Flunder, Wunder, Zunder: Damals teuerstes Serienauto der Welt, breitester Jaguar, unerreichbares Versprechen am Horizont, Hypercar zum Nassmachen anderer Hypercars. Plötzlich aber hatte der XJ220 nur einen halben Motor, in den Augen der Fans.
Bewerbung und Anzahlung: So lief der Kauf eines Jaguar XJ220
Die Kaufverträge wurden nicht einfach nach Sympathie oder sonstwelchen Ungerechtigkeiten verteilt, sondern man musste sich bewerben. Die Ernsthaftigkeit dieser Bewerbung möge bitte mit einer Anzahlung von 50.000 Pfund unterstrichen sein.
Egal, ob man die in eine damalige Million Schilling oder in heutige 70.000 Euro umrechnet: Es war ein Batzen Geld, und Jaguar würde ihn unverzinst wieder zurückzahlen, wenn man sich doch nicht für den Kauf eines XJ220 qualifizierte. Natürlich ließen sich solcherart mehr verrückte Fans von Jaguar quälen, als die Firma XJ220 zu bauen gedachte, sicherheitshalber blieb Jaguar bei der angepeilten Produktionszahl so unscharf wie der Old Man of Storr auf der Isle of Skye im Nebel: mindestens 220, es wäre wegen der Modellbezeichnung; mehr als 350 eher nicht.
Ziemlich viele überwiesen die Anzahlungsmillion, und weil die Produktion schleppend anlief, gab es offiziell schon keinen XJ220 mehr, bevor der erste überhaupt gebaut war. Er wäre einer der letzten Saurier, die schon vor ihrer Geburt ausgestorben wären, schrieben wir damals in der autorevue.
Wer schließlich als würdiger Kunde inthronisiert wurde, hatte nochmals 50.000 Pfund zu überweisen, der Rest wäre dann bei Auslieferung fällig. Vor den Werkstoren – also bitte Import, Verzollung und Typisierung im Heimatland selbst durchführen, Österreichs Käufer waren dann um 9,4 Millionen Schilling leichter. In rührend naiver Geste gab Jaguar damals aber ein Bordwerkzeug ins Auto. Es sah aus wie eines vom Weltspartag, mit dem man tadellos ein Klapprad reparieren konnte.
Dass die Nachfrage dennoch unter den Erwartungen blieb, lag (neben dem Kaufpreis, um den man im Waldviertel eine ganze Stadt bekommen hätte) letztlich aber auch an der 1992er Wirtschaftskrise und am Motor: Den hatte Jaguar am Weg vom 1988er Showcar zum 1992er Serienauto fahrlässig halbiert. Zwei Turbos galten den Fans nicht als Ersatz für sechs Zylinder.
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