Die klassische Mercedes-Mittelklasse, längst alles andere als mittel (sondern teils mit S-Klasse-Material), steht kurz vor der Markteinführung. Erste Fahreindrücke der neuen Generation, die nur als Elektroautro kommt.
Mercedes-Benz bringt elektrische C-Klasse mit bis zu 762 km Reichweite
Das mit dem Elektroauto verhält sich so: Tatsächlich ist der ganz neue C nur noch rein elektrisch. Es wird auch einen neuen Verbrenner-C geben, irgendwann im Herbst. Aber das ist dann das – allerdings stark überarbeitete – aktuelle Modell. Man sieht also, wie strategisch gewichtet wird.
Die hier zu sehende, neue C-Klasse also basiert auf einer eigenständigen Elektroplattform und kombiniert eine Reichweite von bis zu 762 Kilometern (WLTP) mit 800-Volt-Technologie und einer DC-Ladeleistung von bis zu 330 kW. Soweit also alles von premialem Zuschnitt. Zur technischen Ausstattung zählen unter anderem eine Luftfederung AIRMATIC mit vorausschauender Dämpfungsregelung, (mit Komponenten direkt aus der S-Klasse übernommen) eine Hinterachslenkung und ein Zweigang-Getriebe an der Hinterachse. Dieses sorgt in Verbindung mit der – auch an der glatten Karosserie deutlich erkennbaren – tollen Aerodynamik für hohe Effizienz. Zum Marktstart ist zunächst der C 400 4MATIC mit 489 PS Maximalleistung vorgesehen.
Den konnten wir bereits im Fahrbetrieb ausprobieren. Fährt sich sportlich, ausgewogen, komfortabel – was soll man sagen: Die Mercedes-Techniker haben uns ausführlich dargelegt, welchen Aufwand sie beim Fahrwerk betrieben haben. Hat sich gelohnt, der C bewegt sich makellos und vor allem extrem leise. Mit der optionalen Hinterachslenkung auch sehr beweglich. Auf gut durchgemischter Teststrecke in Finnland kamen wir bei normaler Fahrweise nicht über 16 kWh/100 km hinaus. Nennenswerte Steigungen waren freilich keine dabei.
MB.OS, Fahrassistenz und Komfort prägen die neue Elektro-Limousine
Im Innenraum setzt Mercedes-Benz auf das völlig neue Betriebssystem MB.OS, das Over-the-Air-Updates, KI-gestützte Sprachsteuerung – die beim ersten Ausprobieren tatsächlich beeindruckend reagiert und agiert, man ist da ja einiges gewöhnt an Das-verstehe-ich-nicht-Kasperliaden – und eine Navigation auf Basis von Google Maps ermöglicht. Optional steht ein 39,1 Zoll großer MBUX Hyperscreen zur Verfügung. Da ist dann aber nicht noch mehr Bildschirm im Auto, sondern der sonst dunkle Bildschirmteil vorm Beifahrer wird um alle Funktionen erweitert, die möglich sind: Von Disney+ (endlich "Modern Familiy" auch im Auto schauen!) bis zum Wetterbericht.
Anleihen an der S-Klasse scheint Mercedes nicht nur beim Luftfahrwerk, sondern auch im Innenraum genommen zu haben, der von einer Opulenz ist, die in dieser Fahrzeugklasse schon herausragt (freilich wurde uns das variantenmäßig Beste gezeigt, das für Geld zu kaufen ist, genaugenommen für knapp 70.000 Euro ohne Extras. Man bekommt natürlich auch erdnähere Versionen). Es gibt Sterne im Glasdach (und leider keine Alternative zum Glasdach!), den Screen von Tür zu Tür, feinste Ledersitze mit eleganter Steppung, alles auch vegan (sogar zertifiziert), diverse Hölzer, die ganze Verarbeitung ist makellos. Außerdem gibt's Sitzmassagenprogramme, Stimmungsanimationen aus Klima, Ton und Licht, Ambientelichtshows, eine Schleudersitz-Simulation mit Countdown für den schrägen Humor – alles auch dazu gedacht, das Rückzugsgefecht auf dem chinesischen Markt noch ein wenig hinauszuzögern.
Wie gesagt, es beginnt mit dem Leuchtturm-Modell C 400. Der soll zeigen, was alles möglich ist, und wie gut und praktikabel ein Elektro-C sein kann. Weitere Varianten mit Heck- und Allradantrieb sowie unterschiedlichen Batteriegrößen werden nach der Markteinführung folgen.
Außerdem natürlich ein ausführlicher Fahrbericht in der nächsten autorevue!

