
Vorausschickend möchten wir betonen, dass wir das Wort Hausverstand in seinem ursprünglichen Sinn verstehen wollen, also so einigermaßen als Synonym für Vernunft. Dem Wort wurde in jüngerer Vergangenheit übel mitgespielt, einmal musste es für die Werbekampagne eines Supermarktes herhalten, dann wieder wurde es als Ausrede dafür verwendet, sich wie ein Idiot zu benehmen.
Dem Hausverstand höchstselbst wurde und wird aber in der Autoindustrie besonders hart zuleibe gerückt. Er stirbt unter Zwangspanoramaglasdächern an Hitzschlag, wird von unbedienbaren Drückplatten auf hässlichen Lenkrädern und anderswo erstickt, von grotesken Fensterheberkonfigurationen verwirrt, von missglückten Türgriffen zur Verzweiflung getrieben. Und seltsam: So blöd kann etwas garnicht sein, dass es nicht Mode wird. Man denke nur an die derzeit lustigste Art, auf den Klimawandel und die zunehmende Zahl an Sonnentagen zu reagieren: Mit Glasdächern. Das ist so, als würde eine Modekette auf den Winter damit reagieren, dass sie nur noch Tanktops und Havaianas verkauft.
Warum ist überhaupt alles so herabgekommen? Eine Theorie: Unsere Zeit ist eine Getriebene. Wer bei der Abteilungsleitersitzung am Montag nicht was Neues präsentiert, und wenn's der letzte Mist ist, kann am Dienstag schon Job suchen. Und da sehr viele Sachen schon fertigerfunden, ausentwickelt und nicht mehr verbesserbar sind, werden sie zwangsläufig von Mist ersetzt. Geht garnicht anders.
Es gibt Hoffnung
Als wir schon dachten, alles würde nur immer noch schlimmer, erschien plötzlich ein Modell einer Marke, die es gerade etwas mühsam hat, und stellte einiges auf den Kopf. Also eigentlich erscheint es erst. Und wir werden über den VW ID. Polo hier und jetzt auch nichts Näheres berichten, denn der Konzern gibt Details nur stückerlweise frei (auch wenn wir als Insider natürlich schon etwas mehr wissen). Was man aber sehen und lesen kann, findet sich auf jeder VW-Website: Glasdach als Option, richtige Tasten am Multifunktionslenkrad, ordentliche Bügelgriffe an den Türen (zumindest vorne), vier Fensterheber in der Fahrertür (insofern hat man sich von einem besonders armseligen Fehler verabschiedet, welcher lückenlos von Mercedes übernommen wurde und jetzt die armen EQB-Fahrer ärgert) und einen Drehregler zwischen den Vordersitzen für die Lautstärke. Alles keine bahnbrechenden Erfindungen, genaugenommen überhaupt keine, gibt's alles schon ewig. Aber der Mut, solche Sachen wiederzubeleben, ist bemerkenswert, wobei man sich fragen muss, warum er das eigentlich ist? Hat wohl mit dem Eingestehen von Fehlern zu tun, was nie leicht ist, vor allem, wenn man mit den Fehlern viel Geld versenkt hat. Dabei gilt: Wer Fehler zugibt und ausbessert, zeigt wahre Größe.

