
Was war das doch für eine unschuldige Zeit, als man noch solche Worte erfinden durfte. Wer heute damit käme, würde mit nassen Fetzen davongescheucht: Hochdachkombi. Seltsam auch, dass es das Wort noch immer gibt. Aber gut, das Auto, zu dem das Wort erfunden wurde, gibt’s ja auch noch, und seit 30 Jahren.
Es gab freilich von Anfang an Bestrebungen, dem Berlingo, diesem braven Diener der Bäcker und Installateure, was anderes einzuhauchen, nebenbei. Wir selbst nahmen 1997 an einer Art Abenteuerrallye in Turkmenistan und Usbekistan teil: Journalisten und junge Menschen, die sich dafür beworben hatten, stolperten in Berlingos durch die zentalasiatischen Wüsten, um dabei festzustellen, dass das zwar ging. Dass man aber schließlich für sowas eigentlich doch eher ein anderes Auto nehmen würde, dürfte man es sich denn aussuchen, zum Beispiel ein größeres. Man kann sagen, der Versuch, dem Berlingo eine Art Camel-Trophy-Image zu verleihen, ging nicht so ganz airborne.
War auch nicht nötig. Das Konzept funktionierte ohne sowas.
Denn obwohl der Berlingo klar auf den Schultern der kleineren Nutzfahrzeuge stand – bei Citroën waren das AZU und AK auf Basis des 2CV, die Acadiane, der C15 – markierte seine Einführung 1996 doch einen Dogmenwechsel, wenn man so will: Hier ging beides, Kleingewerbe und Privatleben, wenn man wollte, sogar Abenteuer (wie wir beweisen durften im Dienste des Citroën-Marketings).
Neues Segment
Somit war ein neues Segment geschaffen, nämlich das der Hochdachkombis. Damals gab es noch in aller Breite etwas, das heute kaum mehr wer kennt: Die Vans oder eigentlich Minivans. VW Sharan, Fiat Ulysse, natürlich Chrysler Voyager, Peugeot 806 und wie sie alle hießen. Sie sind im Wesentlichen ausgestorben, dahingerafft von den SUVs. Den Hochdachkombi hat das kaltgelassen, er konnte sich komfortabel in seiner Nische einrichten, ohne große Tiefen und Höhen (abgesehen vom Dach). Und das Seltsame: Von Anfang an wurde der Berlingo tatsächlich auch familiär genutzt, die Aufteilung gewerblich-privat (in ersterem Fall mit Kastenaufbau) lag stets bei ungefähr halbe-halbe mit sogar leichter Neigung ins Private.
Auf den Markt kam der Berlingo auch als Peugeot Partner, und man machte Mode: Renault entwickelte den Kangoo, auch Fiat, Opel und Mercedes stiegen ins Hochdachsegment ein. Aber prototypisch blieb bis heute der Berlingo, er war ja auch der Pionier.
Von diesem Pionier wurden mittlerweile über 30 Millionen Stück in drei Generationen gebaut, und fraglos ist kein Ende des Schiebetürers in Sicht. Derzeit kann man den Berlingo als Diesel und als reinen Elektriker haben. Eine Hybridvariante ist laut Citroën nicht ausgeschlossen.
Im Vorjahr waren unter den in Österreich 5.303 verkauften Citroëns übrigens 286 Berlingos.

