Test Aston Martin Vantage S

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Mit einem Aston Martin war man stets auf der schönen Seite des Lebens. Spätestens mit dem Vantage S jetzt auch auf der schnellen. Finally!

Aston Martin Vantage S
€ 294.578,–
Preis
Bi-Turbo-V8
Motor
680 PS
Leistung
800 Nm
Drehmoment
Achtgang-Automatik
Getriebe
Hinterrad
Antrieb
1745 kg
Gewicht
3,5 sec
0-100 km/h
325 km/h
Top-Speed
18,4 l/100 km
Testverbrauch

➡️ Der Aston Martin Vantage S beeindruckt mit 680 PS aus einem V8-Biturbo – ganz ohne Hybridisierung.
➡️ Überarbeitetes Fahrwerk, präzisere Lenkung und optimierte Hinterachse machen den Vantage S zum echten driver’s car.
➡️ Komplett neues Cockpit, hochwertige Materialien und ein unverwechselbarer Charakter verbinden britische Eleganz mit glaubwürdiger Sportlichkeit.

Aston Martin Vantage S: Vom Gentleman zum kompromisslosen Sportwagen

Es gibt sie, diese sogenannten Zwick- mich-Momente. Aber es muss gelingen, sie auch einzufangen. Das ist gar nicht so leicht. Bei manchen Autos liegt der Genuss im Genuss, bei anderen liegt der Genuss im kompromisslosen Schnellfahren. Der Aston Martin Vantage liegt traditionell irgendwo dazwischen. Was ist damit gemeint?

Manche Autos sind so zugespitzt, dass die größte Freude darin besteht, sie bis zum Maximum auszureizen, jede Kurve voll zu attackieren. Beim lockeren Dahinfahren fühlen sie sich unwohl, sie können nicht ruhig halten, wollen immer vorwärts. Wir reden von Autos wie den Sonderversionen der Mittelmotor-Ferraris oder den GT-Modellen des Porsche 911. Der Aston Martin Vantage, obwohl immer schon das kompakteste, fahraktivste Mitglied der Familie, war traditionell mehr Gentleman als Rasierklinge.

Klar gab es über die Jahre hinweg auch zugespitzte Versionen, die immer emotionale Akzente setzen konnten, ihnen fehlt aber allen die letzte Konsequenz in Sachen Fahrdynamik. Das galt beispielsweise für die argen V12-Sondermodelle GT12 von 2015 oder auch den V12 Vantage von vor vier Jahren: Beide waren aufregend und etwas Besonderes (so ein Motor in einem vergleichsweise kleinen Auto), der schwere Antrieb über der Vorderachse machte die Angelegenheit fahrdynamisch aber nicht besser. Die F1-Edition mit V8 ging hingegen in die richtige Richtung, mehr Spritzigkeit bei gleichzeitig mehr Ruhe im Auto, mit einem insgesamt deutlich besser abgestimmten Gesamtpaket. Und jetzt?

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 ©  Andreas Riedmann
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 ©  Andreas Riedmann

Aston Martin Vantage S Facelift: 680 PS, neues Design und edles Cockpit

Jetzt ist das Facelift des Vantage bereit für einen Test, und zwar als S-Version. Die Änderungen gegenüber dem bisherigen Modell, wie es seit 2018 am Markt war, fallen umfassend aus: Die Front ist optisch komplett neu gestaltet, was nicht nur für einen stark veränderten Gesamtauftritt sorgt, sondern für fast ein Drittel mehr Frischluft für den Motor. Dazu wurde die Kühlleistung enorm verbessert, unter anderem mit zwei weiteren Hilfskühlern. Die Leistung des regulären V8 (unter anderem mit nun größeren Turbos) sprang um 155 PS auf 665, der hier getestete und nunmehr in Österreich einzig erhältliche Vantage S kommt sogar auf 680 PS. Der Leistungssprung ist insofern bemerkenswert, als Aston nach wie vor ohne Hybridisierung auskommt. Das hat was!

Die Karosserie wurde um drei Zentimeter verlängert und ist um etwas mehr als einen Zentimeter breiter (unüblich für ein Facelift), dazu größere Felgen und Michelins statt Pirellis. Innen ist der Unterschied fast noch ärger, dort wurde quasi alles komplett neu gemacht. Formen, Knöpfe, Bildschirme, Lenkrad, alles. Interessant dabei: Aston ist weiterhin von Schaltern und Reglern überzeugt und lagert nicht digital aus. Und tatsächlich ist der Eindruck, den man im Cockpit bekommt, ein ganz anderer als bisher. Das liegt zunächst daran, dass hier kein aufgesetzter Bildschirm mehr zu finden ist, sondern alles schön tief im Auto integriert ist. Lässt man den Blick vom Tacho über das Armaturenbrett nach rechts streifen, darf das Auge einer geraden Linie folgen. Auch das ist einzigartig heutzutage. Saubere Flächen. Substanz. Leder für 15.837 Euro extra, dazu nochmal mehr als 3.000 Euro für Nähte. Hier wurde in Materie investiert, nicht in Software-Angebote. Dann kommen noch die sensationellen Kohlefaser-Schalensitze für fast 10.000 Euro Aufpreis dazu, die es bis dato in dieser Form nicht gab, und so entsteht ein komplett neues Bild von diesem Auto. Und dann noch die Farbe: Ultra Yellow, 11.456 Euro teuer, voller Leben und Energie, sportlich und nicht so zurückhaltend elegant, wie man es eigentlich von Aston kennt. Als wolle man uns auf etwas vorbereiten.

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 ©  Andreas Riedmann

Praxis-Test: Vom Stadtverkehr auf die kurvige Landstraße

Auf den ersten Metern wird gelitten – wir müssen nämlich aus der steil ansteigenden Tiefgarage raus. Man sieht praktisch nichts mit dem Sitz ganz unten, was man immer tun sollte, für den möglichst niedrigen Schwerpunkt (im Rennauto hat man auch keinen Sitzpolster unterm Hintern). Folgende Aussage darf ruhig als romantisierend empfunden werden, aber angesichts all der modernen Elek-tro-SUV, bei denen die Nase aufgrund des fehlenden Motors vorne stark abfallen kann und so eine gute Übersicht ermöglicht, ist schon alleine das Rangieren mit dem Aston ein Event. Ein Auto wie früher, im positiven Sinne aufregend, man fährt hier einen Supersportwagen. Was für ein Privileg. Und tatsächlich fühlt sich der Aston, so, wie wir ihn hier haben, mit all dem Carbon, sehr stark nach Exot an, auch preislich: Die beiden Exterieur-Pakete kommen auf über 20.000 Euro. Ach ja, das Dach war auch aus Kohlefaser, 5.728 Euro. Nur nicht wo anstoßen, seitlich irgendwo, mit dem Dach ist die Chance eh eher gering.

Irgendwann erholt man sich von der Gelähmtheit im Stadtverkehr, nämlich genau dann, wenn die offene Straße beginnt. Bis dahin konnte man nur sagen: ist vom Fahrverhalten her durchwegs alltagstauglich, wenn man eben die Aufdringlichkeit mag. Jetzt aber, wenn Kurve um Kurve auf einen zukommt, erfährt man mehr über das Auto. Und es ist magisch. Wer hat den Vantage verzaubert?

Elegant als Grundhaltung, Rowdy, wenn man will, schwarze Streifen auf dem Asphalt.

Michael Ziehenberger

Fahrwerk und V8-Motor: Warum der Vantage S jetzt präziser und schneller fährt

Das gesamte Auto fühlt sich aufgrund von diversen kleineren und größeren Änderungen fahrdynamisch spürbar verbessert an, die Liste ist lang, aber entscheidend: Der Hinterachshilfsrahmen ist jetzt starr mit der Karosserie verbunden, dadurch hat man eine direktere Rückmeldung und eine präzisere Hinterachsführung erreicht. Durch eine überarbeitete Achsgeometrie fühlt man deutlich spontaneres Einlenken und generell eine bessere Vorderachsreaktion. Die Karosseriebewegung wird dank neu abgestimmter Bilstein- Dämpfer besser kontrolliert. Auch interessant, weil im ersten Moment kontraintuitiv wirkend: die Getriebelagerung ist nun weicher, dadurch wurde die Übertragung von Antriebsschwingungen reduziert – so kommt mehr Ruhe ins Auto. Und dann wurde sicher noch ein bisschen beim Verhalten am fahrdynamischen Limit softwaretechnisch nachgeschliffen.

Und so ballert man mit dem wilden V8 dahin, nicht ganz so laut wie früher, aber vom Charakter noch gleich und im Vergleich zu praktisch allen anderen immer noch pur, jedenfalls unfassbar kraftvoll und linear durch das gesamte Drehzahlband. Wild! Man kommt in einen Rhythmus mit dem Aston, er belohnt eine engagierte Fahrweise. Mit dem Vantage S sind Sie angekommen. Weil er komplett wirkt und ein echtes driver’s car darstellt. Die Aston-DNA ist dennoch voll und ganz da: Elegant als Grundhaltung, Rowdy, wenn man will, schwarze Streifen auf dem Asphalt, aber dazwischen präzise, kontrolliert, schnell. Niemals langweilig, eher spielerisch, dramatisch.

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 ©  Andreas Riedmann
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 ©  Andreas Riedmann

Aston Martin Vantage S: Fahrspaß, Preis und Fazit

Wenn jemand so mit der Motorleistung aufdreht, liegt immer der Verdacht nahe, jemand möchte angeben und schnell punkten. So nach dem Motto „hat jetzt eh mehr PS, was habt ihr denn“. Genau das ist aber nicht der Fall bei diesem Auto: Man ist in die Tiefe gegangen und hat das Auto grundlegend verbessert – es liegt ruhiger und gleichzeitig präziser. Win-win-win-Situation auf allen Ebenen.

Man wird abgeholt, emotional. Das gelungene Cockpit mit dem einzigartigen Blick nach vorne, die Türen, die leicht nach oben aufschwingen, die kunstwerkartigen Außenspiegel, das konventionelle Layout (Motor vorne, Antrieb hinten, Transaxle für optimale Gewichtsverteilung), das einem Vertrauen gibt, weil man das Konzept seit langem intus hat, dazu ein treffsicheres Differenzial an der Hinterachse, das immer so arbeitet, wie man es sich erträumt: Traktion oder Drift, je nachdem, was gefordert wird.

Und zum Schluss noch: Der Basis-Preis ist im Vergleich gar nicht so schlimm. Man bedenke: Ein Porsche 911 Turbo S beginnt bei 361.500 Euro. Anderes Auto, aber dennoch erwähnenswert. Gut, wir haben die verrückte Aufpreisliste bei diesem Testwagen schon besprochen, aber ob eine andere Farbe bei dem Sonnenuntergang so gut gekommen wäre?

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Kleider machen Leute, Konfigurationen Autos: Dieser Vantage hat über 110.000 Euro an Extras an Bord, darunter die sogenannte Pinstripe-Livery in Rosso Corsa für 18.532 Euro. Irre!

 ©  Andreas Riedmann

Zusammenfassung

Daten und Ausstattung

Preis € 294.578,–. NoVA 37 %, Steuer jährlich € 5.339,52.  

Motor, Antrieb Bi-Turbo V8, 3982 ccm, 8-Gang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb.

Leistung/Drehmoment 500 kW (680 PS) bei 6000/min, 800 Nm.

Fahrleistungen Spitze 325 km/h, 0–100 km/h 3,5 sec. 

Verbrauch 12,1 l/100 km, CO2 274 g/km. Testverbrauch 18,4 l/100 km.

Dimensionen L/B/H 4495/1980/ 1275 mm, Radstand 2705 mm, Gewicht 1745 kg, Kofferraum 235 l, Tank 73 l, Reifen vorne 275/35 R21, hinten 325/30 R21.

Ausstattung Matrix-LEDs, 21-Zoll-Räder, Rundumkameras, E-Hinterachsdiff. etc.

Extras Performance Seat € 9.940,–, Carbon-Keramik-Bremsen € 12.804,–, schwarze Auspuffendrohre € 2.359,– etc. 

Dieser Test ist in autorevue 11/2026 erschienen.

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