
Bei obigem Foto ist auch die gesamte Fahrzeugfront verschwunden, aber vermutlich wurde die am Weg zum neuen Besitzer doch wieder montiert. Spurlos verschwinden aber oft andere wertmindernde Faktoren, der Klassiker ist natürlich die Kilometerleistung: Wo früher in Erzählungen stets eine Bohrmaschine stundenlang linksherum rotierte (meistens ging's durch Zerlegen des Tachos und mechanisches Verdrehen der Ziffernwalzen schneller), das geschieht heute längst durch elektronisches Korrigieren.
Das Fahrzeugdatenunternehmen carVertical hat in Deutschland und 17 anderen Ländern Europas die spektakulärsten Fälle von Gebrauchtwagenverjüngung ermittelt, und man staunt beim Lesen: Beim Kilometerstand, bei vielen Käuferinnen und Käufern ein wesentliches Kriterium, gehen oft sechsstellige Zahlen verloren – von allen von carVertical überprüften Autos am spektakulärsten bei Mercedes E-Klasse und Renault Master (je 219.000 km im Schnitt!), dahinter folgt der Ford Focus mit durchschnittlich 202.000 verschwundenen Kilometern.
Wird ein Auto exportiert, ...
... dann geht oft überhaupt seine gesamte Historie verloren: Bei aus Deutschland importierten Autos wird die Historie nicht weitergegeben, damit wird Betrug beim Kilometerstand deutlich schwieriger nachzuweisen – man kann ja nicht einfach die Vorbesitzer kontaktieren. Auch deren Zahl ist dann nicht mehr nachvollziehbar, auch in Österreich stehen sie seit Jahren nicht mehr in den Fahrzeugpapieren. Plakativste Fälle in Deutschland bei der Erhebung von carVertical: Ein Audi TT mit 23 Besitzern, ein VW Golf mit 22 und ein Audi RS6 mit 17. Häufiger Besitzerwechsel ist oft ein Indiz auf praktisch nicht zu behebende Schäden – alle Besitzer geben bald zermürbt auf und verkaufen das Auto, die neuen Besitzer kommen bald drauf, dass das Auto oft in einer Werkstatt steht, und die ist ratlos.
Ebenso nicht nachvollziehbar ...
... ist meistens die Zahl der Länder, in denen ein Auto schon zugelassen war (was kein Qualitätsmangel sein muss), auch die Zahl der Vorschäden bleibt meistens verborgen. Die erkennen meistens nur Experten, entweder durch Auslesen des Unfall-Datenspeichers, oder durch simples Begutachten der Fahrzeugstruktur. Bei der Erhebung von carVertical führte ein VW T5 mit 26 Schadensfällen, dahinter folgten ein BMW X6 mit deren 24 und ein 5er-BMW mit 20 – Autos, die vermutlich eher niemand mehr haben will.
Auch die Schadenshöhe gibt Aufschluss darüber, wie devastiert ein Auto im Lauf seines Lebens schon war. Natürlich geht sich bei Luxusautos ein höherer Schaden vor Erreichen des Totalschadens aus, das Spitzentrio hier: Ein McLaren 720s (295.000 Euro Schaden), ein Lamborghini Huracán (275.000 Euro) und ein Ferrari LaFerrari (245.000 Euro). Vermutlich waren alle nicht völlig lückenlos wieder geradegebogen.
Ein Bericht über ein in Mitteleuropa führendes, österreichisches Datenforensik-Unternehmen (inklusive Kriminallabor), das derlei Fälle regelmäßig aufdeckt, gibt's in der nächsten Autorevue. Ab 3. April in der Trafik und im Postkasten.

