Sitzen, stehen, fahren und (fast) alles mit Würde erledigen. Der GLB holt den Menschen ins Paradies der Achtsamkeit zurück, aus dem dieser selbstverschuldet entfernt wurde.
Überblick
Design, Antrieb und Preis
Eigentlich haben der GLB und der Smart #5 technisch nichts gemeinsam, wir haben unterschiedliche Plattformen, unterschiedliche Antriebs- und Softwarearchitekturen. Wir erwähnen das nur, weil die beiden aussehen wie Zwillinge, was damit erklärt wird, dass das Mercedes-Designteam auch den smart gemacht hat. Da wurde effizient gearbeitet, wenn man so will.
Ungeachtet der vor allem leistungsmäßigen Möglichkeiten sind das zwei optisch ungemein beschauliche Autos. Der GLB, der hier im Zentrum der Ermittlungen steht, ist ein SUV, aber ganz ohne das dynamische Element, das andere Hersteller – und Mercedes selber bei anderen Modellen auch – ihren SUVs aufpicken, oft rechtsgrundlos.
Anders gesagt, das nette Schuhschachteldesign des Vorgängers führt auch das aktuelle Modell weiter. Dieses hat, schon fast als Mauerblümchen, irgendwo eine Hybridvariante versteckt (drei Leistungsstufen aus einem Benziner mit 1,5 l Hubraum plus ein klein wenig Elektromotor), im gleißenden Licht stehen aber die GLBs mit EQ-Technologie, wo sich drei Leistungsstufen mit zwei Batteriekapazitäten und einmal Allradantrieb klug durchmischen: Unser Testwagen ist so in der Mitte aufgestellt, 272 PS maximal, Heckantrieb, größere Batterie für ordentlich Reichweite.
Mit etwas über 50.000 Euro ist der Wagen ohne weiteres fair preisgestaltet, würden wir sagen, ist schließlich ein Mercedes und hat auch einiges zu bieten.
Das herausragendste Feature im Auto, der MBUX-Superscreen, ist zwar auf den ersten Blick kostenlos (im Konfigurator: „€ 0,00“), allerdings ist er nur im Rahmen von „Premium-Paket mit digitalen Extras“ (4.362 Euro) zu haben. Dieses tolle Ding mit tatsächlich schon fast verstörender Darstellungsbrillanz ist andererseits eh fragwürdig, weil wo schauen die Menschen hin, wenn sie nicht schlafen oder tot sind? Genau, ins Handy (ältere Semester vielleicht aus dem Fenster). Auch wenn sie einen Superscreen vor sich haben.
Bedienung, Fahrkomfort und Verbrauch
Nicht so toll ist es hingegen, dass man Menschen, die einen Mercedes gekauft haben, also durchaus was investiert haben, am Fahrerplatz zumutet, zwischen vorderen und hinteren Fensterhebern umzuschalten, was regelmäßig, zumal in Eile (etwa vor einer Mautstelle), zu hektischen Verwechslungen und peinlichem Durcheinander führt. Und das alles nur, damit sich Mercedes zwei Plastikschalter spart. Sollen sie halt um 30 Euro mehr pro Auto verlangen, trifft ja keine Armen.
Als Trost ist die Material- und Verarbeitungsqualität nach wie vor ohne Makel, wobei, gleich noch ein Kritikpunkt, der im Prinzip das gleiche Problemfeld betritt wie die Fensterheber: Die billigen Touchflächen in der Mittelkonsole und am Multifunktions-Lenkrad sind ein Ärgernis, weil annähernd unbedienbar.
Die Fahrqualität hingegen ist geradezu köstlich. Der GLB ist für seinen Aufbau plus Gewicht (2200 Kilo) souverän feingefedert und dennoch unschwammig. Der Antrieb ist von eleganter Glätte, und Aerodynamik können sie bei Mercedes auch besser als die anderen, zumindest legt die weit ausgreifende Segelfähigkeit des GLB das nahe: rollt mühelos dahin, als gäb’s keine Reibung. Da steckt viel Ruhe und Gelassenheit und Verständnis für das Perpetuum mobile drin, sodass man aus dem Auto, sofern mit den Fensterhebern kein Malheur passiert, besser gelaunt aussteigt, als man in das Auto eingestiegen ist.
Extrem individuell ist der Verbrauch, wie überall. Der Bordcomputer wies 22,5 kWh Langzeit aus. Wir kamen sanften Wesens auf 14,5 kWh und mit Mirdochegal auf 16,9. Drauf angelegt, sind auch 14 möglich. Das wären dann auch reell über 600 km Reichweite.
Zusammenfassung
Was wir mögen
Einen treuen GLB vor der Tür.
Was uns fehlt
Fensterheberwahrhaftigkeit.
Was uns überrascht
Der Mut zur Schachtel (wobei: ist ja auch super).
Die Konkurrenz
Smart #5 als wichtiger Reibebaum. Sonst halt BYD Seal U
und Konsorten.
Daten & Ausstattung
Preis € 52.911,–.
Steuer jährlich € 819,30
Motor, Antrieb Permanenterregte Synchronmaschine, Heckantrieb.
Leistung/Drehmoment 200 kW (272 PS), 335 Nm. Nennleistung 145 kW (197 PS).
Batterie/Laden Kapazität 85 kWh netto, Ladeleistung DC 320 kW.
Fahrleistungen Spitze 210 km/h, 0–100 km/h 7,4 sec.
Verbrauch 15,8 kWh/100 km, RW 632 km. Im Test 16,9 kWh/100 km.
Dimensionen L/B/H 4732/1902/ 1687 mm, Gewicht 2195 kg, Anhängelast 750/1500 kg. Kofferraum 540–1715, Frunk 127 l.
Ausstattung LEDs, Ledernachbildung Artico, Sitzheizung v., Selfiekamera, Farbe Nachtschwarz Uni etc.
Extras Metallic € 900,–, Drive Assist € 1.800,–, Parking Assist € 810,–, Verstelldämpfung € 744,–, Head-up-Display € 900,– etc.
Dieser Test ist in autorevue 7/2026 erschienen.

