
Eigentlich sind wir ja keine Antimodernisten. Aber es ist dann doch immer wieder so, dass sich die Moderne selbst überholt, zum Beispiel jüngst in einem Testauto. Der Name der Marke tut nichts zur Sache, denn sowas erlebt man überall. Nur soviel: teures Modell, deutsche Premiummarke.
Und da reagierte auf jeder dritten Fahrt der Touchscreen nicht. Will heißen: Man will den Tempolimitpiepser wegtippsen – geht nicht. Man will die Gebläsestärke von Stufe 5 plus Klima saukalt auf Stufe 1 plus Klima mittel stellen, weil auf einmal ist es doch kühl geworden – geht nicht. Man will was auf dem Navi machen oder ein Hörbuch horchen – geht nicht.
Okay, es gibt die Sprachbedienung
… aber von der hört man dann zum Beispiel: „Das kann ich im Moment leider nicht beantworten, bitte frage nach Ostern wieder nach.“ Das ist einem Kollegen unlängst tatsächlich passiert, neun Monate vor Ostern, und die Frage war nicht, was der Osterhase bringen wird.
Das einzige, was in unserem Fall half, war ein Neustart. Aber nur, wenn man vorher mehrere Minuten wartete. Wenn das einem passiert, der 80.000 Euro für das Auto ausgegeben hat, und dann fährt er in die Werkstatt, und die rebooten irgendwas, und drei Tage später fängt der Zirkus von vorne an, weil das ist immer so, dann aber gute Nacht.
Fehler können passieren, aber wenn man die Mehrzahl der Funktionen in einem unzuverlässigen System bündelt, dann geht bei einem Ausfall immer gleich alles den Bach runter.
Was also ist die Moral?
Die Moral ist, dass alles noch schlimmer wird. Nämlich dann, wenn die jetzt neuen Autos zehn Jahre alt sind, mechanisch noch immer gut in Schuss, aber das ganze Elektronik-Infotainmentbedienungsdings gibt den Geist auf. Das wird noch ein Spaß werden. Wir lachen jetzt schon.

