Tod am Zebrastreifen

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 © Martin Strubreiter

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Die Titulierung als Zebrastreifen ist freilich eine populärwissenschaftliche, denn fachlich korrekt wird der Zebrastreifen als Schutzweg bezeichnet, und dessen Name sagt alles: Hier können Fußgänger und Fußgängerinnen die Fahrbahn überqueren, ohne von Autos niedergefahren zu werden. Die haben nämlich, sobald ein Fußgänger die Fahrbahn am Schutzweg überqueren mag, anzuhalten und das Überqueren zu ermöglichen. Was die Praxis aus dieser Theorie macht, sieht man täglich im Straßenverkehr, bevorzugt aus der Fußgängerperspektive: Sich auf die Schutzwirkung des Schutzweges zu verlassen, kann gefährlich werden.

"Acht Prozent der Kfz ...

... missachten Schutzwege" übertitelt das Kuratorium für Verkehrssicherheit seine Aussendung nach jüngsten Untersuchungen zum Thema, und eigentlich müsste es heißen: „Acht Prozent der Pkw-Lenkenden missachten Schutzwege.", denn das Kraftfahrzeug würde sowas von sich aus gewiss nicht machen. Die Schicksale hinter den Zahlen: Jährlich werden in Österreich auf Schutzwegen mehr als 1000 Menschen verletzt und im Schnitt elf getötet. Etwas mehr als die Hälfte davon auf ungeregelten Schutzwegen. Das KfV hat aktuell 6400 Versuche, die Fahrbahn zu überqueren, beobachtet. Ergebnis: Acht Prozent der Kfz fahren einfach weiter, obwohl Fußgänger eindeutig signalisieren, die Fahrbahn überqueren zu wollen.

Über die Gründe kann man ...

... spekulieren, die Bandbreite reicht gewiss von Ablenkung (Tippen an irgendeinem Bildschirm) bis zu mangelnder sozialer Intelligenz, die aber beim Bildschirmtippen in voller Fahrt eh auch mitmischt. Den Fußgängern ist natürlich davon abzuraten, auf ihren Vorrang zu bestehen, denn das kann tödlich ausgehen, und selbst dann ist die Schuldfrage knifflig zu klären: Es ist nämlich verboten, den Schutzweg für Autofahrer überraschend zu betreten. Einmal darf man raten, was Unfalllenker zu Protokoll geben werden, wenn sie einen Fußgänger an- oder umfahren – überraschendes Betreten der Straße ist aber vermutlich auszuschließen, wenn das Kuratorium für Verkehrssicherheit dabei zuschaut.

Und wenn etwas mehr als die Hälfte der schweren bis tödlichen Schutzweg-Unfälle auf ungeregelten passiert, dann passiert der Rest auf geregelten, also solchen mit Ampel. Bleibt wie so oft die Erkenntnis: Es wäre alles viel einfacher, wenn mehr aufeinander aufgepasst würde und alle Egos auch ohne Egoismus ausreichend stabil wären.

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