
Wer vor einigen Jahren einen Jaguar I-Pace kaufte, war ein Pionier. Das englische Elektro-SUV gewann 2019 gleich mehrere internationale Auszeichnungen, darunter den prestigeträchtigen Titel „World Car of the Year“. Jaguar schien die Zukunft gefunden zu haben – und viele Kunden glaubten, sie gleich mitgekauft zu haben. Heute zeigt sich jedoch: Die Zukunft ist manchmal schneller vorbei als gedacht.
Laut einer aktuellen Analyse des Fahrzeugdatenanbieters carVertical ist der Jaguar I-Pace jenes Modell, das in Deutschland – sagen wir einmal, der österreichische Markt, für den hier keine Daten vorliegen, ist nicht sehr weit entfernt vom deutschen – innerhalb von fünf Jahren am stärksten an Wert verliert. Im Durchschnitt büßen die Fahrzeuge 65,7 Prozent ihres ursprünglichen Wertes ein. Anders formuliert: Wer einst rund 80.000 Euro investierte, besitzt nach fünf Jahren statistisch gesehen nur noch ein Auto im Wert von knapp 27.000 Euro.
Damit führt der I-Pace ein Ranking an, das kein Hersteller gerne gewinnt. Hinter ihm folgen der Jaguar XF (61,6 Prozent Wertverlust), der Renault Zoe (61,1 Prozent), der Smart Fortwo (59,9 Prozent) und der Ford Mondeo (58,4 Prozent).
Was wir daraus lernen
Der Befund zeigt ein Phänomen, das derzeit besonders Elektroautos und Premiumfahrzeuge betrifft. Während klassische Verbrenner über Jahrzehnte relativ berechenbaren Wertverlusten folgten, hat die rasante technische Entwicklung bei Elektrofahrzeugen die Regeln verändert. Ein E-Auto von 2019 mag objektiv noch immer ein gutes Auto sein – subjektiv wirkt es angesichts heutiger Reichweiten, Ladegeschwindigkeiten und Softwarefunktionen jedoch schnell wie Technik von gestern. Oder vorgestern. Oder noch länger her.
Genau das trifft den I-Pace besonders hart. Als er auf den Markt kam, galt seine Reichweite von rund 400 Kilometern als extrem gut. Heute bieten zahlreiche Modelle mehr Reichweite, schnellere Ladezeiten und moderne Infotainmentsysteme – oft zu niedrigeren Preisen.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Luxusautos altern auf dem Gebrauchtwagenmarkt anders als Volumenmodelle. Wer ein fünf Jahre altes Premium-BEV kauft, erwirbt nicht nur ein Fahrzeug, sondern auch potenziell hohe Reparatur- und Wartungskosten. Das drückt die Nachfrage – und damit die Preise.
Interessant ist dabei, dass nicht alle Elektroautos gleichermaßen betroffen sind. Das Tesla Model 3 zählt laut der Studie sogar zu den Fahrzeugen mit dem geringsten Wertverlust in Deutschland. Auch der Audi e-tron schneidet besser ab als viele seiner elektrischen Mitbewerber.
Fast schon überraschend wirkt dagegen der Sieger auf der anderen Seite der Tabelle. Den geringsten Wertverlust unter den analysierten Modellen verzeichnet der Opel Insignia mit 56,5 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Das klingt zwar zunächst ebenfalls nach einer drastischen Entwertung, reicht im aktuellen Marktumfeld aber bereits für einen Spitzenplatz.
Nur der Vollständigkeit halber wollen wir noch anmerken, dass das Leid der Verkäufer die Freude der Käufer ist.

