Wie wir lenken werden. Und wollen!

Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Artikelbild
 © WERK

©WERK
  1. home
  2. Aktuell
  3. Briefe aus der Redaktion

Der vollelektrische Lexus RZ hat es seit Ende vergangenen Jahres, Mercedes bringt es für den EQS zeitnah, wir sind sogar schon damit gefahren, dürfen uns aber bis Anfang April nicht dazu äußern, denn es gibt ein Embargo darauf. Und jetzt, bzw. entwicklungshalber die ganze Zeit schon, Peugeot: Steer-by-Wire. Dabei gibt es keine Stange mehr zwischen Lenkrad und Vorderrädern, genaugenommen überhaupt keine mechanische Verbindung, sondern nur noch elektronische Signale.

Wichtigster Vorteil neben geringerem Gewicht und besserer Crashsicherheit: Das Übersetzungsverhältnis zwischen dem Drehwinkel des Lenkrades und dem Einschlag der Räder kann beliebig konfiguriert werden. So reichte beim Lexus ursprünglich eine Drehung von 150 Grad aus der Mittellage, um zum Anschlag zu gelangen. Das war dann aber doch zu direkt, es wurde auf 200 Grad erhöht, was immer noch bedeutet, dass man für normales Lenken in der Stadt nur sehr wenig drehen muss am Lenkrad. Diese Systeme sind natürlich temposensibel: Auf der Autobahn ist das Verhältnis fast wie bei einer mechanischen Lenkung. Muss ja auch so sein: Würde man auf ein bisl drehen gleich im rechten Winkel abbiegen, wäre das dort unerwünscht bis nachteilig.

Steer by Wire im Peugeot Polygon

Peugeot tourt aktuell mit dem Konzeptfahrzeug Polygon durch Europa, ein Einzelstück mit Steer-by-Wire-Technologie (und diversen weiteren Spezialitäten wie Schaumstoffsitzen aus dem 3D-Drucker oder von außen ablesbarem Akkuladestand). Wir konnten das Ding heute Vormittag ausprobieren, es fährt sich wie eine Schaumodell-Konzept-Holzkiste, (was bei einem Konzept freilich vollkommen üblich ist), aber der Witz von Steer-by-Wire war dennoch zu erkennen. Noch besser erkennt man ihn in einem normalen Peugeot, was uns auch schon vergönnt war, und hier die Essenz: Wer das einmal ausprobiert hat, wird nichts anderes mehr wollen. Bei Stadt-Tempo dermaßen sparsam am Lenkrad drehen zu können, Abbiegen, Einparken, Umdrehen, alles ohne Kurbeln, überzeugt zwingend.

Es ergibt sich, allerdings nicht notwendigerweise, dass die Hersteller die Steer-by-Wire-Technologie grundsätzlich mit einem futuristischen Lenkrad koppeln. Bei Lexus heißt es Yoke-Lenkrad, bei Peugeot Hypersquare. Sagen wir es so: ja, eh. Vielleicht würden sie der großen Gruppe der Late Adopters die neue Technologiehürde niedriger machen, wenn wenigstens das Lenkrad normal bliebe, aber wer weiß, was sein wird 2027, wenn Hypersquare und Steer-by-Wire im dann neuen Peugeot 208 eingeführt werden. Entweder als Option oder serienmäßig (und die mechanische Lenkung wird zur Option). Zweiteres wäre irgendwie logischer.

Eines scheint uns sicher, egal ob bei Peugeot oder im Rest der Welt: So wird in Zukunft gelenkt werden – wenn wir das überhaupt noch selber tun.

Über die Autoren

Jahresabo ab 3,99€ pro Monat