Elektrofahrzeuge Oberklasse – Vollgasrausch im Grenzbereich

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Die Nürburgring-Nordschleife ist eine Art Goldstandard für Autos, von denen sich das werte Publikum besondere Performance erwartet. Oder vielleicht auch nur, wo sich die Marketingmenschen der Hersteller vom Publikum erwarten, dass es sich diese Performance erwartet.

Wer auch immer sich was erwartet: Seit auch die Chinesen die Schleife entdeckt haben – der Yangwang U8 schwang sich ja dort im Vorjahr in die lichten Höhen des schnellsten Serienautos überhaupt –, hat das Spiel auch globale Bedeutung bekommen. Oder steht zumindest im widerlegbaren Verdacht einer solchen. Man weiß ja nie.

Jüngster Streich: Porsche, wieder einmal. Und Manthey-Kit, wieder einmal. Wer noch nicht weiß, was das ist: Dabei handelt es sich um ein spezielles Performance-Upgrade für Porsche-GT-Modelle, entwickelt von Manthey-Racing in Meuspath am Nürburgring. Das Unternehmen, das sowohl als Team im Motorsport mitmischt, als auch eine ziemlich elaborierte Form des Tunings betreibt, steht zu 51 Prozent im Eigentum der Porsche AG.

Die Manthey-Kits für Porsches erfassen die Aerodynamik (sichtbar durch große Heckflügel, nicht so sichtbar durch geradezu wissenschaftliche Airflow-Maßnahmen), das Fahrwerk (Rennstrecken-Gewindefahrwerke), die Bremsen (größer), das Gewicht (kleiner).

Wann immer ein Porsche auf der Schleife auffällt, ist Manthey beteiligt.

Wie zum Beispiel gerade eben

Aktuell hat der Porsche-Entwicklungsfahrer Lars Kern mit einem Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket und besagtem Kit die neue Bestzeit für Elektrofahrzeuge der Oberklasse erzielt: 6:55,533 Minuten – über neun Sekunden schneller als der bisherige Rekordhalter (ein Xiaomi SU7 Ultra). Man könnte sagen, ein Erdrutschsieg.

Im Mittelpunkt der Modifikationen stand natürlich die Aerodynamik, die zwischen 200 und 300 km/h immer eine besondere Rolle spielt. Bei 200 km/h hat der Taycan des Herrn Kern 310 kg Gesamtabtrieb, statt nur 95 Kilo ohne Kit. Bei der Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h sind es schon 740 Kilo, bedeutet mehr Speed in der Kurve. Auch am Antrieb wurde optimiert: Im Attack-Mode stehen zehn Sekunden lang 993 PS zur Verfügung.

Was noch passierte: Leichtere (wenn auch größere) Räder, Verschärfung bei Lenkung und Allrad, größere Bremsscheiben etc.

Ganze Arbeit also. Und hat wie immer solche Sachen einen kaufmännischen Hintergrund: Porsche will (bzw. muss) mehr Taycans verkaufen. Dessen Absatz befindet sich im Steigflug nur, wenn man auf dem Kopf steht: 2023 noch rund 40.000 Stück, 2024 wurde der Absatz praktisch halbiert auf 20.836, im Vorjahr nur noch 16.339 Stück. Vermutlich braucht’s da etwas mehr, als ein Manthey-Kit und eine schnelle Runde.

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