Flügeltüren, acht Liter Hubraum und mehr als 330 km/h: Der Bristol Fighter war schon bei seinem Debüt ein herrlich eigenwilliger Gegenentwurf zu Ferrari & Co. Jetzt kehrt einer der seltensten britischen Supersportwagen zurück.
Britischer Supersportwagen gegen Ferrari & Co.
Manchmal entstehen die faszinierendsten Autos dort, wo niemand mit ihnen rechnet. Der Bristol Fighter gehört zweifellos in diese Kategorie. Während Ferrari, Lamborghini und Porsche Anfang der 2000er-Jahre mit immer extrovertierteren Supersportwagen um Aufmerksamkeit kämpften, entwickelte eine winzige britische Manufaktur ein Auto nach ganz eigenen Regeln.
Bristol Cars hatte seine Wurzeln im Flugzeugbau und war jahrzehntelang für schnelle, diskrete Reisewagen bekannt. Ende der 1990er-Jahre jedoch stand die Firma praktisch vor dem Aus. Neue Autos wurden kaum noch verkauft, die Konstruktionen waren hoffnungslos veraltet. Mit dem Unternehmer Toby Silverton kam schließlich frisches Geld – und eine ziemlich verrückte Idee.
Bristol brauchte ein vollkommen neues Auto. Aber keinen gewöhnlichen Supersportwagen. Silverton störte sich an flachen, unübersichtlichen Exoten, in die man sich mühsam hineinzwängen musste und die schon vor der ersten Tiefgaragenrampe kapitulierten. Sein Fighter sollte anders sein: schnell wie ein Ferrari, aber geräumig, übersichtlich und alltagstauglich.
Das Ergebnis sah entsprechend ungewöhnlich aus. Die aerodynamisch geformte Karosserie kam ohne riesige Flügel aus und erreichte einen bemerkenswerten Luftwiderstandsbeiwert von 0,28. Die spektakulären Flügeltüren waren dabei keineswegs nur Show: Sie erleichterten großen Fahrern den Einstieg und benötigten beim Öffnen erstaunlich wenig Platz. Trotz eines gewaltigen Motors unter der langen Haube war der Fighter sogar kürzer und schmaler als ein damaliger Porsche 911.
8,0-Liter-V10 und über 330 km/h: Die Technik des Bristol Fighter
Und dieser Motor hatte es in sich. Unter der Haube arbeitete ein 8,0-Liter-V10 aus dem Chrysler-Konzern, verwandt mit dem Aggregat der Dodge Viper. Bristol entlockte ihm 525 PS und 712 Newtonmeter. Geschaltet wurde ausschließlich per manuellem Sechsganggetriebe. Rund vier Sekunden sollten für den Sprint auf 60 mph reichen, als Höchstgeschwindigkeit gab Bristol 210 mph an – umgerechnet etwa 338 km/h.
Noch wilder waren die geplanten Varianten: Der Fighter S sollte 660 PS leisten, für den Fighter T mit zwei Turboladern waren sogar mehr als 1.000 PS und theoretische 270 mph – rund 435 km/h – vorgesehen. Gebaut wurde dieses Monster allerdings nie.
Überhaupt blieb der Fighter eine extreme Rarität. Ab 2004 kamen die ersten Exemplare zu Kunden. Bristol plante ursprünglich bis zu 20 Autos pro Jahr. Als das Unternehmen 2011 zahlungsunfähig wurde, waren gerade einmal 14 Fighter entstanden. Damit hätte die Geschichte enden können.
Bristol Fighter feiert Comeback: Fünf weitere Exemplare entstehen
Doch 2019 kaufte der Bristol-Spezialist SLJ Hackett fünf unbenutzte Fighter-Chassis samt zahlreichen Originalteilen und mehreren V10-Motoren. Mehr als 15 Jahre nach dem Produktionsende entsteht der Fighter deshalb tatsächlich wieder. Ein neues Exemplar wurde bereits fertiggestellt und gerade auf dem Salon Privé in Blenheim Palace bei Woodstock enthüllt, vier weitere sollen folgen. Damit könnte die Gesamtproduktion auf gerade einmal 19 Autos steigen.
Und wie fährt dieser britische Exot heute? Erstaunlich entspannt. Der V10 grollt gewaltig, die lange Übersetzung macht den Fighter zum souveränen Kilometerfresser und beim Gasgeben verwandelt sich der Gentleman plötzlich in einen ziemlich brutalen Sprinter. In schnellen Kurven gewinnt das zunächst etwas schwerfällig wirkende Auto zunehmend an Präzision. Ein moderner Hypercar-Schreck ist er nicht. Vielmehr ist er ein extrem schneller Gran Turismo alter Schule.
Genau darin liegt heute vielleicht sein größter Reiz. Der Bristol Fighter wollte nie wie ein Ferrari sein. Er wollte beweisen, dass ein Supercar gleichzeitig schnell, praktisch, diskret und vollkommen eigenständig sein konnte. Dass er mehr als zwei Jahrzehnte später noch einmal gebaut wird, passt deshalb perfekt zu diesem wunderbaren britischen Sonderling.

