Purismus mit Rüscherln: Kein Hybrid, kein Allrad, kein Fondgestühl. Das Abgeräumte möglichst teuer zu veredeln, ist eine der angesehensten Künste im Geschäftsleben.
Überblick
Leichtbau, Heckantrieb und 666 PS
Supersports, den Namen haben sich keine Marketinggenies ausgedacht, den gab es bereits 1925 auf verkürztem Fahrwerk, und erstmals lief ein Bentley schneller als 100 mph, also 161 km/h. Abenteuerlich, wie völlig anders der Zugang zum Auto damals war, wie profund und bedingungslos, hochmoderne Avantgarde mit allergrößtem Risiko.
Kleine Exklusivhersteller trachten danach, auf vorhandener Basis möglichst viele Derivate anzubieten, ohne dass sie einander zu nahe treten. Die nötige Trennschärfe herzustellen ist immer problematisch, gerade bei einem exem-plarischen Modell wie dem Continental GT.
Immerhin konnte man relativ leicht Gewicht rausnehmen, indem man auf Allradantrieb verzichtete, das Hybrid-Umspannwerk entfernte und dem Doppelturbo-V8 ein stärkeres Kurbelgehäuse und größere Lader verpasste für eine Topleistung von 666 PS und maximal zu stemmende 800 Nm. Rücksitze raus, leichtere Vordersitze, mehr Kohlefaser (bis hin zum Dach) und eine Titan-Rohrverlegung von Akrapovič. Schärfere Schaltvorgänge, zweiflutige Stoßdämpfer im Luftfeder-Fahrwerk mit 48-V-Wankstabilisierung, die in 0,3 Sekunden ein Drehmoment von 1300 Nm aufbringen kann.
Der erste Unter-zwei-Tonner von Bentley seit 85 Jahren ist zugleich der erste reine Hecktriebler seit 2003, dennoch schafft er Lateralkräfte bis zu 1,3 g, wobei es passieren kann, dass die Gurtvorspannung einsetzt, weil die Elektronik nur mehr an einen bevorstehenden Unfall glauben kann angesichts dieser unerhörten Belastungszahl, auf Wunsch Manthey-Felgen und Pirelli-Trofeo-Reifen – da hilft eigentlich nur mehr Rennstrecke, und weil Bentley ohnehin gerade sein heuer um den Faktor 10 gesteigertes Pebble Beach Engagement hinter sich gebracht hat, wobei man einen handverlesen originalen Super Sports von 1926, zwei aktuelle Supersports-Modelle (Mulliner!) sowie das Bentayga X Concept gezeigt hat, blieb man gleich in der Gegend und ließ ausgesuchte Leute hinters Steuer, um den Supersports die berüchtigte Corkscrew hinunterschrauben zu lassen auf der nahegelegenen Rennstrecke von Laguna Seca.
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