Als Diesel noch am Anfang war

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 © Ralph Kremlitschka via Autoren-Union Mobilität

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Selbst der Käfer sollte einen Dieselmotor bekommen, vor 75 Jahren: Ein Diesel im Pkw, das war eine eher holprige Geschichte: Der Mercedes 260 D war 1936 der erste Pkw mit Selbstzünder, mit seinen 45 PS aus zwei Litern Hubraum waren Passagiere mit phlegmatischem Gemüt im Vorteil. Oder Taxifahrer, die kauften wegen der Sparsamkeit.

Zeitgleich präsentierte auch Peugeot einen 2,3 l-Dieselmotor mit 55 PS, der anfangs nur in leichten Nutzfahrzeuge montiert wurde, bis 1940 aber auch in rund 1000 Peugeot 402 mit ihrer futuristischen Stromlinien-Karosserie. Auch den nutzten die Taxifahrer, das angeblich einzige überlebende Exemplar steht heute in Peugeots Klassik-Sammlung. Vom Mercedes 260 D haben mehr Exemplare überlebt.

In Schwung kam der Diesel ...

... erst in Nachkriegstagen: Mercedes machte einfach weiter, sobald die Werke wieder arbeiten konnten, Peugeot schrieb sich erst 1959 mit dem 403 Diesel in die Automobilgeschichte ein, Borgward war mit dem Hansa 1800 D schneller (1953).

Und fast hätte auch VW mitgemacht: 1951 hob die Entwicklung eines Dieselmotors für den Käfer an, konsequenterweise ebenfalls als luftgekühlter Vierzylinder-Boxer, natürlich im Heck montiert. Zwei Versuchsmotoren entstanden, aber die Ergebnisse waren anfangs ernüchternd: 18 PS aus 1.140 ccm ließen eine trübe Zukunft erahnen, der Rußausstoß im wahren Wortsinn auch. Erst mit auf 1.308 ccm vergrößertem Hubraum und einer neuen Einspritzpumpe durfte der Motor als halbwegs praxistauglich gelten, mit seinen 24,5 PS beschleunigte er den Käfer in rund 60 Sekunden auf 100 km/h, immerhin: Der Hunderter ging sich aus. Halbwegs rauchfreie Abgase waren noch immer nicht möglich, die Vibrationen sollen enorm gewesen sein.

Zwei Versuchsfahrzeuge entstanden, ...

... nach rund 20.000 Kilometern zeigte sich bei einem davon ein Riss am Zylinderkopf, er wurde einfach geschweißt. Erstmals sozusagen in Kundenhand kam einer der beiden Versuchsträger, als er gestohlen wurde – der Autodieb ließ den Diesel-Käfer allerdings schon nach ein paar Kilometern stehen. Vernichtender konnte ein Urteil nicht ausfallen, VW schloss sich an, die Versuchsträger wurden verschrottet. Die Konstruktionszeichnungen aber haben überlebt, und erst 25 Jahre später kam ein Diesel-VW in die Schauräume – der Golf, mit 50 PS auch nicht überschäumend motorisiert, aber für sportliches war ab 1976 ohnedies der GTI zuständig.

Der Dieselmotor ist, wiewohl imagetechnisch angeschlagen, noch immer unter uns. Zum Beispiel (Vorsicht, Überleitung mit dem Holzhammer!) im Land Rover Defender. An seine 300 PS hat bei VW 1951 eher niemand gedacht, und seine 129.480 Euro Kaufpreis sind vermutlich mehr, als VW damals ins komplette Diesel-Versuchsprogramm investiert hat.

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