Vom Maserati Tipo 60/61 entstanden eine Handvoll Exemplare, seit der Gooding Christie's Pebble Beach Auction in Kalifornien gibt's einen neuen Rekordpreis dafür: 4,24 Millionen Dollar.
Natürlich tut man sich schwer, einen Wert zu beziffern, wenn ein Auto 23 mal gebaut wurde, da brummt der Markt nicht besonders laut vor sich hin: Die meisten der überlebenden Exemplare des Maserati Tipo 60/61 Birdcage parken quasi auf Watte, da kommt nicht so oft eines ans Licht, und verkauft wird noch seltener. Vorsichtige Einordnung des Marktwertes liefert der Schätzwert dieses Tipo 61 im Vorfeld der Auktion. Drei bis vier Millionen, auch kein Lercherl.
Apropos Vogel: Der Spitzname Birdcage hat natürlich Substanz, in diesem Fall eine leichtgewichtige: Um die Steifigkeit eines Monocoques bei weniger Gewicht zu erreichen, konstruierte Giulio Alfieri einen filigran anmutenden Gitterrohrrahmen aus rund 200 einzelnen Rohren von zehn bis 15 mm Durchmesser. Er sah einem Vogelkäfig nicht unähnlich und wog rund 30 kg, auch die Alukarosserie drumherum trug nicht sonderlich auf, der Motor konnte also klein bleiben. Dem Tipo 60 reichte 1959 ein Zweiliter-Vierzylinder mit 200 PS, nach sechs Exemplaren wurde daraus 1960 der Tipo 61 mit 2,9 Litern Hubraum und 250 PS.
Die eigentliche Sensation aber war das Gewicht: Rund 585 bis 600 kg, der Leichtbau geht ja soeben flächendeckend verloren. Natürlich tut sich ein 3,80 Meter langer Sportler nicht so schwer beim Leichtsein, und die Crashsicherheit mag man sich lieber nicht vorstellen. Aber es tut gut, zu erkennen, dass nicht jeder Fortschritt ein unbestrittener ist.
Maserati nahm mit dem Birdcage übrigens nie selbst als Werksteam an Autorennen teil, die Finanzdecke war wieder einmal zu dünn. Aber man reichte die 23 Stück gerne in Kundenhand weiter, so gingen sich zwei Gesamtsiege beim 1000-km-Rennen am Nürburgring aus: 1960 mit Stirling Moss und Dan Gurney, 1961 mit Masten Gregory und Lloyd Casner.
Ob der neue Eigner des Tipo 61, der bei der Auktion 4,24 Millionen Dollar bezahlt hat, jemals die einst möglichen 285 km/h verkosten wird, darf bezweifelt werden. Auf jeden Fall wird er sich an der technischen wie optischen Skulptur erfreuen, das geht schon in Ordnung so. Bei einem Picasso fragt ja auch niemand nach einer Höchstgeschwindigkeit.

