
Wird’s zeitlich eng, kann man sich glücklich schätzen, wenn die Vorarbeit bereits geleistet wurde: Porsche macht mit links aus dem GT3 ein Cabrio, einfach so.
Überblick
Porsche S/C statt Speedster: Warum die Unterschiede entscheidend sind
Es erinnert ein bisserl an die Schulzeit, an diese spezielle, angespannte Stimmung vor einer Schularbeit. Welcher Stoff wird kommen? Oft war es dann genau so: Einiges war bekannt, die Antwort schon fast von alleine gefunden, anderes wiederum hat einen in Angst und Schrecken versetzt, schon beim Überfliegen der Fragen.
Eigentlich hatte man sich etwas anderes erwartet, nämlich einen Speedster. Und kein Cabrio. Ist ja wurscht, wo ist da der Unterschied? Es geht ums Prinzip. Oder besser gesagt um Nuancen, die mögen für viele lächerlich erscheinen, aber für die Eingefleischten wird es hier interessant. Auf den ersten Blick wirkt jedenfalls alles sehr ähnlich, man glaubt, man kennt die Antwort, weitgehend gleich anzuwendende Formel, aber dann doch eine ganz andere Sache. Wie eine mathematische Textaufgabe: gleicher Rechenweg, anderes Beispiel. Man muss genau lesen, am besten zweimal. S/C?


Vom Porsche 356 Speedster zum neuen 911 S/C
Offene, ultrasportliche Sondermodelle heißen bei Porsche eigentlich Speedster. Der erste Speedster war salopp ausgedrückt ein verschlankter 356 mit Rennausrichtung, der erste 911er das G-Modell Ende der 80er. Auf ihn folgte ein paar Jahre später die Generation 964. Vom 993 gab es keinen Speedster, auch keinen 996. Mit dem Facelift-Modell des 997 wurde das Thema neu aufgenommen, mit einer eigenständigen Karosserie im Vergleich zum Cabrio, dem regulären Carrera S-Motor samt Werksleistungssteigerung und ausschließlich mit PDK-Getriebe, also einer Doppelkupplungs-Automatik, kombiniert. Beim 991 kam der Speedster ebenfalls mit dem Facelift, wieder mit eigenständiger Karosserie, diesmal aber mit dem näher am Rennmotor positionierten Vierliter-Sauger aus der GT-Serie und dazu ausschließlich als Handschalter zu haben. Also alles zuletzt wieder sehr sportlich, so wie die Idee des Speedsters ursprünglich auch war. Allen gemein ist übrigens das relativ umständliche Dachverstauen, alles händisch und beim Stehen. Sonst gilt: Anders als zum Beispiel die GT3- und RS Baureihe folgt der Speedster keiner streng linearen Entwicklung. Bei ihm geht’s eher mal in die eine, mal in die andere Richtung. Und das neue Auto ist der vorläufige Höhepunkt dieser Suche: kein Speedster, sondern ein S/C. Sport/Cabrio.
GT3-Technik im 992 Cabrio: So entstand der Porsche S/C
Die Genese des S/C geht ungefähr so: Rein interessehalber wurde eines Tages bei Porsche in der Entwicklung die GT3-Technik in das reguläre Cabrio eingebaut. Und anders als bei seinen Vorgängern befand man bei der aktuellen Baureihe 992 die Karosserie als verwindungssteif genug, um ein ernsthaftes, also eigentlich fast schon todernstes Sportgerät draus zu machen – bei allen anderen Generationen davor waren umfassende Anpassungen notwendig, daher überhaupt die Investition in die eigenständige Karosserie des Speedster. Andreas Preuninger, Leiter der GT-Abteilung, erzählt: „Auf Basis unserer Erfahrungswerte haben wir das GT3-Fahrwerk an den Einsatz in einem Cabrio angepasst und sind dabei draufgekommen, dass die Änderungen alles nur schlechter gemacht haben. Das Cabrio braucht exakt das gleiche Set-up wie das Coupé.“ Die Verwindungssteifigkeit des Cabrios hat sie intern wohl selbst etwas überrascht.
Dazu kommen noch zwei Themen: Erstens wird es zeitlich immer enger mit der Zulassung von Hochdrehzahl-Saugmotoren mit Rennsport-Genen. Es musste also schnell gehen. Und dann noch der Umstand, dass das Ca-brio-Verdeck einfach soooooo viel easier in der Handhabe ist, also einfach nur Knopferl drücken statt Zeltbau.
Aber wie Porsche halt so tickt, war das noch nicht genug, das Auto sollte dann doch etwas Besonderes werden, nicht nur ein Cabrio mit anderem Motor und Fahrwerk, also gleich noch einen Schritt weiter gehen: Teile, wie die aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff bestehenden vorderen Kotflügel und Türen stammen vom Ultra-Leichtbau-S/T, dem radikalsten Sondermodell des 992 bisher.


Anders als das Auto selbst kann man die Optik des Street Style Paket mögen, muss man aber nicht. Allgemein gibt es jedenfalls einzigartige Grafiken im Fahrerdisplay und adaptierte Multimedia-Software.
Porsche S/C im Fahrbericht: GT3-Motor, Handschaltung und S/T-Leichtbau
Also nochmal zur Zusammenfassung: S/C heißt Ca-brio-Karosserie, GT3 Fahrwerk und Motor, Schaltknauf und Leichtbau-Teile vom S/T. Wo der S/T für die allermeisten Geschmäcker vielleicht fast einen Tick zu aggressiv war, ist der S/C eine Spur bekömmlicher bei Fahrwerk und Kupplung (auch mit Allradlenkung) aber mindestens so emotional mit diesem Sound, der hier so erlebbar gemacht wird. Wie die Bedienung einer Kreissäge ohne Gehörschutz.
Wahrscheinlich ist es nur Einbildung, weil man es bei einem Cabrio einfach nicht kennt, aber es hat sich dann doch so angefühlt, als wäre er ein bisschen weniger Brett als der GT3, aber auf wundersame Art auch dynamischer und einen Hauch besser für die Landstraße geeignet. Diese Kombination – präzisestes Handling, feedbackreiche Lenkung, die vielleicht beste Handschaltung, die es jemals gegeben hat, und dann noch der Rennmotor, 9000 Umdrehungen – diese Kombination ist einzigartig. Andere sind stärker, teurer, schneller, aber kein Auto ist heute physischer, schärfer. Es fühlt sich nach all den Jahren, all den zahlreichen Sonder- und GT-Modellen schon ausgelutscht an, aber solange Porsche solche Autos baut und immer noch einen Schritt weiter geht, sich nicht beirren lässt, lebt der Sportwagen, so wie wir ihn lieben. Niemand braucht über 1000 PS.
Der Porsche S/C schließt den Kreis des offenen Sportwagens
Ursprünglich wurde der Sportwagen vom Dach befreit, um ihn leichter und schneller zu machen, später wieder geschlossen, um die Steifigkeit zu erhöhen. Der S/C schließt den Kreis. Ein Cabrio, so sportlich, wie es nur sein kann.


Rennsport-Technik im offenen Porsche 911 hieß bisher eher Speedster und nicht Cabrio. Und wie es so oft ist im Leben: Was dem ersten Anschein nach überhaupt nicht zusammenpasst, entpuppt sich als etwas einzigartig Gutes. S und C sind hingegen bei Porsche übrigens schon seit dem 356 etabliert, steht dort für Super Carrera.
© WerkZusammenfassung
Was wir mögen
Alles.
Was uns fehlt
Bei all der analogen Freude wäre eine echte Drehzahlnadel nett, aber klar, die war gestern.
Was uns überrascht
Wie laut und roh man ein Auto heute noch fühlen darf. Echte Emotion, ohne Einschränkung.
Die Konkurrenz
Keine. Weil der GMA T.33 Spider ist doch etwas ganz anderes.
Daten und Ausstattung
Preis € 385.278,– (NoVA 44 %), Steuer jährlich € 4.570,56.
Motor, Antrieb 6-Zylinder-Boxer, 3996 ccm, Sechsgang-Handschaltung, Heckantrieb.
Leistung/Drehmoment 375 kW (510 PS) bei 8400/min, 450 Nm/6100/min.
Fahrleistungen Spitze 313 km/h, 0–100 km/h 3,9 sec.
Verbrauch 13,7 l/100 km, CO2 310 g/km.
Dimensionen L/B/H 4570/1852/ 1279 mm, Radstand 2457 mm,
Gewicht 1572 kg, Kofferr. 135 l, Tank 64 l (90 l optional), Reifen v. 255/35 R20, h. 315/30 R21.Ausstattung Matrix-LEDs, Magnesium-Schmiederäder, Keramikbremse, Bose-Sound, Rückfahrkamera, Leder, Cabonleisten etc.
Extras Leichtbau-Schalensitze € 8.418,–, Street Style Paket € 39.613,–, Keramik-Br. 14.841,–, Liftsystem Vordera. € 4.436,–, Titan-Endrohre € 1.502,– etc.
Dieser Text ist in autorevue 9/2026 erschienen.

