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Abenteuer ohne Tschick

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Land Rover versucht’s wieder. 2026 wird in Afrika die erste „Defender Trophy“ veranstaltet, ein Abenteuer-Event mit dem Ziel, mehr Defender zu verkaufen, so wie das ganze Red-Bull-Brimborium (Formel 1, Fußball, Eishockey, Wingsuit etc.) mehr Dosen verkaufen soll. Teilnahmebedingungen unter anderem: Autofahren und mehr als 50 Meter schwimmen können, außerdem international reisen dürfen (was einige Promis ausschließt).

Erfunden wurde das Prinzip aber schon lange vor Red Bull, nämlich durch die Zigarettenmarke Camel. Genaugenommen war’s die Düsseldorfer Werbeagentur Team/BBDO. Das Doppelziel lautete: Mehr Land Rovers und vor allem mehr Zigaretten zu verkaufen. Der Name daher: Camel Trophy. Das hat 20 Jahre lang, von 1980 bis 2000 gut funktioniert, wobei Land Rover bei der letzten Trophy 2000, durchgeführt rein nautisch in der Südsee, nicht mehr als Sponsor dabei war. Denen war das alles zu wenig abenteuerlich geworden.

Kritik hat es ohnehin immer gegeben: Rallyefahrer meinten, die Schnitzeljagd wäre keine Rallye, Umweltverbände waren sowieso skeptisch.

Trotzdem …

… war die Trophy ganz witzig. Die autorevue war dreimal dabei. Einmal ging’s in den Dschungel, zweimal war ich selbst als Berichterstatter mit, 1997 in der Mongolei (Sieg: Team Österreich) und bei der letzten Veranstaltung in Tonga. Wirklich hart war das alles nicht mehr, und viel zu berichten gab es auch nicht. Eigentlich garnix. Immerhin, man kam gratis in Länder, in die man sonst kaum kommt. In Tonga waren praktisch keine Autos mehr dabei, die Teilnehmer fuhren auf Booten herum und suchten Inseln, was soll man in der Südsee auch sonst machen (okay, man konnte sich im The Billfish in Nuku’alofa besaufen, was wir denn auch allabendlich gemacht haben).

Die Neuauflage ist freilich sinnvoll. Oder zumindest hat das Marketing keine andere Möglichkeit, sie als sinnvoll zu sehen. Einfach nur ein Auto zu bauen und dann zum Kauf anbieten, reicht nicht mehr, gefordert sind Markenerzählungen, Narrative. Bei der Camel Trophy war die Erzählung so, dass rauchen und Land Rover-Fahren was für harte Männer in der Wildnis ist. Das stimmt zwar natürlich punktgenau, aber Zigaretten gehen ja nicht mehr.

Nun muss sich die Erzählung also ohne sie bewähren. Wir sagen: wird schwer.

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