Kommentar: Also doch, oder doch nicht

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Was uns ein Drehdrückregler über die Welt erzählt.

Heute eine Geschichte darüber, dass früher alles besser war, bis man draufkommt, dass früher doch nicht alles besser war, oder nur vielleicht, oder nur teilweise. 

Es geht um eine der wichtigeren Erfindungen der Autogeschichte, sie wurde vor genau einem Vierteljahrhundert von BMW erstmals in einem Auto verbaut und heißt – damals kam gerade das i als Kürzel für alles auf, was nicht Brotteig oder Brennholz war – iDrive. Genau genommen geht es um den Dreh-Drückregler, mit dem man das damals bahnbrechende Infotainmentsystem iDrive bediente. 

Anfangs meinten wir, also ich, das ist ein Blödsinn, unpraktisch, verkopft, verquast. 

Man muss bedenken, damals gab es den Touchscreen in seiner heutigen Form noch nicht. Der kam erst 2007 mit dem Smartphone LG Prada und dann in globaler Überschwemmung mit dem iPhone. 

Für Verwirrung sorgte nicht nur der Drehdrückregler, sondern auch die Vielzahl an Funktionen (wenn auch noch nicht so viele wie heute). Später haben sich dann alle an das System gewöhnt, es wurde unter anderem auch von Mazda verwendet (wenn auch nicht mit einem haptisch dermaßen genialen Tool wie bei BMW). Und zwar so gewöhnt, dass man von höchst liebgewonnen sprechen kann, und dass der BMW- Community und auch vielen Kollegen vom Fach die Welt unterging, als der Drehdrückregler mehr oder weniger aus dem Portfolio verschwand. In der Neuen Klasse wird es endgültig keinen mehr geben. 

Mittlerweile haben wir uns, also habe ich mich, schon an BMWs ohne den Regler gewöhnt. Und dann taucht ein Testwagen auf, der noch einen hat (BMW i4). In der Sekunde stellt man fest: Das ist es, das ist es immer gewesen und wird es immer sein. Wie konnten wir nur am Screen herumtippsen und wischen und mit den Fingern das Fett von der E-Wurstsemmel verteilen, dass alles immer ausschaut wie Sau?

Ja, wie nur? Bis man nach drei Tagen, also bis ich nach drei Tagen draufkomme, dass ich trotzdem meistens den Touchscreen verwende. Man ist schneller, muss sich nicht durch alle Icons drehen, sondern tippt gleich drauf.

Was lernen wir daraus? Wir lernen daraus, dass das Neue zuweilen – wenn nicht sogar oft – doch besser ist als das Alte. Bei den Elektroautos wird es nicht anders sein. 

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