Ein Österreicher bei Rolls Royce

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„Es gibt keinen Plan B!" – Mit dieser Order wurde Fritz Fruth 1998 der erste von BMW entsandte Rolls-Royce-Mitarbeiter in Großbritannien, sein Auftrag: die komplette Wiedergeburt der Marke, neue Fabrik inklusive – BMW hatte ja nur die Markenrechte gekauft. Persönliche Erinnerungen nach 25 Jahren.

BMWs große Pläne mit einer berühmten Marke

Premierminister Tony Blair war zwar nicht zugegen, als Fritz Fruth am 16. März 2001 in No. 10, Downing Street, eintrat, aber Geoffrey Norris, Special Advisor to the Prime Minister, ließ milde Begeisterung durchschimmern: Er sehe keine Hindernisse für BMWs Pläne, teilte der Gentleman Fritz Fruth und Projektleiter Karl-Heinz Kalbfell mit, Verbindlicheres würde folgen.

BMWs Pläne sahen aber auch in Goodwood eine ziemliche Baustelle auf den Latifundien des Lord March vor, eines wunderbar Autonarrischen vor dem Herrn. Immerhin ging's um die künftige Fabrik für Rolls-Royce, BMW hatte ja vorerst lediglich die Namensrechte für den Automotive-Bereich – die offizielle Bewilligung für den Neubau stand noch aus, und rund um Goodwood regte sich Widerstand gegen den fünften Standort in Rolls-Royces Geschichte. Bei Mark Dunn, County Councillor der Tories, regte er sich sogar ziemlich laut, die West Sussex Gazette (richtig: Boulevard) zitierte ihn am 8. Februar 2001 auf ihrer Titelseite bar britischer Zurückhaltung: „On Your Bike, BMW!"

Frei übersetzt glich das ungefähr der Empfehlung, sich zum Teufel zu scheren, in Wien würde was mit über-die-Häuser-hauen den Grant untermalen. Da war also weiterhin die würdevolle Diplomatie eines britisch auftretenden Gentleman nötig, um alle Wogen in gefällige Zustimmung zu glätten, und der Gentleman durfte durchaus aus Österreich stammen: So wurde Fritz Fruth 1998 erster Rolls-Royce-Beauftragter in Großbritannien, entsandt von BMW-Chef Bernd Pischtsrieder. „Sie als Österreicher haben den weicheren Akzent", sagte Pischetsrieder zu seinem besten Mann sinngemäß, „das wirkt sympathischer".

Also nannte sich Fritz Fruth fortan Fred Fruth, er bezog im Frühling 2001 permanent Quartier in Großbritannien, um den Neustart einer ganzen Marke zu orchestrieren, und er dokumentierte jeden Schritt des Neuanfangs: „Ich habe geahnt, da wird Geschichte geschrieben", sagt Fritz Fruth, heute Pensionist in Baden bei Wien, und legt ein paar dicke Ordner auf den Tisch.

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