Alfa Romeo und Motorsport gehören zusammen. Bei den Alfisti Days 2026 am Salzburgring wurde diese Geschichte wieder lebendig. Wir waren mit unserem eigenen Alfa 1300 GT Junior mittendrin.
Wo jeder Alfa Romeo hingehört
Jede Kultmarke braucht ihren Feiertag, so auch Alfa Romeo. Wir sind mit unserem 1300 GT Junior zu den Alfisti Days 2026 auf den Salzburgring gereist. Dorthin, wo sich am 1. und 2. Oktober die österreichische Alfa-Szene zum zweiten Mal getroffen hat, um ihrer gemeinsamen Leidenschaft nachzugehen. Zwischen historischen Modellen, sportlichen Straßenautos und allem dazwischen. Und vor allem mit der Gelegenheit, die Autos nicht nur anzuschauen, sondern auch auf jener Bühne zu bewegen, für die viele von ihnen ursprünglich entwickelt wurden: der Rennstrecke.
Immerhin gewann Alfa Romeo 1950 mit Giuseppe „Nino“ Farina das erste Rennen der neu gegründeten Formel-1-Weltmeisterschaft und am Ende der Saison gleich den ersten WM-Titel. Dass ein Alfa auf die Rennstrecke gehört, ist also gewissermaßen historisch abgesichert.


Unser Alfa 1300 GT Junior im Paddock.
© Enes DaniskanMit 1300 Kubik auf dem Salzburgring
Natürlich stellt sich bei einer solchen Angelegenheit die Frage, wie sich ein mehr als fünf Jahrzehnte altes Auto auf einer Rennstrecke schlägt. Vor allem, wenn es sich nicht um eine eigens für den Motorsport aufgebaute Rennversion, sondern um einen weitgehend serienmäßigen 1300 GT Junior handelt.
Die Antwort: erstaunlich gut. Unser Alfa fühlte sich auf dem Salzburgring ausgesprochen wohl, blieb auch bei sportlicher Gangart thermisch unauffällig und zeigte keinerlei unangenehme Tendenzen zum Untersteuern. Ein kleines, leichtes Auto, dessen Qualitäten nicht aus gewaltiger Motorleistung, sondern aus seiner Ausgewogenheit entstehen. Natürlich sind die Geschwindigkeiten überschaubar, zumindest im Vergleich zu modernen Sportwagen – auf der langen Geraden rauf den Berg hätten ein paar PS mehr gut getan. Aber genau darin liegt eigentlich ein wesentlicher Teil des Vergnügens. Man muss nicht besonders schnell sein, um auf einer Rennstrecke besonders viel Freude zu haben.
Durch die erste Schikane am Salzburgring in unserem GT Junior!
© Enes DaniskanWobei man die Sache schon relativieren muss: Auf derselben Strecke waren schließlich auch deutlich potentere Alfa Romeos unterwegs. Darunter ein GT Am aus dem Jahr 1970, also jene radikale Rennversion auf Basis der Baureihe 105, die demonstriert, was aus einem verwandten technischen Grundkonzept werden kann, wenn es konsequent auf den Motorsport ausgerichtet wird.
Verbreitete Kotflügel, Rennfahrwerk, hochgezüchteter Zweiliter-Vierzylinder und eine kompromisslose Abstimmung. Während unser kleiner Junior vor allem mit seiner gutmütigen und spielerischen Art Freude machte, spielte der GT Am vom Speed her in einer völlig anderen Liga – ein richtiges Brett! Kein Wunder, schließlich handelt es sich um ein echtes Rennauto.
Jochen Rindt, Alfa Romeo und das Jahr 1970
Noch eine historische Verbindung macht die Angelegenheit besonders: Sowohl unser 1300 GT Junior als auch der GT Am stammen aus dem Jahr 1970. Jenem Jahr also, in dem Jochen Rindt Formel-1-Weltmeister wurde.
Rindt hatte seine ersten größeren Erfolge im Motorsport Anfang der Sechzigerjahre auf einer Alfa Romeo Giulietta TI gefeiert. 1962 gewann er damit unter anderem ein Tourenwagenrennen auf dem Flugplatz Aspern in Wien. Und ausgerechnet hier auf dem Salzburgring bestritt er am 30. August 1970 sein letztes Rennen, einen Formel-2-Lauf. Sechs Tage später war er tot.
Dass wir nun 56 Jahre später mit zwei Alfa Romeos aus genau diesem Jahr auf derselben Rennstrecke unterwegs waren, hat natürlich keine tiefere Bedeutung. Aber es ist eine jener historischen Verbindungen, die einem als Motorsportenthusiast durch den Kopf gehen, wenn man mit einem alten Auto auf einer traditionsreichen Rennstrecke fährt.
Vom Klassiker bis zum elektrischen Junior Veloce
Das Schöne an solchen Veranstaltungen ist die Vielfalt. Bei Alfa Romeo reicht die automobile Geschichte von eleganten und hochpreisigen Sportwagen der Nachkriegszeit über die deutlich erschwinglicheren Limousinen, Coupés und Spiders der Sechziger- und Siebzigerjahre bis zu den heutigen Modellen. Und sie zeigt, wie die Marke das Thema Sportlichkeit über die Jahrzehnte interpretiert hat.
Dass die Quadrifoglio-Topversionen von Giulia und Stelvio auf der Rennstrecke eine mehr als gute Figur machen würden, war zu erwarten. Zur Freude aller Alfa-Fans sind die beiden wieder neu bestellbar und so ergab sich die perfekte Chance für alle Interessierten, das Duo auf der Rennstrecke im natürlichen Habitat zu erleben.
Die eigentliche Überraschung war allerdings ein ganz anderer Alfa: der elektrische Junior Veloce. Mit 280 PS zwar alles andere als untermotorisiert, aber eben ein kompakter Elektro-Crossover mit Frontantrieb. Und der machte auf dem Salzburgring erstaunlich viel Spaß. Vor allem das präzise, ausgesprochen knackige Einlenkverhalten fiel auf. Der Junior reagierte unmittelbar auf Lenkbefehle, wirkte agil und ließ sich mit bemerkenswerter Freude durch die Kurven bewegen. Ein Auto, dem man diese Lebendigkeit angesichts seines Konzepts nicht unbedingt zugetraut hätte. Maßgeblich für den positiven Gesamteindruck verantwortlich waren das Sperrdifferenzial an der Vorderachse sowie die Sabelt-Sitze mit viel Seitenhalt.
Alfisti Days – mehr als nur Autos schauen
Das Konzept der Alfisti Days beschränkte sich nicht nur darauf, schöne Autos auszustellen. Vielmehr sollte die Rennstrecke selbst zum Erlebnis werden. Teilnehmer konnten mit dem eigenen Alfa Romeo auf den Salzburgring fahren oder die aktuelle Modellpalette kennenlernen. Zur Verfügung verschiedene Versionen von Junior, Tonale, Giulia und Stelvio.
Zum Rahmenprogramm gehörten Race-Taxi-Fahrten mit professionellen Piloten, Rennsimulatoren und auch ein Tattoo-Studio – kein Witz! Auch eine gemeinsame Abschlussparade der Alfa Romeos war Teil des Veranstaltungskonzepts. Vor allem aber bot das Event die Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und die unterschiedlichsten Ausprägungen der Marke an einem Ort zu erleben.
Bemerkenswert ist dabei die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Denn natürlich steht Alfa Romeo heute vor ganz anderen Herausforderungen als zu jener Zeit, als Alfa die Rennstrecken Europas dominierte. Elektrifizierung, Plattformstrategien und wirtschaftlicher Druck beeinflussen auch diese Marke. Die eigene Geschichte ist dabei einerseits ein großer Vorteil, andererseits ein Anspruch, an dem sich jedes neue Modell messen lassen muss.


Vielleicht liegt genau darin die Besonderheit solcher Treffen. Es geht nicht darum darüber zu urteilen, welcher Alfa oder welche Ära nun die beste sei, sondern darum, Freude an der Marke zu haben. Und die lebt bis heute unter den Leuten.
Das ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Hersteller bemühen sich darum, rund um ihre Produkte eine Community aufzubauen. Alfa Romeo hat sie seit Generationen. Nicht umsonst gibt es für die Anhänger der Marke eine eigene Bezeichnung: Alfisti.
Entgeltliche Einschaltung

