
Zu den schönsten Momenten im Berufsleben eines Autoredakteurs gehört das Fahren mit Fotomodell-Old- und Youngtimern, die nie restauriert, sondern im Neuwagenzustand konserviert wurden.
Das ist natürlich sehr subjektiv, aber zu den Fans einer Besser-als-neu-Restaurierung habe ich nie gehört: Über die Jahre angesammelte, behutsame Patina finde ich wunderbar – die erzählt Geschichten, zeugt aber von einem Autoleben mit sorgfältiger Pflege, und kein Neulack glänzt so schön wie der originale. Auch, wenn er schon ein wenig stumpf ist, wir Fans der Patina lassen uns ja auch nicht die Lachfalten wegoperieren, und aufs Toupet wird auch gepfiffen.
Also war's mir eine große Freude, ...
... den 1977er Citroën GS mit etwas mehr als 26.000 Kilometern ein Stückerl durch Neusiedl zu lenken, als wir ihn für die Kaufberatung im aktuellen Heft vor der Linse hatten. Das Auto war schon ein paar Jahre (oder schon Jahrzehnte?, die Zeit verfliegt ja immer so schnell) im Freundeskreis unterwegs, wobei unterwegs hier auch eher Stillstand in klimatisch schmeichelhaften Garagen bedeutet. Diesmal aber durfte er raus, und es ist ein Freude, wenn in einem klassischen Auto nichts ausgeschlagen, hinfällig oder zusammengeflickt ist, sondern sich alles knackig und präzise anfühlt, und jede Oberfläche, die man berührt, berührten vor Jahrzehnten auch schon die Erstbesitzer.
Restaurieren kann man immer wieder, ...
... aber einen Originalzustand gibt's nur einmal. Das unterscheidet ihn vom originalgetreuen Zustand, der orientiert sich am originalen, ist aber im Zuge einer Restaurierung entstanden. (By the way: original restauriert, wie man oft in Oldtimer-Inseraten liest, ist ein Unsinn, weil entweder-oder. Originalgetreu restauriert geht natürlich. Bin schon fertig mit der Besserwisserei.)
Das obige Foto entstand nicht durch zu forsches Abbremsen vor dem Neusiedler See, sondern im Zuge kleiner Spielereien mit Citroëns Hydropneumatik. Funktioniert alles wie beim Neuwagen, dann kann man auch einen fast 50jährigen GS locker bis in die höchste Position pumpen, und die Federung verhärtet sich dabei, sonst hätte das alles keinen Sinn.
Kaufberatungen in der autorevue soll's jetzt wieder öfters geben, wie bisher von Old-, aber auch von Youngtimern. Wer ein fotogenes Auto hat, das sich dafür empfiehlt, würde uns mit einem E-Mail (strubreiter.martin@autorevue.at) sehr erfreuen, und die Kaufberatungen wenden sich nicht nur an jene, die tatsächlich diesen Klassiker kaufen wollen. Sondern an jene, die mehr über die Modellgeschichte lesen wollen – oder über Problemstellen, die ihnen völlig wurscht sein können, weil sie dieses Auto eh nie haben wollen. Die Kaufberatung des Citroën GS gibt's hier.

