Damals brachte sie die tschechischen Eishockey-Nationalspieler um Superstar Jaromír Jágr aus Nagano zurück nach Prag – als frischgebackene Olympiasieger. Vor allem aber beförderte sie die tschechoslowakischen und später tschechischen Staatspräsidenten, auch Václav Havel. 2008 ging die Maschine russischer Bauart in Rente.“

In dero Leitwerkschatten machen wir kurze Pause bei halbgeöffnetem Dach als Schattenspender. Nicht im Sinne der Erfinder, aber wirksam. Dasselbe Manöver in einem Peugeot 208 Cabrio führte einst dazu, dass der elektronisch gesteuerte Mechanismus steckenblieb und wir 20 Kilometer auf derart unwürdige Weise zurücklegen mussten bis in die Werkstatt. Kann hier im Bentley nicht passieren.

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Der Bildband im Bild ist eine dringende Empfehlung, verpflichtende Gebrauchsanweisung für stilvolle Lebensbewältigung. Fotograf Slim Aarons, den Rest finden Sie selber raus!

 © David Staretz

Cabrio-Reise durch Mähren mit Herrn Akrapovič

Tipp: Gerade bei Cabrioletreisen empfiehlt sich meist, im Navi „Autobahn- und Mautstraße vermeiden“ einzustellen. Selbst wenn man sich einmal verfährt, ist das kein Drama. Dann halt die nächste Abbiegung. Wie viele Toskanas es wohl gibt auf der Welt? Egal, dies hier ist die mährische. Sanfte Hügel, goldene Weizenfelder, schattige Bauminseln, die ganze Ferienprospekt-Folklore in echt. Und mittendrin Kunkovice mit seiner malerisch baufälligen Windmühle am Wiesenkamm. Ganze Fotowettbewerbe scheinen sich um die Mühle in sämtlichen Lichtverhältnissen zu drehen. Dem nicht genug, kann man sie auch als Unterkunft beziehen, acht Betten, zwei Schlafzimmer, Kochgelegenheit, Bad und haustierfreundlich! Um knapp 150 Euro pro Nacht. Der alte Mühlstein taugt als Tisch mit Glasplatte. Zwei Doppelbetten sind mit Stahlketten frei hängend montiert.

Nein, das ergibt keine Überleitung zum Fahrwerk des Bentley, eher fügen sich Opas Schnarchgeräusche zum symphonischen Charakter der optionalen „Titanium Sports Exhaust by Akrapovič“--Anlage um rund 15.000 Euro (neu bestell- oder nachrüstbar für alle GT-Modelle ab 2025). Abgesehen von der gesteigerten Lebensdauer ist das Gewürm wirklich sein Geld wert. Gerade beim Cabrio legt sich der Sound um die Ohren wie der Kaschmirschal „Pavarotti“ von Hermès, den er immer trug, um die Apfelscheiben zu verbergen, die er angeblich um den Hals arrangiert hatte, um Speichelfluss anzuregen/adstringierende Wirkung zu erzielen. Ein Patent aus der Bäckerei seines Vaters. Aber sagen Sie nicht weiter, dass Sie das bei uns gelesen haben!

Zugegeben, wir hatten Akrapovič bislang für eine Krawallbude für Suzuki-Kawa-Honda-Heizer gehalten. Ein Vortrag bei den Bentley Tech-Days belehrte uns eines Besseren. Im slowenischen Ivančna Gorica in der Malo Hudo 8a werden weltmeisterliche Abgassysteme nach Hightech-Grundsätzen gefertigt, unter anderem verfügt man über eine eigene Titangießerei. Dies nur zum Thema Fertigungstiefe. Dass nun Bentley eine Kollaboration mit Akrapovič eingegangen ist, scheint eine Doppel-Win-Situation zu garantieren. Erwarten Sie keine Klangfarben-Poesie im Sachtext hier, aber da werden Zwischentöne gespuckt, die konzertante Qualitäten besitzen, unterfangen von einer kontrolliert zerzausten Hinterhof-Rotzigkeit, die dem Bentley überraschend gut ansteht.

Unsere Rückreise verästelt sich in der Grenzregion; wer nicht weiß, wohin er will, ist mit jedem Schritt am Ziel (ca. Seneca), und man könnte noch eins draufsetzen in dem Sinne, dass jeder, der sich einen Bentley leisten kann, ohnehin am Ziel sei. Aber vergiss nicht! Das Auto gehört dir nicht mehr ganz. Alles Weitere im Untermenü für Statistik-, Analyse- und Berichtszwecke.

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Nicht nur Cabrio können sie, sondern auch Heck. Und vor allem: Heckleuchten.

 ©  Andreas Riedmann

Zusammenfassung

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Lehrgang in Bescheidenheit. Viel mehr als eine Weekender-Tasche samt Boarding Pass geht sich hier drin nicht aus. In der fetten Box ist ein Ladekabel, die fliegt natürlich als Erstes raus.

 © David Staretz

Daten & Ausstattung

Dieser Test ist in autorevue 9/2026 erschienen.

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