Wer ist eigentlich schuld?

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Die Nachrichten sind ja nicht so toll derzeit. Der Volkswagenkonzern dominiert natürlich in einem Ausmaß, dass man schon meint, das alles betrifft nur ihn. Aber das liegt lediglich an der – leider systemrelevanten – Größe. Auch die anderen sind betroffen, sogar die so lange unverwundbar scheinende BMW-Gruppe muss einsparen.

Die Verantwortung für die Misere wird oft der allgemeinen Lage zugeschrieben, den geopolitischen Umständen, und natürlich China.

Nicht so oft ist von Versäumnissen die Rede, kaum von persönlichem Versagen. In dem Zusammenhang ist eine Studie interessant, die gerade von United Interim herausgegeben wurde: Das ist ein digitales Ökosystem für Interims-Manager im DACH-Raum, wenn man so will eine großangelegte Vermittlungsagentur für Manager, die zeitlich befristet in vor allem größeren Unternehmen an führender Stelle mitmischen und dabei auch Haftung übernehmen. Das Modell ist weit verbreitet. Die Nähe zur Unternehmensberatung fällt auf, und in der Tat hat Interims-Management nicht selten mit Sanierung zu tun, aber eben mit deutlich mehr Verflechtung und Engagement der Beteiligten.

550 dieser "Manager auf Zeit", die in der jüngeren Vergangenheit in der deutschen Autoindustrie gearbeitet haben, wurden für den "United Interim Wirtschaftsreport 2026" über ihren Eindruck befragt, und ihre Antworten sind nicht übermäßig schmeichelhaft.

Die Überheblichen

Drei Viertel der eingesetzten Interims-Manager, 74 Prozent, attestierten den Branchenvorständen eine "Überschätzung der eigenen Unfehlbarkeit". Das wundert uns wenig. Man hat seine Vorstellungen davon, welche Charaktereigenschaften nötig sind, um in die höchsten Etagen zu gelangen. Selbstreflexion wäre gut, aber ohne kommt man weiter. Zwei Drittel der Befragten vermissen bei den Vorständen die "Weitsicht für künftige Entwicklungen", 61 Prozent bemängeln das Fehlen von "disruptiver Innovationskraft". 57 Prozent haben festgestellt, dass in den oberen Etagen der Autobranche Kundenwünsche nur eine geringe Rolle spielen (den Verdacht haben wir ja schon länger). 

Allgemein sprechen die Interims-Manager von "Entscheidungswellen mit Serienfehlern": Den Bedeutungswandel von der Hardware zur Software haben die Konzernspitzen verschlafen, die KI-Kompetenz der deutschen Autohersteller "geht gegen null", dazu kommt das Beharren auf veralteten und zu teuren Produktionsmethoden (übliche Idee dazu: Produzieren wir halt in Billiglohnländern) und die Unterschätzung der Bedeutung der Infrastruktur (etwa hätten sich die Hersteller mehr um den Ausbau einer einheitlichen Lade-Infrastruktur kümmern müssen). 

Die Interims-Manager wurden auch über mögliche Auswege befragt. Die werden überwiegend in anderen Branchen gesehen: 72 Prozent meinten, die Autoindustrie sollte – teilweise – auf das Geschäft mit Batterien setzen, andere favorisieren die Rüstung (54 Prozent) oder die Luft- und Raumfahrt (42 Prozent). 

Und dann wurde den 550 Interims-Managern noch die Aussage vorgelegt: "Die deutsche Autoindustrie ist auf Dauer nicht zu retten." 53 Prozent stimmten zu.  

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