
Hypercarprojekte kommen und gehen. Vor allem gehen sie.
Nach längerem machte jetzt wieder eine Hypercar-Ankündigung die Runde durch die sozialen und anderen Medien: „Sanrivatti: the world’s most driver-focused hypercar.“ Aktueller Stand ist die Skizze, die Sie hier sehen. Ein Herr Santiago Sánchez Rivero aus Uruguay steht hinter dem Projekt, der Name Sanrivatti wurde im September 2025 beim Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum als Wortmarke angemeldet. Unternehmensgegenstand sind Fahrzeuge und Beförderungsmittel, aber auch „Bekleidungsstücke; Schuhwaren; Kopfbedeckungen; Teile von Bekleidungsstücken, Schuhwaren und Kopfbedeckungen“ werden genannt.


Lackieren, Reifen drauf, fertig ist das Hypercar.
© WerkMan sollte auf den Sanrivatti nicht zu hoch wetten. Das Internet ist geduldig und voller Hypercar-Leichen. Alleine aus Österreich gibt es mindestens drei Beiträge zum Hypercar-Friedhof. So ab 2017 den Milan Red, dessen Schöpfer, einen gelernten Tischler, ich die Ehre hatte, mehrmals zu interviewen. Ein 1:1-Modell des Autos stand auf der Autoshow in Monaco, inklusive Fotos mit Prinz Albert, und auf einem Formel-1-Rennen in Abu Dhabi.
Die Gespräche mit dem Milan-Gründer fanden dessen ungeachtet alle im Landesgericht für Strafsachen Wien statt, wo der junge Mann, der die Sache ambitioniert und in ehrlichem Bestreben angegangen war, in U-Haft saß, weil er mit Investoren, die es – zumindest laut späterem Urteil – gar nicht gegeben hatte, andere Investoren anlocken wollte.
Bald danach betrat der ehemalige Topdesigner Erwin Himmel (Audi 80, VW Golf IV, Touareg, Phaeton u. v. m.) die Bühne. Sein Plan war eine Wiederbelebung der Marke Hispano Suiza, die aber schon in Spanien von wem anderen auch wiederbelebt wurde, und zwar bis heute – zumindest nach außen – erfolgreich. Die Prozesse gingen ins Geld, die schicken Firmenräumlichkeiten in Villach, in denen ich ihn besuchen konnte, wohl auch, es folgte die Insolvenz.
Und es folgte ein junger Herr, der die Marke Deus gründete, das dazugehörige E-Hypercar mit 2200 PS sollte Vayanne heißen, dessen Hülle es bis zur New York Auto Show geschafft hat. Das Gespräch mit dem Deus-Chef fand nicht in seinen Büroräumlichkeiten im Wiener ersten Bezirk statt, sondern via Zoom (somit haben wir die Büros nie gesehen). Als Partner war Italdesign an Bord, wobei aber nicht zu verifizieren war, wie sehr die wirklich an Bord waren. Die letzten News auf der noch immer existierenden Deus-Website stammen aus 2023.
Alle drei Projekte litten an demselben Problem: zu wenig Geld, weil keine Investoren. Man braucht richtig viele Millionen Euro für ein solches Vorhaben. Und dann ist noch lange nicht gesagt, dass sowas auch wer kaufen will, da ja im Allgemeinen nur unbekannte Quereinsteiger dahinter stehen, die dem Auto praktisch keinen Glamour mitgeben (von praktischen Problemen wie Service ganz abgesehen). Himmel war fast eine Ausnahme – aber nur Designer reicht auch nicht. Den 23-jährigen Santiago Sánchez Rivero kennt leider auch keiner.
Dieser Kommentar ist in autorevue 6/2026 erschienen.

