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Sound of Silence

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 ©  Andreas Riedmann

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Die Kuh macht muh, das Auto macht brum. Meint mein Zweijähriger. Ich erkläre ihm dann, dass zumindest jene mit Verbrennungsmotor das tun, jedenfalls die alten und auch heute noch die ganz starken, sportlichen. Und die Rennautos. Aber dann wird die Sache unangenehm kompliziert, viel komplizierter als erwartet. Wie eh alles heutzutage, aber bleiben wir besser bei den Autos.

Erwartungshaltung

Zuletzt gab es zwei familienfreundliche Supersportler im Testfuhrpark (an dieser Stelle eine Ankündigung, dass da noch was in der Pipeline ist), nämlich den BMW M5 Touring und den VW Golf R, die beide obige Erklärung vollkommen außer Kraft setzen. Sie sind gewissermaßen die Antithese dazu, dass starke Verbrenner laut sind. Kurzes Roundup: BMW hat den M5 komplett neu aufgesetzt, mit Hybrid-V8 und unglaublichen 727 PS. Der Motor mit dem internen Bezeichnung S68 ist bereits seit ein paar Jahren im Einsatz und zeigt sich – egal ob im X6 M60i oder im M5 – flüsterleise. Und das im M5. M5! Innen gibt es zwar künstliche Soundverstärkung (BMW ist hier seit je her in einer Vorreiterrolle), die man mögen muss, was wir nicht tun, aber außen gibt es quasi nix zu hören. Man muss schon zu den Auspuffendrohren gehen und das Ohr ranhalten, um hier einen V8 zu erkennen. Das war früher anders. Falsche Erwartungshaltung.

Auf andere Art enttäuschend: Der Golf R. Der bekannte Vierzylinder EA888 leistet 333 PS, 4,6 Sekunden braucht dieser VW auf 100 km/h. Absurd. Früher war da ein kerniger Sound, die DSG-Schaltvorgänge waren akustisch untermalt. Im Grund geht es einfach um Emotion, die komplett flöten gegangen ist – was den Sound angeht. Auch die unfassbar teure Akrapovic-Anlage kann den Schaden nicht wettmachen.

Eh klar, die EU ist Schuld

Im ersten Moment bekommen die Hersteller den Frust ab. So ein teures, sportliches Auto und dann kein Sound. Schuld an der Emotionslosigkeit ist aber eine EU-Verordnung, die die schrittweise Absenkung der Grenzwerte der Geräuschemission festlegt, unter anderem auch den Geräuschpegel von Austauschschalldämpferanlagen. Nun ist die Bekämpfung von künstlich herbeigeführten Fehlzündungen und Schubabschaltungen sicherlich begrüßenswert. Doch dass ein M5 klingt wie ein 116, darf nicht sein. Zumal eine Wanderung im Wienerwald rund um Exelberg- und Tullner Straße zeigt: Die lautesten Verkehrsteilnehmer sind nicht die zweispurigen.

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