Gordon Murray Special Vehicles erweitert sein Programm um den S1. Der auf dem S1 LM basierende Supersportwagen kombiniert einen 690 PS starken Cosworth-V12 und Handschaltung mit einer stärker auf lange Straßenetappen ausgelegten Abstimmung. Die Produktion ist auf 64 Exemplare begrenzt.
Überblick
Gordon Murray S1: Vom S1 LM zum straßentauglicheren Gran Turismo
Gordon Murray Special Vehicles (GMSV) hat den neuen S1 beim The Quail im Rahmen der Monterey Car Week vorgestellt. Technische Basis ist der S1 LM, allerdings verfolgt der S1 ein anderes Einsatzprofil. Während der S1 LM als besonders kompromisslose, vom Rennsport beeinflusste und dennoch straßenzugelassene Hommage an Gordon Murrays Le-Mans-Sieg von 1995 konzipiert wurde, soll der S1 stärker auf schnelle Langstreckenfahrten auf öffentlichen Straßen zugeschnitten sein. Entsprechend liegt der Schwerpunkt weniger auf hohem aerodynamischem Abtrieb als auf mechanischem Grip, Fahrbalance und einem höheren Federungskomfort. Trotz der Verwandtschaft mit dem S1 LM wurden sämtliche Karosserieteile neu konstruiert. Der große feststehende Heckflügel, der lange Frontsplitter und die ausgeprägten Seitenschweller des LM entfallen. Stattdessen verfügt der S1 über ein in die Karosserie integriertes aktives Aerodynamiksystem am Heck, das unter anderem die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten und beim Bremsen unterstützen soll. Breite, Spurweite und die Leichtbau-Fahrwerksarchitektur des S1 LM bleiben erhalten, ebenso die breiteren Reifen. Die Bodenfreiheit steigt jedoch um zehn Millimeter, gleichzeitig wurde die Dämpferabstimmung auf mehr Nachgiebigkeit ausgelegt. Lenkpräzision und Rückmeldung sollen dabei weitgehend erhalten bleiben. Gordon Murray beschreibt den S1 entsprechend als weniger extrem aerodynamisch ausgelegte und komfortablere Interpretation des S1 LM.
4,2-Liter-V12 mit 690 PS und manuellem Sechsganggetriebe
Für den Antrieb verwendet GMSV einen speziell abgestimmten 4,2-Liter-V12 von Cosworth. Der frei saugende Zwölfzylinder erreicht bis zu 690 PS bei 12.100/min und basiert auf derselben Motorenfamilie wie das Aggregat des S1 LM. Zu den konstruktiven Details gehören leichte Kolben mit Siliziumkarbid-Beschichtung, Titanventile und Titanpleuel sowie eine Trockensumpfschmierung. Für den Einsatz als Langstrecken-Sportwagen wurde vor allem die Drehmomentcharakteristik angepasst: Bereits ab 2.500/min sollen 80 Prozent des Drehmoments zur Verfügung stehen, bei 7.000/min nennt der Hersteller rund 500 Nm. Geschaltet wird ausschließlich über ein manuelles Sechsganggetriebe, dessen sechster Gang serienmäßig länger für Reisegeschwindigkeiten übersetzt ist. Eine geradlinigere Verlegung der Schaltzüge soll die Betätigung präzisieren. Beim Gewicht hält sich GMSV noch mit einer konkreten Zahl zurück. Das Zielgewicht soll allerdings unter dem des T.50 liegen, obwohl der S1 mehr Innenraumkomfort, zusätzliche Geräuschdämmung und ein umfangreicheres Audiosystem erhält. Dazu setzt der Hersteller unter anderem auf Carbon-Karosserieteile und leichte Fahrwerkskomponenten. Eigenständig gestaltet sind außerdem Front- und Heckleuchten sowie die Räder. Tief in den vorderen Lufteinlässen sitzen zusätzliche Fernscheinwerfer. Sie nehmen ebenso wie die Gestaltung der Räder Bezug auf ein von Murray entworfenes Monaco-Showcar von 1992. Die an den A-Säulen montierten Außenspiegel integrieren zudem ein unauffälliges Rückfahrkamerasystem. Im Motorraum bleiben der V12, die polierte Inconel-Abgasanlage und ein mit 24-karätigem Gold beschichteter Hitzeschild sichtbar.
Drei Sitze, zentrale Fahrerposition und nur 64 Exemplare
Im Innenraum hält Gordon Murray am bekannten Drei-Sitz-Konzept mit zentraler Fahrerposition und niedriger Instrumententafel fest. Gegenüber dem S1 LM erhält der S1 jedoch eine komfortorientiertere Ausstattung. Genannt werden Leder, eigens entwickelte Stoffe und Verkleidungen, komfortabler ausgelegte Sitze, zusätzliche Akustikdämmung, überarbeitete Infotainment-Displays sowie ein speziell entwickeltes Leichtbau-Audiosystem. Die Servounterstützung der Lenkung lässt sich umschalten, sodass der Fahrer zwischen stärkerer Unterstützung und einer direkteren Rückmeldung wählen kann. Neu sind außerdem Dihedral-Türen mit versenkbaren Seitenscheiben. Sie ersetzen das vom Rennsport inspirierte Lexan-Schiebefenster des S1 LM und öffnen weiter, was Ein- und Ausstieg erleichtern soll. Die Produktion des S1 ist weltweit auf 64 Fahrzeuge begrenzt. Jedes Exemplar wird individuell nach Kundenwunsch spezifiziert; einen Preis nennt GMSV bislang nicht. Der S1 setzt damit eine Modellstrategie fort, die Gordon Murray seit der Vorstellung des T.50 im Jahr 2020 verfolgt. Im Mittelpunkt stehen leichte Supersportwagen mit frei saugenden Motoren, manuellen Getrieben und einer konsequent auf die Interaktion zwischen Fahrer und Fahrzeug ausgerichteten Konstruktion. Beim S1 wird dieses Konzept nun stärker mit Langstreckenkomfort verbunden. Murray, der als Group Executive Chairman fungiert, ordnet das Modell selbst als weniger extreme, elegantere und alltagstauglichere Ausprägung der bisherigen Philosophie ein. Der S1 soll damit nicht den S1 LM ersetzen, sondern dessen technische Grundidee für einen anderen Einsatzzweck interpretieren.

