Kia hat beherzigt, was jeder Schrankhersteller weiß, nämlich, dass in einen eckigen Kasten mehr reingeht als in einen runden. Aber auch sonst haben sie einen guten Job gemacht.
Überblick
Preis und Positionierung im Segment leistbarer Elektroautos
Nach langem öffentlichem Herumsudern ist nun endlich der Konkurrenzkampf im Segment der sogenannten leistbaren Elektroautos ausgebrochen. Gefordert wird ja schon seit langem das Auto um 20.000 bis 25.000 Euro, jetzt sind die 25.000 Euro eine weit verbreitete Untergrenze, die nur vereinzelt durchbrochen wird, wie etwa vom BYD Dolphin Surf (und von meistens zeitlich begrenzten Angeboten, die deutlich unter Liste liegen können).
Diese Untergrenzen markieren freilich die Einstiegsversionen, und die wiederum, wie wir von den Importeuren erfahren, kauft kaum einmal jemand. Das Auto ist noch immer ein zu emotionales Produkt, als dass nicht so mancher es als Lebensversagen interpretiert, zum Allerbilligsten zu greifen.
So steigt man denn in die EV2-Welt eher theoretisch bei 26.690 Euro ein. Dass der GT-Line, den es nur als Long Range gibt, über 40.000 Euro kostet, sprengt vielleicht die Kleinwagendimensionen ein wenig, andererseits, was soll’s, ist ja jede Woche Inflation von Montag bis Freitag.
Unsere Wahl – zweithöchstes Ausstattungsniveau Earth Plus mit kleinerer Batterie – gibt’s auch nicht gerade geschenkt. Ziehen wir aber andere Elektroautos zum Vergleich heran, sehen wir, dass die Dinge jetzt eben so sind. Der ähnliche ID. Polo Style zum Beispiel, mit kleinerer Batterie und 135 PS Motorleistung, kostet 33.790 Euro. Da ist aber die Ausstattung deutlich schlanker (ohne Navi, Wärmepumpe, elektrisch verstellbare Vordersitze, Harman Kardon, 18"-Räder und mit etwas weniger Ladeleistung etc., andererseits aber mit Matrix- LEDs), was wiederum den Kia als vergleichsweise günstiges Angebot ausweist.
Ausstattung, Design und Platzangebot
Was die Ausstattung betrifft, lässt der Kia nichts anbrennen. Nur diverse Farben sind extra zu bezahlen.
Das Schachtelförmige mit der kantigen Front steht dem EV2 gut. Individuell wird’s hinten, die Heckscheinwerfer lassen mit ihrer Positionierung ein wenig an den Hyundai Kona Electric denken. Und nicht mit wohligem Schauer.
Das Design hat optimale Platzausnutzung zur Folge. Umso mehr, wenn man auch noch die Viersitz-Variante gewählt hat, mit zwei längsverschiebbaren Einzelsitzen hinten, was durchschnittsgroßen Fondpassagieren komfortablen Aufenthalt ermöglicht. Derlei ist ja sonst bei den Kleinwägen nicht üblich.
Das Design hat auch zur Folge, dass man den ganzen EV2 ein wenig als geometrisch wahrnimmt. Auch innen dominiert das Grundprinzip des Parallelogramms. Und so findet man sich weniger in einer wattigen Behaglichkeit als in einer modernisierten Bauhausatmosphäre wieder (nicht der Baumarkt, sondern der Stil). Schon fast rührend wirken da inschriftliche Auflockerungsversuche wie „Have a nice day“ bei den Türgriffen oder das „Hello“ mit Smiley beim Schweller.
Verbrauch, Reichweite und Fahreindruck
Nice day und smile gibt’s dann sowieso beim Fahren, denn der EV2 ist so, wie es ein Verbrennerkleinwagen nicht zusammenbringt: Gleichzeitig von erwachsen-stiller Souveränität und juvenilem Bewegungsdrang. Geht fein von der Hand in der Stadt und auch sonst. Die kleinere Batterie zieht bei maximal 300 km die Leine an, bei einem Durchschnittsverbrauch von 14,1 kWh wird man ab 200 km das Navi auf eine Ladestation in der Umgebung hetzen.
Autos wie der EV2 erweisen der Elektromobilität einen guten Dienst, so viel ist fix.
Zusammenfassung
Was wir mögen
Die geschmeidige Wieselflinkesse.
Was uns fehlt
Etwas mehr gefühlte Opulenz.
Was uns überrascht
Die Wahlmöglichkeit zwischen 4- und 5-Sitzer.
Die Konkurrenz
Fiat 600, Peugeot 2008,
Alfa Junior, Jeep Avenger.
Daten & Ausstattung
Kia EV2 Earth Plus Standard Range
Preis € 35.190,–, Steuer jährlich € 172,20
Motor, Antrieb Permanent-Magnet-Synchronmotor, Reduktionsgetriebe, Frontantrieb.
Leistung/Drehmoment Max. 108 kW (147 PS), 250 Nm. Nennleistung 49 PS.
Batterie/Laden Kapazität 42,2 kWh brutto, Ladeleistung 118 kW.
Fahrleistungen Spitze 161 km/h, 0–100 km/h 8,5 sec.
Verbrauch 15,1–15,5 kWh/100 km, Reichweite bis 308 km. Im Test 14,1 kWh/100 km.
Dimensionen L/B/H 4065/1800/ 1585 mm, Radstand 2656 mm,
Gewicht bis 1645 kg, Anhängelast 750/750 kg. Kofferraum 321–1201 l.
Ausstattung 18"-Räder, adaptiver Tempomat, Autobahnassistent, 360°-Kamera, Parksensoren rundum, Over-the-Air-Updates, Sitzheizung v., 2-Zonen-Klima, induktives Handyladen, Navigation, elektrisch verstellbarer Fahrersitz etc.
Extras Lackierungen: Solid € 300,–, Metallic € 650,–, Matt € 1.400,–.
Dieser Test ist in autorevue 9/2026 erschienen.

