Reden wir über die Komponenten eines Autos, die eigentlich immer zu kurz kommen, nämlich über Audio-Systeme und ihren Klang. Und zwar mit DJ Anna Ullrich.
DJ Anna Ullrich testet drei Auto-Soundsysteme
Beim Autotest geht es um Fakten wie Leistung, Verbrauch, Kofferraum und Preis oder aber um abstraktere Eigenschaften wie Fahrgefühl oder Design. Zwar fällt hin und wieder eine Randnotiz zum Thema Audio bei der Besprechung von Ausstattung oder Extras, inhaltlich, also was die Qualität der Wiedergabe oder Einstellungsmöglichkeiten der Klangkulisse angeht, wird die Sache aber in der Regel nicht abgehandelt. Das wollten wir ändern, steht doch der Musik-Konsum im Auto ganz oben auf der To-do-Liste beim Fahren. Also haben wir die Wiener DJ Anna Ullrich eingeladen, mit uns drei Autos mit unterschiedlichen Soundanlagen zu testen. Nicht wissenschaftlich, eher subjektiv. Welche Anlage fetzt für Anna am meisten?
Obwohl die Modalitäten bereits vorab geklärt waren, müssen sich Ullrich und Kerbler was gedacht haben, als wir uns im letzten Eck von Wien unter einer Brücke getroffen haben. Hat eher nach Entführung ausgesehen als nach sonst was. Grund für die Location: Schatten und Ruhe (damit man dann voll aufdrehen kann). Das Eis bricht, alsbald die Musik loslegt – wie das eben so ist. Für den Test haben wir uns nicht nur Annas Musik reingezogen, sondern auch ein Kontrastprogramm: Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“, aufgenommen von den Berliner Philharmonikern im Jahr 2010, davon der Klassiker, „Der Sommer“ – 3. Satz, eh klar, und eines der vielleicht am besten produzierten Heavy-Metal-Alben der Geschichte, nämlich das Black Album von Metallica von 1991. Remastered.


Alpine 390 GTS mit Devialet
© Andreas RiedmannAlpine A390 GTS mit Devialet: Klarer Klang für Rock und Heavy Metal
Drei Autos haben wir sorgsam zusammengestellt, allesamt keine billigen. Wir starten das gemeinsame Hörabenteuer im günstigsten Auto hier, der Alpine 390 GTS. Die französische Premium-Marke Devialet sorgt für den Sound und hat einen individuellen Zugang: Gleich bei den ersten Hörproben stellt sich heraus, dass man versucht hat, einen klaren, stilvollen Zugang zu wählen. Die einzelnen Instrumente sind besonders transparent hörbar, vor allem Rock und Heavy Metal klingen besonders gut. Anna spielt sich mit den Settings und findet den richtigen Mix.


BMW M5 Touring mit Bowers & Wilkins
© Andreas RiedmannBMW M5 Touring: Kraftvoller Sound mit Party-Faktor
Wir wechseln den Schauplatz. Die Referenz ist hier womöglich der BMW M5 Touring: deutsches Premium-Auto, fette Hütte, volle Breitseite. „Die Alpine war schon nicht schlecht und superfein vom Klang her, aber der BMW schiebt ganz anders an“, meint Anna. Fast schon Party-Stimmung hier, vor allem, wenn sie ihre eigene, technolastige Musik auflegt. Die Einstellmöglichkeiten des Klangs sind beim BMW für die Klasse zwar enden wollend, aber immerhin gibt es einen vollwertigen Equalizer. Im Grunde braucht man den aber nicht zwingend – der M5 klingt von Haus aus so, wie es die Kundschaft eines 727 PS starken Kombis vermutlich will, also jedenfalls nicht zurückhaltend. Klarer war jedoch die Alpine.


Polestar 3 mit Bowers & Wilkins
© Andreas RiedmannPolestar 3 mit Bowers & Wilkins und Dolby Atmos
Der Ursprung dieser Geschichte liegt im Polestar 3 mit Prime-Paket, wie wir ihn bereits vor einiger Zeit zum Test hatten und der uns staunen ließ: Bowers & Wilkins-Soundsystem mit 1610 Watt Leistung, 25 Lautsprechern und Dolby Atmos. Was sagt Anna dazu? Nicht nur Power und Klarheit oder der Rundumklang mit Lautsprechern in den Kopfstützen sind beeindruckend, sondern ganz besonders die Einstellmöglichkeiten: Es gibt einen eigenen Studiomodus, benannt nach den Abbey Road Studios in Westminster, London, vor allem bekannt durch die Beatles, in dem man fast schon auf Profi-Niveau (es gibt einen eigenen Producer-Modus!) den perfekten Klang zusammenbasteln kann. Und so übertrifft der Polestar die beiden anderen in allen Belangen, er klingt schlichtweg besser.
Nach einer guten Stunde rollt der Erste an uns vorbei, lässt die Fenster runter und dreht selbst voll auf. Es scheppert richtig. Will er mitfeiern oder soll das ein Protest sein? Egal, wir haben Spaß und er nicht.
Außerdem ist dem Manager von Anna Ullrich zu danken, Noah Kerbler, der sich in Ruhe die Idee dieser Story angehört hat und wohl auch seine Künstlerin dafür motivieren konnte. Das ist nicht selbstverständlich.

