Unter manchen Umständen kann eine Ausfahrt im Winter sinnvoll sein, aber das Salz bleibt gefährlich.
Die Winter werden immer milder, und jene Tage, an denen Schnee auf Fahrbahnen und Gehsteigen liegt, werden besonders im flachen Teil Österreichs weniger. Da könnte man freilich den Gedanken hegen, das klassische Auto nicht von November bis März einzuwintern, sondern hie und da eine Ausfahrt zu zelebrieren. Den nötigen theoretischen Unterbau dazu kennt jeder Stammtisch und auch jedes Forum: „Vom Stehen werden Autos kaputt."
Das ist freilich ein bisserl populärwissenschaftlich ausgedrückt, denn Stehen in einer trockenen, recht gut durchlüfteten Garage hält die Karosserie rostfrei – wer heute ein Auto findet, das Jahrzehnte lang unter guten Bedingungen abgestellt war, hat zwar eine Menge Arbeit beim Reaktivieren der Technik, aber danach wird er sich eines Klassikers im Bestzustand erfreuen. Wer ein Auto sucht, dass Jahrzehnte lang durch alle Jahreszeiten gefahren wurde, wird eher keines finden, weil die Karosserie heillos verrostet ist. Auch heillos halbverrostete Karosserien lassen Arbeitsaufwand und Kosten ausufern, und das Auto wird eher nie wieder so, wie ein rostfreies Exemplar noch immer ist.
Auch versicherungstechnische Umstände sind zu beachten: Wer auch im Winter fährt, kann das Kennzeichen nicht bei der Versicherung zurücklegen und Steuer und Versicherung für die Hinterlegungsdauer sparen.
Hat man eine günstige Oldtimerversicherung, dann ist das Sparen der Versicherungskosten durch Kennzeichenhinterlegung nicht immer möglich – die niedrigen Tarife setzen voraus, dass der Klassiker die kalte Jahreszeit in einer Garage verbringt. (Die Kfz-Steuer spart man sich immer, unabhängig vom Versicherungstarif.) Kommt's im Winter zu einem Schadensfall, dann könnte der bei einer expliziten Oldtimerversicherung zu Problemen führen. Am besten klärt man den Winterbetrieb davor also mit dem Versicherungsunternehmen.
Wer zur kalten Jahreszeit dennoch fahren mag, sollte das Auto vorher mit einem guten Hohlraumschutz konservieren und alle Falze des Unterbodens mit speziellem Wachs versiegeln – und dennoch auf salzfreie Fahrbahn achten. Die gibt's nach ausgiebigen Regenfällen und Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt. Eine Wäsche inklusive Radkästen und Unterboden nach einer winterlichen Ausfahrt ist dennoch ratsam, wobei der Druck eines Hochdruckreinigers kontraproduktiv sein kann: Damit spült man das Schutzwachs (teilweise) wieder vom Boden und das Salz besonders tief in die Falze.
Dass man bei winterlichen Ausfahrten die situative Winterreifenpflicht zu beachten hat und sich aufs ungefilterte Fahrverhalten des Klassikers (kein ESP, kein ABS, teilweise originelles Traktionsverhalten besonders bei Hinterradantrieb) einstellen muss, ist ohnedies selbstverständlich. Funktioniert die Elektrik noch mit 6 V, dann gilt's auch zu bedenken, dass die Scheinwerfer und Rücklichter mickrig hell sind nach heutigen Maßstäben.
Und jetzt endlich zu den positiven Effekten winterlicher Ausfahrten: Bewegung und Erreichen der Betriebstemperatur hält Bremsen, Dichtungen und überhaupt alle mechanischen Komponenten geschmeidig. (Ein halbes Jahr Stillstand sollte allerdings jedes Auto problemlos wegstecken.)
