Die Familie der Einstiegs-Elektroautos im VW-Konzern komplettiert sich: Neben dem Škoda Epiq und nach dem Cupra Raval betritt jetzt auch der kleine VW den Markt. Und siehe, trotz technischer Verdrillingung ist auch er ein sehr eigenständiges Auto.
VW zieht Konsequenzen aus früheren Bedienfehlern
VW ist viel gescholten worden in den vergangenen Jahren, und es hat reagiert, indem es die beste Neuerscheinung seit langem auf die Räder gestellt hat. Und zwar die beste Neuerscheinung nicht nur von VW, sondern überhaupt.
Das gilt im Prinzip auch für die Derivate, teils von VW selber – VW ID. Cross – teils von den Tochterunternehmen – Cupra Raval und Škoda Epiq.
Den Kontrast zu vorher hat VW selbst hergestellt, oder sagen wir besser: zu verantworten. Mehrere Innovationen waren im Wesentlichen Blödsinn, und in der Tat hat das die Außenwelt jeweils sofort erkannt, und alle haben sich gefragt, warum VW – und teils die Tochtermarken – das nicht auch selber erkannt hat. Unter den Betriebsblinden ist der Einäugige … nun ja, den gibt’s dann einfach nicht.
Und als der Unfug dann auf der Welt war, hatten sie schon große Mengen davon bei den Zulieferern bestellt gehabt und kamen aus der Nummer so schnell nicht wieder raus, weil das alles ja verwendet werden musste, zumindest bis zum ersten Facelift. So geschehen etwa bei den unbeleuchteten Touchslidern, ein besonders schönes und möglicherweise sogar im eigentlichen Wortsinn anzuwendendes Beispiel für Betriebsblindheit.
Neustart mit bis zu 211 PS
Weitere Beispiele: kapazitive Drückplatten am Lenkrad, Wegfall einer physischen Lautstärkeregelung, Einsparen der hinteren Fensterheber in der Fahrertür. Letzteres wieder so ein Fall von kommen wir so schnell nicht raus: Wer jetzt einen ID.7 kauft, muss sich nach wie vor damit herumärgern.
Und wenn die Lage also so ist, dann hat es, um es mal so auszudrücken, bald einmal wer leicht, als Lichtgestalt gefeiert zu werden. Es kommt nun aber hinzu, dass der
ID. Polo nicht bald einmal wer ist, sondern ein in seiner Gesamtheit radikal gelungenes Produkt. Das alleine sollte den Konzern aus dem Sumpf ziehen, in dem er gerade dahinwatet. Freilich gibt es andere Probleme, die nichts mit den Produkten zu tun haben. Aber mithelfen wird er wohl. >
Der ID. Polo also: Wir konnten die stärkste Variante mit 211 PS bereits ausführlich ausprobieren und erlebten eine feine Kombination aus sinnvoll kleinem Auto mit sehr erwachsener Anmutung, premial angeflogen. Freilich sind wir da schon in der Liga jenseits der 30.000 Euro. Die Einstiegsvariante mit allemal ausreichenden 115 PS kostet Liste ab 25.490 Euro und wird unter den Bedingungen eines Vertrags mit der Porsche Bank um 19.990 Euro zu haben sein.
Rekuperation, Innenraum und über 400 km Reichweite
Gleich fallen die Bügeltürgriffe auf, zumindest an den vorderen Türen. Hinten sind sie senkrecht weiter oben in den Türen, wie das jetzt Mode ist. Der Wagen bewegt sich souverän und ruhig, entsprechend kraftvoll, und vor allem rekuperiert er intelligent und praktisch fehlerlos: verzögert eigenständig vor Kurven, Kreisverkehren, Ortsgebieten, und bleibt an der Ampel hinter dem letzten Auto von selber stehen. Man braucht das Bremspedal also kaum einmal.
Erfreulich sind die Paradigmenwechsel im Innenraum: Es gibt einen Drehregler für die Lautstärke in der Mittelkonsole, richtige Tasten auf dem sehr schönen Lenkrad, vier Fensterheber in der Fahrertür. Für die Klimaregelung steht eine nette Tastenklaviatur bereit. Das Prinzip Touchslider wurde hinausgeworfen.
Die Materialien sind allesamt hochwertig, und alles ist angenehm modern, aber ohne Überspanntheiten gestaltet. Vermutlich würden verständige Autokäufer das auch so machen, insofern ist der Grundsatz vom Kunden als König erfüllt.
Die 155-kW-Variante kommt über 400 km weit, die beiden kleineren knapp über 300. So lässt sich auch ein kleines E-Auto argumentieren. Noch heuer kommt übrigens ein GTI mit 226 PS.
Zusammenfassung
Was wir mögen
Das Rundum-durchdacht-Paket.
Was uns fehlt
Vielleicht gibt es wen, der meint, der GTI könnte sich leistungsmäßig stärker abheben.
Was uns überrascht
Dass es auf einmal doch geht, ein praktisch fehlerfreies Auto zu bauen.
Die Konkurrenz
Zum Beispiel der Renault 5 E-Tech. Aber auch die entsprechenden Produkte aus dem eigenen Haus von Cupra und Škoda.
Daten & Ausstattung
Antrieb Permanentmagnet-Synchronmotor, 1-Gang-Getriebe, Frontantrieb.
85 kW ab € 25.490,–
Max. 85 kW (115 PS), 267 Nm, 0–100 km/h in 11,0 sec, Spitze 160 km/h, Normverbrauch 13,8–19,2 kWh/100 km, Reichw. bis 323 km.
99 kW ab € 29.990,–
Max. 99 kW (135 PS), 290 Nm, 0–100 km/h in 10,9 sec, Spitze 160 km/h, Normverbrauch 13,6–19,9 kWh/100 km, Reichw. bis 331 km.
155 kW ab € 33.790,–
Max. 155 kW (211 PS), 290 Nm, 0–100 km/h in 7,1 sec, Spitze 160 km/h, Normverbrauch 13,3–19,2 kWh/100 km, Reichw. bis 454 km.
Batterie/Laden Kapazität 37 kWh (155 kW: 52 kWh). Ladeleistung 90/105 kW.
Dimensionen L/B/H 4053/2000 (inkl. Außenspiegel)/1530 mm,
Radstand 2592 mm, Kofferr. 441 l.
Gewicht 1576 kg, Anhängelast 500/500 kg (155 kW: 750/1200 kg).
Ausstattung Trend: Einparkhilfe h., 1-Zonen-Klima, LEDs, DAB, 12,9"-Display, Fernlichtassist etc. Life: Adaptiver Tempomat, Einparkhilfe v./h. etc. Style: Lenkradheizung, Sitzheizung v., LED-Matrix, Ambientebeleuchtung etc.
Diese Neuvorstellung ist in autorevue 10/2026 erschienen.

