Zum 75er des Erfinders des Modellbausatzes erscheinen fünf Sondermodelle: der Porsche 356 Coupé als Click System und vier Klassiker als Limited Edition im Retro-Design. Ein Rückblick auf Bestseller, Maßstabsrekorde und ungewöhnliche Geschichten.
Revell Jubiläumsmodelle: Porsche 356 und vier Limited Editions
Bis 1951 waren fertige Spielzeugmodelle die Regel, dann kam Revell auf eine neue Idee: Seit damals fertig das Unterrnehmen Bausätze zum Selberbauen, und es wurde eine weltweite Erfolgsgeschichte draus. Zum Jubiläum erscheinen jetzt fünf Sondermodelle. Im Mittelpunkt steht der Porsche 356 Coupé, aber anders als einst wird beim Zusammenfügen des Bausatzes nicht geklebt: Als einsteigerfreundliches Click System verbindet er historische Faszination mit einem unkomplizierten Bauerlebnis.
Für erfahrene Modellbauer und Sammler erscheinen vier weitere Klassiker als Limited Edition, gefertigt mit den Werkzeugen des jeweiligen Ursprungsjahres: der M4 Sherman von 1955, die Fokker Dr.1 von 1957, die Great Eastern von 1963 und der MGB Roadster von 1964.
Die Wurzeln von Revell liegen in Kalifornien, in Deutschland begann die Erfolgsgeschichte 1956 mit der Gründung der Tochtergesellschaft in Bielefeld. Nach dem späteren Umzug nach Bünde entstand hier ein wichtiger Standort für Produktentwicklung, Produktion und Vertrieb in Europa. Zahlreiche Modelle aus sieben Jahrzehnten sind bis heute Klassiker: Die Titanic ist mit mehr als zwei Millionen verkauften Exemplaren der meistverkaufte Plastikmodellbausatz der Revell Geschichte, der 1990 auf den Markt gebrachte Trabant der erfolgreichste Automobilbausatz des Unternehmens. Weitere Dauerbrenner sind der VW T1 Bulli, die Spitfire, die Messerschmitt Bf 109, der Leopard und der Millennium Falcon aus Star Wars. Auch bei den Dimensionen ist die Bandbreite groß: Die Bismarck im Maßstab 1:350 zählt mit 659 Teilen zu den aufwendigsten Bausätzen des Sortiments und ist als Modell etwa 72 Zentimeter lang, das Original misst rund 251 Meter. Das Gato-Klasse-U-Boot im Maßstab 1:72 kommt auf 1,32 Meter Länge, der Airbus A380 im Maßstab 1:144 auf rund 51 Zentimeter Spannweite.
Revell Geschichte: Lizenzen, Kuriositäten und ein breites Sortiment
Revell sorgte auch abseits des Werktischs für Schlagzeilen. Schon 1957 erschien mit „Perri the Squirrel“, einem Streifenhörnchen aus einem Disney-Film, der erste offizielle Lizenzbausatz. 1965 folgten die Beatles als Plastikfiguren im Maßstab 1:8. Wegen hoher Lizenzkosten konnten sie nur ein Jahr produziert werden, heute sind sie begehrte Sammlerstücke. 1960 landete ein detaillierter Bausatz des amerikanischen Polaris-Atom-U-Boots bei einer Kongressanhörung, in der Admiral Hyman G. Rickover wissen wollte, wie Informationen über eines der modernsten U-Boote der US Navy zu einem Spielzeughersteller gelangen konnten. Ob der Bausatz tatsächlich geheime Informationen enthielt, ist bis heute nicht belegt. 1983 erschien der F-19 Stealth Fighter als Modell, obwohl das reale Flugzeug offiziell noch nicht existierte. Die Vorlage entstand aus öffentlich zugänglichen Spekulationen und Analysen, dennoch interessierte sich laut Revell sogar die CIA dafür, woher die Informationen stammten. Zum Sammlerobjekt wurde 1996 die Fußball-Isetta: Die limitierten BMW Isettas im Design verschiedener Bundesliga-Vereine waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, die Editionen von Borussia Dortmund und Schalke 04 auf jeweils 5.555 Exemplare begrenzt.
Heute reicht das Sortiment über den klassischen Plastikmodellbau hinaus. Das Click System mit vorgefärbten und bedruckten Teilen richtet sich an Einsteiger und Gelegenheitsbastler, die Tiny Adventures Book Nooks oder Flowers aus Holz und das Brick System aus Klemmbausteinen sprechen die wachsende Gruppe der „Kidults“ an, darunter verstärkt auch weibliche Modellbau- und Bastelfans. Für die Jüngsten gibt es mit Build & Play Modelle ab vier Jahren. Lizenzen reichen von Formel 1 über Fast & Furious und Stranger Things bis zu Star Wars, Top Gun, Harry Potter und Disney.
Die ursprüngliche Idee von Lewis H. Glaser, etwas selbst zu bauen, bleibt nach 75 Jahren also höchst aktuell, gerade in einer zunehmend digitalen Welt.
