
Es ist zwar schon lange her, aber so lange auch wieder nicht, dass wir uns nicht daran erinnern könnten, dass es einmal eine Konkurrenz zwischen Opel und VW gegeben hat.
Heute hat VW in Österreich einen Marktanteil von 14,5 Prozent, Opel einen von 2,8 Prozent – weniger als BYD, Dacia und Cupra, das als eigenständige Automarke erst ins Leben gerufen wurde, als Opel als Autohersteller schon 120 Jahre alt war (von BYD reden wir lieber garnicht).
Viel ist bei Opel falsch gemacht worden, wobei bis heute gilt: Am wenigsten falsch lief bei den Autos. Die waren immer konkurrenzfähig (lassen wir jetzt einmal den sogenannten López-Effekt Ende der 80er-Jahre beiseite, der freilich viel Schaden angerichtet hat, da ging’s um Qualitätsprobleme aufgrund von übertriebenem Sparen). Opels sind heute auch vom Design her vorne dabei.
Fehler wurden vor allem eigentümerpolitsch gemacht. Darauf einzugehen würde zu weit führen, heute ist Opel gemeinsam mit Peugeot, Citroën, Fiat, Alfa Romeo und weiteren neun Marken unter dem Dach des Stellantis-Konzerns, dessen Name in der Bevölkerung so bekannt sein dürfte wie der von Cupra, bevor es gegründet wurde.
Und dieses Stellantis hat jetzt seine neue Strategie definiert.
Bei Stellantis läuft es auch nicht immer rund, nicht alle Marken sind Bestseller, und entsprechend werden sie behandelt. Künftig soll im Konzern zwischen globalen und eher regionalen Marken unterschieden werden: Peugeot, Fiat, Jeep und Ram werden künftig global positioniert. Das heißt: Bis 2030 – es handelt sich um einen Fünfjahresplan – werden 70 Prozent der Investitionen in die globalen Marken fließen, die anderen, darunter Opel und Citroën, bekommen den Rest. Innovationen wie zum Beispiel Steer by Wire werden zuerst in Peugeots zu finden sein, erst später auch in Produkten der regionalen Marken.
Opel selbst wird noch mehr in die konzernallgemeine Plattformpolitik eingebunden – oder sich darin verlieren, man wird sehen. So wird der (noch nicht bestätigte) Insignia-Nachfolger wohl im Stellantis-Werk in Melfi in Süditalien gebaut werden, und zwar auf der STLA-Medium-Plattform gemeinsam mit anderen Konzernprodukten dieser Dimension. Das heißt, Opel wird in Zukunft weniger ein Komplettanbieter sein, als eine Rolle im Konzernsystem spielen. Ein künftiges Opel-Elektro-SUV wird gemeinsam mit Leapmotor entwickelt und in Spanien gefertigt.
De facto wird von Opel nicht viel mehr als das Design überbleiben. Das ist natürlich kein Einzelschicksal. So läuft der Hase auch in anderen Autokonzernen. Die Frage ist, was in solchem Kontext Marken überhaupt noch bedeuten. Möglicherweise rechnen die Strategen in den Konzernen damit, dass die Durchschnittskunden von Plattformpolitik und internationaler Arbeitsteiligkeit weder was wissen, noch was wissen wollen. Und damit liegen sie vermutlich sogar richtig.

