Der Rekordmeister aus Graz

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Nämlich AVL List, nämlich österreichisches Erfinderranking. Das Mobilitäts-Technologieunternehmen hat im Vorjahr 179 Patente angemeldet und liegt damit zum 15. Mal in Serie auf Platz eins im Lande. Rang zwei, auch nicht zum ersten Mal, ging mit 105 Patenten an Julius Blum, den Vorarlberger Hersteller von mechanischen Bewegungstechniken für das Öffnen und Schließen von Möbeln, etwas, womit wir jeden Tag hundert Mal zu tun haben. Den dritten Platz belegt die Siemens Mobility Austria mit 32 Patenten.

Blicken wir auf die jüngere Vergangenheit, kann man sagen: Wenigstens einmal im Jahr macht die AVL positive Schlagzeilen.
Zuletzt hatten die Schlagzeilen unter anderem so gelautet:
„Schock für die Grazer Wirtschaft: AVL streicht 350 Arbeitsplätze“ (August 2025, Der Grazer).
„Massiver Job-Abbau in Graz: AVL muss weitere 100 Stellen einsparen“ (November 2025, Kurier
„Technologiekonzern AVL List baut weitere rund 350 Mitarbeiter in Graz ab“ (Jänner 2026, Der Standard)

Was ist passiert?

AVL hat jahrzehntelang gut gelebt als österreichischer, international tätiger Vorzeigebetrieb mit Entwicklung und Verkauf von Prüfständen für Motoren vom automobilen bis zum nautischen Bereich, mit Messtechnik für Motoren, mit der Entwicklung von Simulationssoftware für Motoren und ganze Fahrzeuge. Der Name war immer Programm: AVL steht für Anstalt für Verbrennungskraftmaschinen List. Man war in Graz mit mehr als nur einem technologischen Betrieb lokal geradezu eingewoben: 2003 wurde die Helmut-List-Halle eröffnet, ein Veranstaltungszentrum. Helmut List ist mehr als nur ein Ehrenbürger der Stadt.

Die AVL wurde von der Transformation zu Elektro nicht über Nacht erwischt, und sie hat auch nicht geschlafen. Zwei Beispiele unter vielen: Ein Batterielabor wurde schon 2010 in China eröffnet, seit fünf Jahren gibt es ein Battery Innovation Center in Graz.

Heute ist es bei der AVL so, dass 60 Prozent der Patente im Bereich der Elektrifizierung anfallen. Nimmt man Fahrassistenzsysteme, Reifenemissionen, KI etc. dazu, betreffen 80 Prozent der Patente Zukunftstechnologien, die sich mit nachhaltiger und/oder intelligenter Mobilität beschäftigen.

So gesehen ist die AVL auch für die Zukunft gut aufgestellt. Sie muss nur – wie übrigens auch alle anderen Tech-Unternehmen im Bereich der Antriebe – damit leben, dass die elektrische Mobilität technisch insgesamt einfacher ist als die verbrennerbasierte. Und damit auch weniger personalintensiv. Und sie muss auch damit leben, dass der politische Zug einmal in diese, einmal in jene Richtung fährt.

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