
Fragt man Rolls Royce einerseits nach dem besten Auto der Welt, andererseits nach dem Kern der Marke, dann murmeln sie in aller Laufruhe gerne was von Silver Ghost.
Der Silver Ghost ist für Rolls Royce also sowas wie der Dreier für BMW, aber insgesamt doch völlig anders, nämlich ein Auto für Könige und die kapitänigsten der Industriekapitäne, zum Beispiel. Folglich war die banale Modellbezeichnung 40/50 H.P. deutlich zu unwürdig, Silver Ghost aber geht sich onomatopoetisch ganz gut aus: Sanftes Dahinstreichen hochpreisiger Würde, so soll es sein.
Genau 120 Jahre ist es jetzt her, ...
... dass der Rolls Royce 40/50 H.P. erstmals zu sehen war, im November 1906 auf der Olympia Motor Show zu London. Henry Royces Entschlossenheit, die mechanischen Unzulänglichkeiten der Autos jener frühen Tage völlig hinwegzukonstruieren, führten zu ausgetüftelter Feinmechanik und üppig dimensioniertem Luxus, die Laufkultur des Reihensechszylinders ist beispielgebend bis heute, und seine Robustheit lässt ihn durchaus bis heute laufen.
Der berühmte Name kam dann über einen kleinen Umweg hinzu: Rolls Royces kaufmännischer Direktor Claude Johnson, stets bemüht, die Qualität der Autos mit huldvollen Namen herauszustreichen, bezeichnete Fahrgestell Nr. 60551 als „The Silver Ghost", der silbernen Lackierung und der silbernen Beschläge wegen. Das gefiel auch etlichen Käufern anderer 40/50 H.P.-Modelle, sie adoptierten der berühmten Namen einfach in den Status einer offiziellen Typbezeichnung.
Der Silver Ghost absolvierte ...
... fürderhin etliche Zuverlässigkeitsprüfungen und Wettbewerbe, es war die rare Zeit, in der ein Auto die Alpenfahrt und den Großen Preis von Spanien gewinnen und im Scottish Reliability Trial (richtig, Matsch und Schotter statt Asphalt) aufgeigen konnte.
Einer der berühmtesten Silver Ghost jener Tage ist derzeit bei Rolls Royce in Goodwood ausgestellt: Fahrgestell 1701, der erste Rolls Royce, der 100 mph (161 km/h) schnell war.
Kunden sprachen bald vom vollkommenen Automobil und schickten lobende Telegramme zum Firmensitz in Derby. Alleine die Regierung Britisch-Indiens bestelle 1911 acht Silver Ghost für den Besuch König Georgs V. und Königin Mary. Rolls Royce lieferte zu den Autos auch gleich die Chauffeure.
Der Silver Ghost wurde bis 1925 gefertigt, noch heute fahren seine Besitzerinnen und Besitzer damit gerne auf eigener Achse zu Rallies in gerne auch etwas entfernteren Ländern. Was Rolls Royce seither sonst noch so getrieben hat, sieht man hier.

