
Der EV Charging Index 2026 der internationalen Unternehmensberatung Roland Berger zeigt einen E-Auto-Markt, der weltweit weiter kräftig wächst – allerdings mit enormen regionalen Unterschieden. 2025 legte der Absatz von Elektroautos, zu denen die Studie batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) und Plug-in-Hybride (PHEV) zählt, in den 34 untersuchten Märkten um mehr als 20 Prozent zu. Jeder vierte verkaufte Neuwagen war damit elektrifiziert. Der Bestand stieg auf mehr als 73 Millionen Fahrzeuge und damit auf über fünf Prozent aller Pkw und leichten Nutzfahrzeuge.
Überblick
Österreich bei E-Autos 2025 fast auf westeuropäischem Niveau
Österreich erreicht 2025 laut Studie einen EV-Anteil von 29 Prozent bei den Neuwagen. Damit liegt der heimische Markt praktisch auf Augenhöhe mit Westeuropa, wo Elektroautos auf 30 Prozent kommen. Österreich befindet sich zudem vor Deutschland mit 28 Prozent und Frankreich mit 24 Prozent, bleibt aber hinter der Schweiz und Großbritannien mit jeweils 31 Prozent. Noch weit voraus sind die Niederlande mit 60 und Schweden mit 59 Prozent. Spitzenreiter Norwegen erreicht sogar 89 Prozent. In Österreich entfallen 20 Prozentpunkte auf reine Batterieautos und neun auf Plug-in-Hybride. Global betrachtet liegt Europa wieder auf Wachstumskurs: Nach einem schwachen Jahr 2024 stieg der EV-Absatz um ein Drittel auf 3,7 Millionen Fahrzeuge. Asien-Pazifik kam sogar auf knapp 15 Millionen, wobei China rund neun von zehn Verkäufen der Region stellt. Dort war 2025 bereits jeder zweite Neuwagen ein EV. Die Gründe für den Boom sieht Roland Berger unter anderem in günstigeren LFP-Batterien, einem breiteren Modellangebot und wachsendem Preisdruck durch chinesische Hersteller. Bemerkenswert ist gleichzeitig das Comeback der Plug-in-Hybride (die aufgrund des verbreiteten Nutzungsverhaltens in der Realität allerdings kaum was mit Elektromobilität zu tun haben). BEV stellen weltweit zwar weiterhin rund zwei Drittel der EV-Verkäufe, doch in Westeuropa erhöhte sich der PHEV-Anteil am Gesamtmarkt von sieben auf zehn Prozent. Österreich liegt mit seinen neun Prozentpunkten damit nahe an diesem Niveau.
73 Millionen E-Autos weltweit: Europa wächst, China gibt das Tempo vor
Der globale Fahrzeugbestand zeigt, wie schnell sich die Elektromobilität inzwischen ausbreitet. 2025 wuchs der EV-Park in den 34 untersuchten Märkten zum zweiten Mal in Folge um 40 Prozent auf mehr als 73 Millionen Fahrzeuge. Ende 2024 waren es erst 52 Millionen. Der Anteil am gesamten Pkw- und Van-Bestand stieg damit von vier auf mehr als fünf Prozent. In Asien-Pazifik sind bereits acht Prozent des Fahrzeugbestands elektrifiziert, in Europa fünf Prozent, in Amerika zwei und in der MENA-Region (Nahost und Nordafrika) rund ein Prozent. Besonders schnell geht die Entwicklung in China voran: Dort erhöhte sich der EV-Anteil am Bestand von fünf Prozent 2022 auf 13 Prozent 2025. Noch weiter ist Europa in einzelnen Vorreitermärkten. In Norwegen fährt inzwischen mehr als jedes dritte Auto elektrisch, Schweden erreicht 15 Prozent, Belgien und die Niederlande haben jeweils die Zehn-Prozent-Marke überschritten. Einen eigenen Wert für den österreichischen EV-Anteil am gesamten Fahrzeugbestand weist die entsprechende Übersicht der Studie nicht aus. Klar ist jedoch: Bei den Neuzulassungen bewegt sich Österreich mit seinen 29 Prozent bereits im oberen europäischen Mittelfeld. Gleichzeitig zeigt der internationale Vergleich, wie weit die Märkte auseinanderliegen. Während Europa und Asien 2025 deutlich zulegten, verloren die USA und Kanada beim EV-Neuwagenanteil gegenüber dem Vorjahr. Japan fiel sogar von drei auf zwei Prozent.
Laden in Österreich: 14 E-Autos teilen sich einen öffentlichen Ladepunkt
Für Österreich besonders interessant ist der Blick auf die Ladeinfrastruktur. Laut Roland Berger kommen hier 14 Elektrofahrzeuge im Bestand auf einen öffentlichen Ladepunkt. Damit liegt Österreich exakt auf dem europäischen Durchschnitt von ebenfalls 14. Die Spannweite ist allerdings enorm: In den Niederlanden sind es nur sieben EVs je öffentlichem Ladepunkt, in Belgien acht, in Deutschland 16, in der Schweiz 19 und in Großbritannien bereits 25. Norwegen erreicht trotz – oder eher wegen – seiner enorm hohen E-Auto-Dichte einen Wert von 40. Weltweit stieg die Zahl öffentlicher Ladepunkte 2025 von 5,3 auf 6,4 Millionen. Rund 1,1 Millionen Anschlüsse kamen neu hinzu – weniger als in den beiden Vorjahren. Roland Berger interpretiert das jedoch nicht als Stillstand. Viele reife Märkte hätten ihre Infrastruktur zunächst der Nachfrage vorausgebaut; inzwischen verlagert sich der Schwerpunkt von der reinen Anzahl auf Leistung und Auslastung. Besonders wichtig wird deshalb das Schnellladen. Weltweit erhöhte sich der Anteil der Ladepunkte mit mehr als 22 kW von 34 Prozent 2022 auf 39 Prozent 2025, in China sind es bereits 48 Prozent. In Westeuropa liegt der Anteil erst bei 20 Prozent. Gleichzeitig sind dort inzwischen mehr als die Hälfte der DC-Schnellladepunkte für mindestens 150 kW ausgelegt. Für Österreich nennt die Studie zwar keinen separaten Schnelllader-Anteil, die relativ gute Versorgung mit öffentlichen Ladepunkten zeigt aber: Mit zunehmendem E-Auto-Bestand dürfte künftig weniger die reine Zahl der Säulen als vielmehr deren Ladeleistung und Auslastung entscheidend werden.

