
Das Erforschen der Geschichte eines Autos, also eines ganz speziellen Exemplars (und nicht nur der Type an sich) stellt Oldtimerbesitzer vor knifflige Herausforderungen: Man möge mit hartnäckiger Freundlichkeit nachbohren, Zeitzeugen virtuelle Sprechperlen ins Essen mischen, sofern man diese Zeitzeugen überhaupt noch findet, und dann alles flott niederschreiben, weil sich Dinge nur merken zu wollen, das stellt noch keine Konservierung des Wissens für die Nachwelt dar.
Wenn alles glücklich verläuft, dann stößt man dabei zum Beispiel auf Personen, über die sich das für allwissend gehaltene Internet beharrlich ausschweigt. Zum Beispiel auf Fred „Fast Freddie" Rush, Busfahrer und Schwenker vieler Zielflaggen.
Der Umweg zu Fast Freddie...
... führt allerdings über Otto Linton, 1917 in Wien geboren, Technikstudent und 1938 in die USA ausgewandert. In den USA wird er Rennfahrer, später vertreibt er mit seiner Firma Speed Craft vor allem europäische Rennwagen. Als er einen Denzel (remember: made in Vienna) auftreiben kann, meldet sich Fred Rush gerne als neuer Besitzer: Rush, 1932 geboren und mit einem Glücksfall von Namen ausgestattet, wenn eine Karriere als Rennfahrer angestrebt wird, verfügt nicht nur über flinke Ambitionen, sondern auch über das nötige Geld, um den sportlichen Denzel zu erwerben. Davor, nämlich ab den 40ern, war er als Stockcar-Racer unterwegs, der Spitzname Fast Freddie war schnell bei der Hand. Beim Kauf des Denzel hat er schon eine Menge Freunde, die ob seines Fahrstils nicht mehr einsteigen wollen – er selbst bezeichnet diesen als ökonomisch. Vermutlich, weil der, der schneller am Ziel ist, weniger lang Sprit verbraucht.
Beruflich lenkt der Rennfahrer Schulbusse,...
... über das Schicksal der Frühstücke und Mittagessen der transportierten Schülerinnen und Schüler ist nichts überliefert, um ein paar wird's wohl schade gewesen sein. Da ist es nur logisch, dass Fast Freddie die Stelle des Flagman bei Motorsportveranstaltungen annimmt, als sich die Chance bietet: Zwischen dem Fahnengeschwenke an Start und Ziel gibt's ja noch etliche andere Flaggen, die den Rennverlauf dirigieren, so wird Fred Rush bald weit über seinen Heimatort Dayton, Pennsylvania, bekannt. Leider nur für zehn Jahre, da er Anfang der 70er nach einem Rennen am Steuer seines Straßenautos einschläft.
Zwei Jahre fährt er jenen Denzel 1300, der in unserer Geschichte die Hauptrolle spielt. Es sind schwere Jahre für das Auto, aber nicht die schwersten.

