Ein Fehler! (Aber damit leben wir jetzt.)

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 © Franz Zwickl

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Die Geschichte, in die sich dieser Text an seinem Ende reinverlinkt, ist zwar recht frisch, aber er stimmt schon jetzt nicht mehr. Also nicht der ganze, sondern nur ein Satz – und zwar jener, der behauptet, dass Franz Zwickls Beerdigungsdatum das einzige exakt überlieferte seines unüblich früh zu Ende gegangenen Lebens wäre. 

Vor seiner Beerdigung im Frühling 1940 gab's ein buntes, von subtiler Zeichenkunst durchwirktes Leben: Franz Zwickl war Werbegrafiker bei Austro Daimler und damit auch bei allen dranhängenden Marken, und wo noble und gewiss nicht billige Autos verkauft werden wollen, mussten sich die Prospekte schon damals mit erfrischender Strahlkraft in den Händen der Kunden (das war vermutlich korrekt gegendert) entfalten.

Franz Zwickl beherrschte ...

... die dafür nötigen Zeichenstile perfekt. So parken seine Prospekte schon Jahrzehnte lang in aller Schönheit in den Geschichtsbüchern, und vor rund zehn Jahren kam ein Nachfahre damit bei der Tür herein.

Nicht bei irgendeiner, sondern bei der Redaktionstür.

Die Entdeckung einer ziemlich hohen Anzahl von Postkartenentwürfen Franz Zwickls (in einer unscheinbaren Teedose, es hatte schon lange niemand der Familie reingeschaut) war damals noch recht frisch. Natürlich wollte ich die Geschichte dieses Künstlers schreiben, aber bald zeigte sich das Dilemma innerfamiliärer Wissenslücken: Keiner der Zeitzeugen war noch unter uns, und niemand hatte Franz Zwickls Witwe rechtzeitig befragt, schade. 

Der Künstler, quasi spurlos verstorben, ...

... blieb als Person also ein Rätsel, und es war fast gespenstisch, nirgends Spuren zu entdecken: Keine Internetpräsenz, die über ein paar dürre Sätze hinausgekommen wäre; keine ausführliche Erwähnung im online-Archiv der Nationalbibliothek; selbst der über zwei Ecken befreundete Austro-Daimler-Experte, sonst erfrischend wissend, sagte ungefähr: Wenn du was erfährst, dann sag's mir bitte weiter.

Dann durfte ich Franz Zwickls Nachlass durchblättern, und mit seinen Fotoalben in Händen schälte sich langsam eine Persönlichkeit aus dem Dunkel der Geschichte, die In den Alben abgebildete Hülle füllte sich mit einem schelmischen, weltoffenen Charakter, der Tod blieb dennoch rätselhaft. Nach zehn Jahren war klar, dass die Geschichte nicht mehr vollständiger würde, also sollte der vor wenigen Wochen aktuelle Stand der Dinge ins Heft.

Jetzt gibt's ein Geburtsdatum dazu: Unser Leser Peter Kriz, hobbymäßig in die Genealogie vertieft, fand Einträge im Geburtenbuch der Pfarre St. Stephan und im Trauungsbuch der Pfarre St. Othmar unter den Weißgerbern, somit steht fest: Franz Zwickl wurde am 23. 10. 1886 geboren, er und seine Margarete haben am 22. 10. 1925 geheiratet.

Noch immer würde ich gerne die Stelle finden, an der Franz und Margarethe Zwickl ihr Gartenhaus hatten, mit Hilfe der Nachkommen konnte die Stelle auf Googlemaps schon ein bisserl eingegrenzt werden. Das Grab am Wiener Zentralfriedhof schaue ich mir demnächst an. Die ganze Geschichte gibts in der autorevue.

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