
Maximilian Missoni, Chefdesigner für die Edel-Baureihen von BMW, über Bombastik, radiale Greifräume und die Entspanntheit des schnellen Fahrens.
Das ist aber ein krasses 7er-Facelift, zumindest innen.
Auch außen ist der Umfang ziemlich groß. Der 7er wird jetzt technologisch an die Neue Klasse herangezogen. Gerade als Flaggschiff ist es wichtig, dass er in dieser Philosophie angekommen ist.
Ist das nicht problematisch für jemanden, der seinen 7er erst vor einem Jahr gekauft hat und jetzt plötzlich ein deutlich älter wirkendes Auto besitzt?
Ich glaube, es ist wichtig, die Autos zeitgemäß und modern zu halten. Durch die Neue Klasse war klar, dass sich die gesamte Palette in diese Richtung weiterentwickeln muss. Für die Kunden ist es wichtig, den 7er weiterhin attraktiv zu finden. Man kann das nicht rückwärtsgewandt betrachten. Man muss schauen: Was verlangt der Markt? Was braucht die Produktfamilie für ein stimmiges Gesamtbild? Und technologisch muss ein solches Auto auch im Hinblick auf den Wettbewerb immer auf dem neuesten Stand sein.
Der 7er ist ausgesprochen massiv. Passt sowas noch in unsere Zeit
Der 7er hat viele Generationen durchlaufen, und es gab immer wieder die Diskussion: Wie stark soll sich ein 7er vom Rest der Familie absetzen? Wann ist beispielsweise der Unterschied zum 5er groß genug? Schon die vorherige Generation hat gezeigt, dass ihm dieser Schritt in Richtung Präsenz gutgetan hat. Was wir jetzt sehen, ist gewissermaßen eine Nachschärfung. Die Präsenz ist jedenfalls absolut gewollt.


Der neue 7er, ein massives Facelift. Ja, das Auto ist auch massiv.
© BMW

Im Cockpit hat die neue Klasse Einzug gehalten. Der schräge Bildschirm ist die moderne Version der Fahrerzugewandtheit.
© BMWWarum sind eigentlich die Displays im neuen Cockpit schräg?
Bei der natürlichen Handbewegung hat man durch das Kugelgelenk der Schulter einen radialen Greifraum. Dieser Bereich verläuft also nicht einfach rechteckig vor einem. Daraus ergibt sich die Form des Bildschirms. Und sie ist die Fortführung des klassischen, zum Fahrer hingeneigten BMW-Cockpits.
Die Neue Klasse gibt eine klare Richtung vor. Wie viel Freiheit bleibt den einzelnen Modellen?
Wir haben eine sehr breite Produktpalette und ganz bewusst entschieden, die unterschiedlichen Charaktere der Produktgruppen stärker herauszuarbeiten. Alle folgen der Philosophie der Neuen Klasse, dem Bedienkonzept und der sehr puristischen Formensprache. Die Richtung ist also gesetzt. Aber wie sie sich in den einzelnen Produktgruppen ausgestaltet, ist eine andere Frage. Daran arbeiten unterschiedliche Teams. Ein Beispiel ist BMW Alpina. Das Visionsfahrzeug, das wir vorgestellt haben, gibt einen Ausblick darauf, wie sich ein bestimmter Bereich der Produktpalette entwickeln könnte.
Alpina (siehe Bilder oben, Vision BMW ALPINA, Welt-Premiere beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2026) kennt man als sportliche Marke. Jetzt soll sie stärker für Luxus stehen. Wie geht das?
Der Wandel ist gerade das Schöne an der Geschichte. Alpina hat sich aus eigener Kraft entwickelt: vom Tuner über den Rennsport mit Fahrern wie Hans-Joachim Stuck, Niki Lauda oder James Hunt. Burkard Bovensiepen hat sich ganz bewusst auf Langstreckenrennen konzentriert. Dahinter stand die Erkenntnis, dass nur ein fokussierter und entspannter Fahrer auch wirklich schnell sein kann. Während andere möglichst viel Gewicht aus den Autos entfernt und sie damit relativ unbequem gemacht haben, setzte Alpina stärker auf Komfort. Daraus entstand diese Philosophie, Performance beziehungsweise Geschwindigkeit mit Komfort zu verbinden. Und diese Idee blieb bei den Serienautos erhalten: hochkomfortable und gleichzeitig hochperformante Automobile. Erst danach kam stärker der Luxus dazu. Alpina entwickelte beispielsweise eigene Materialien und besonders weiches Leder. Das Entscheidende ist: Diese Entwicklung war organisch. Man nimmt also nicht einfach eine Tuner-Marke und sagt: Ab heute sind wir Luxus. Dieser Weg hat sich über Jahrzehnte entwickelt.
Eine Frage aus eigener leidvoller Erfahrung mit vielen Testautos: Gibt es den idealen Türgriff?
Das wird womöglich der Türgriff sein, der nicht da ist. Wenn wir über Intelligenz im Fahrzeug sprechen, muss ich vielleicht irgendwann nicht einmal mehr selbst den konkreten Befehl geben beziehungsweise an
einem Ding ziehen. Wie genau das funktionieren wird, wird sich in den nächsten Jahren schneller zeigen, als wir heute denken. Als Designer darf man da ein bisschen weiter denken.
Maximilian Missoni, gebürtiger Grazer, verantwortet seit einem Jahr bei BMW das Design der oberen Mittelklasse, Oberklasse sowie von BMW ALPINA.

