Morgan? Sind das nicht die mit den drei Scheibenwischern?
Ja, und seitlich Steckscheiben.
Überblick
Britische Handarbeit trifft BMW-Technik
Schrullig, britisch, handgemacht, könnte man sagen, aber irgendwie hochmodern. Das letzte Auto der Welt mit rundum planen Scheibengläsern und Hickory-Holzrahmenteilen.
Im Gegensatz zum Vorgänger Plus Six, der trotz moderner Technik eindeutig dem raubeinigen Schlechtwetter-Roadsterfeeling nachhing, will der Supersport sich bei Porsche- und BMW-Klientel beliebt machen, moderner, ausgeformter, wenn auch nicht jedermanns Geschmacksbild.
Im weiteren Sinne ist er also vergleichbar mit dem berufsschrulligen Ineos Grenadier, und ja: sie verwenden den nämlichen BMW Schaltshifter von 2012, was in beiden Fällen einen kränkenden Stilbruch darstellt. Offensichtlich war es zu verführerisch, dieses Teil gleich mitzunehmen mitsamt dem BMW 3-Liter Twinscroll-Turbo Reihensechszylinder egalisierter Massen, wahrscheinlich eines der besten Triebwerke der Welt, was Laufruhe, Kraftentfaltung, Ökonomie und Abgasbereinigung zusammen betrifft, praktischerweise im Verbund geschnürt mit dem 8-Gang-DSG in bewährter Konfiguration, wie man das alles auch schon im Plus Six vorfand.
Der Shifter lässt sich auf Manuell umlegen und gibt dann auch den Sportmodus auf Knopfdruck Mittelkonsole frei samt Bösgebrabbel im Endrohr. Gegen satten Aufpreis von rund zweitausend Euro kann man übrigens einen von Morgan modifizierten Schalthebel bekommen.
Das Aluminium-Chassis wurde gegenüber dem Vorgänger um zehn Prozent versteift, wer das Hardtop dazubucht, profitiert von weiteren zehn Prozent. Gegen Aufpreis kann man auch verstellbare Nitron-Dämpfer und ein Sperrdifferenzial bekommen. Grundsätzlich hat der Supersport mehr Federweg als der Vorgänger. Verzärtelt muss man sich dennoch nicht fühlen.
Angesichts eines Preises von 150.000 Euro, der sich rasch zu 215.000 Euro (des Testwagens) realisiert, versagt man sich des Kritischen und feiert diese grandiose Ungeheuerlichkeit eines 340-PS-Eintonners mit aufgeworfenen Kotflügeln, herausmodellierten Scheinwerfern und einem textilen Spanndach über fragilem A-Säulen-Gestrebe, woran die Knickrahmenkonstruktion im Bastelmodus herangeschnallt wird. Bei geschlossenem Mohair-Dach kommt auch die Klimaanlage zur Wirkungsweise, die exakt unterscheidet zwischen Kühlen und Heizen. Zwei Luftdüsen in der Mittelkonsole. Mehr ist auch nicht gefragt, zumal die Frontscheibe beheizbar ist über kaum wahrnehmbare Drähtchen. Sobald Persenning und Steckscheiben-Taschen aus dem Kofferraum entfernt wurden, kann man auch Gepäck fürs Weekend einschlichten.
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