Die Welt hat sich diversifiziert, und der S ist vom Narrativ zum Auto geworden – das freilich noch immer unnachahmlich wohlgepolstert über das Erdenrund schwebt.
Überblick
Zwischen C-Klasse-Cockpit und Luxusanspruch
Schuld ist die neue C-Klasse, also endgültig schuld. Begonnen hat es schon vorher, mit dem EQE, dann mit dem CLA, und gerade hat eben der C noch eins draufgesetzt: Das sind alles Autos, die, zumindest in ihren höheren Ausstattungsvarianten, nicht wirklich anders daherkommen als eine S-Klasse. Man schaut auf die gleichen Bildschirme (genau genommen auf das gleiche bombastische Bildschirmübermaß) und greift auf die gleichen silberfarbenen Bedienelemente aus Kunststoff (zum Beispiel das Fahrstufenwahlhebelchen), und die Menüführung ist auch die gleiche.
Das ist der erste Eindruck, voll der Ernüchterung, und man kann das durchaus ein bissl schlampert nennen, sich so gar keine Mühe zu geben, das S-Cockpit vom C-Cockpit deutlicher abzugrenzen. Dürfte ja eine andere Kundschaft sein, idealerweise sitzt sie hinten rechts, wo denn auch richtigerweise eine Liegesitzmöglichkeit ist, davon später. Aber die Spielhallenatmosphäre vorne schießt geschmacklich am Wirtschaftskapitän vorbei, oder an seinem Chauffeur, der Heinz heißt und eine Schirmmütze trägt wie ein Nachtwächter. Und wer soll rechts vorne die Handelsblatt-App nutzen oder Disney+ schauen? Dort sitzt ja gar niemand.
Doch halt, der Wirtschaftskapitän ist längst ausgestorben, und Menschen, die ehrfürchtig ihre Finger über seidig schimmerndes Holz gleiten lassen, sind ebenso ausgestorben wie mittlerweile meistens das seidig schimmernde Holz selbst. Wo zufällig einmal kein Bildschirm ist, verstaubt Klavierlack oder verdüstert AMG-Carbondings die Seele.
Und wieder halt, unser S 580 e hat so eine Art Schiffsbodenholz in den Türen und in der Mittelkonsole, es bietet dem vielen Glas unbeugsam die Stirn. Und vorne auf der Motorhaube schwebt ein Stern voran. Hier ist S noch S und exklusiv auch noch, denn alle anderen Baureihen müssen längst ohne stehenden Stern ihr Dasein fristen. >
Die aktuelle elfte Generation der S-Klasse ist seit 2020 auf dem Markt, nun fand eine Modellpflege statt. Die brachte den einen oder anderen Tribut an die chinesische Kundschaft (beleuchteter Kühlergrill und Stern, gleichzeitig cool und etwas affig), den Superscreen mit Beifahrerdisplay, wie ihn andere Baureihen schon haben, und vor allem das neueste MB.OS-Betriebssystem, das als Supercomputer überall eingreift, von der Fahrassistenz über das Infotainment bis hin zu den Fahrleistungen.
Wie das halt so ist, bekommt man dessen Arbeit nur mit, wenn ein Murks passiert, zum Beispiel, als vor einer Kreuzung stolz verkündet wurde, dass jetzt eine Stopptafel kommt, inklusive dazupassendem Symbol am Instrumentendisplay, während wir gemächlich auf eine weithin sichtbare, dreieckige Vorrangtafel zurollten.
Die Tempolimiterkennung errät die Tempolimits auch nicht besser als früher.
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