
Wer glaubt, er hätte ein besonderes Auto, nur weil er einen 400.000-Euro-Ferrari von der Stange gekauft hat, ist wie einer, der sich für exklusiv hält, weil er Singapore First fliegt. Wer’s wirklich draufhat, fliegt in der eigenen Gulfstream und ruft – am besten gleich aus dem Flugzeug – bei Bugatti an, um sich ein eigenes Auto schneidern zu lassen.
Ab da kann man von besonders reden.
Also Bugatti. Die Marke hat ein Herz für Menschen, denen es etwas peinlich ist, das gleiche Auto zu haben wie zum Beispiel der Nachbar. Das ist vielleicht in Grieskirchen oder Tschachoritsch an der Drau nicht so das Thema, aber in Bel Air soll das wirklich eines der gröberen Probleme der Einwohner darstellen.
Darum hat Bugatti das „Programme Solitaire“ ins Leben gerufen, eine Initiative, die jährlich zwei maßgeschneiderte Autos schafft. Freilich auf Basis existierender Modelle, zumindest technisch. Bisher kamen zwei solcher Schöpfungen ans Tageslicht.
Das erste war ein Nebel
Es begann im Vorjahr mit dem Brouillard. Der Name bedeutet auf Französisch „Nebel", und so hieß auch Ettore Bugattis Lieblingspferd. Der Brouillard basiert auf dem offenen Mistral. Dies aber eher nur grundsätzlich, denn an sich ist das Auto geradezu neu gestaltet. Solitaire erlaubt dem Käufer, die Karosserie neu zu gestalten, Proportionen neu zu konzipieren. Der Motor ist der 8,0-Liter-W16 mit vierfacher Turboaufladung, der 1.578 PS leistet. Jetzt wollen Sie sicher wissen, wer den Brouillard in Auftrag gegeben hat. Das ist natürlich absolut geheim auf Staatssicherheitsniveau. Mit anderen Worten: Es war der 62-jährige Michel Perridon aus den Niederlanden, der mit seiner Trust International Heim- und Bürogeräte, Gaming-Zubehör, Computermäuse und ähnliches verkauft und dabei zu einem gewissen Wohlstand gelangt ist.
Folglich wurde Perridon Bugatti-Sammler. Von den frühen Vorkriegsmodellen wie dem Type 30, dem Type 57 und dem aufgeladenen Type 57C bis zum ikonischen Type 57G Tank-Rennwagen illustriert seine Sammlung Bugattis Entwicklung von einer Motorsport-Macht zu einem Hersteller moderner Hypercars. Mit dabei auch der EB110 Super Sport, der die Marke in den 1990er Jahren wiederbelebte, mehrere Veyrons in Grand Sport- und Grand Sport Vitesse-Form sowie mehrere Chirons, einschließlich des Super Sport. Das neue Stück dürfte Perridon deutlich über 12 Millionen Euro gekostet haben.
Und jetzt?
Und jetzt wurde eben das zweite Modell der Solitaire-Reihe vorgestellt. Der F.K.P. Hommage ist eine Würdigung des Ferdinand (Karl) Piëch, der den Veyron, die Grundlage der neuen Kreation, erst möglich machte. Die Geschichte des Veyron beginnt nicht in Molsheim, sondern in einem Hochgeschwindigkeitszug in Japan, wo Piëch die revolutionäre W-Motor-Konfiguration skizzierte, die zum zentralen Element der Bugatti-Renaissance werden sollte. Als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns hatte Piëch sein technisches Genie bereits durch die Entwicklung der VR-Motorarchitektur von Volkswagen unter Beweis gestellt – vom kompakten VR6, der den Golf transformierte, über den W8 und W12, die Passats und Bentleys antrieben, bis hin zum ultimativen Ausdruck: dem vierfach turbogeladenen W16.
Diesmal weiß man den Auftraggeber wirklich nicht, oder noch nicht. Wiederum ist natürlich der W16 an Bord, außerdem im Armaturenbrett eine Audemars Piguet Royal Oak Tourbillon. Die achteckige Uhr verfügt über einen genialen Selbstaufzugsmechanismus: eine Gondel, die sich mehrmals pro Stunde auf einer diagonalen Achse dreht, angetrieben vom Auto selbst ohne elektrische Verbindung.
Wieviel der unbekannte neue Besitzer für den F.K.P. Hommage ausgeben musste, wissen wir nicht, aber in dem Auto sind wir schon gesessen. Ausführlicheres darüber im nächsten Heft.

