Wer braucht einen elektrischen Lamborghini?

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Offenbar keiner. Darum wurde der elektrische Lanzador gestrichen – und damit auch gleich ein grundsätzliches Problem der E-Mobilität angesprochen.

Eigentlich geht es um ein grundsätzliches Verständnis von Elektro: Nämlich, wozu das ganze. Die Antwort ist klar, es geht um Klimaschutz (ob der auf diese Weise erreicht werden kann, ist ein anderes Thema). Darum war auch der Zugang der meisten Hersteller, bei ihren E-Autos auf Emotionen zu setzen, von Anfang an falsch. Null auf Hundert in 2 Sekunden ist keine Emotion, sondern schlichtweg primitiv, außerdem nicht lustig. Sportlich autofahren ist was völlig anderes.

Und was wir alle von Anfang an vermutet haben, hat sich auch bewahrheitet: Elektroautos können vieles, aber sie können nicht Sportwagen. Das würde jetzt zum Beispiel ein Mate Rimac so nicht unterschreiben, schon klar, aber die Kumulation von extremen Supereigenschaften macht noch keinen Sportwagen. Im Gegenteil: Sportliche Autos leben auch vom Unwägbaren, vom Unregelmäßigen, vielleicht auch vom Unperfekten.

Und man kann es noch so oft versuchen, so unbefangen, unvoreingenommen und positiv wie nur möglich, aber bei sogenannten sportlichen Elektroautos regt sich nichts. Kein Rimac, Tesla, Porsche Taycan oder was auch immer kann einem simplen MX-5 mit 132 PS als Sportwagen das Wasser reichen, wenn es um Spaß geht. Und um den geht's doch, genau dafür wurde der Sportwagen erfunden.

Genau das hat auch Lamborghini eingestanden, indem es den elektrischen Lanzador, (eine Art Racing-SUV) nun doch nicht bringt, auch wenn es bei der Vorstellung des Konzepts noch geheißen hat: "Automobili Lamborghini hat sich vor mehr als zwei Jahren verpflichtet, noch in diesem Jahrzehnt einen leistungsstarken, elektrifizierten Lamborghini zu präsentieren, der dem Herzen und der Seele der Marke treu bleibt." Ja, geht eben nicht. Herz und Seele wären dann weg.

Jetzt stellt sich aber eine andere Frage: Was wird mit den Sportwagenmarken, wenn Elektro doch einmal alternativlos das Ding sein wird (und so wird es kommen)? Es ist ja nicht so, dass die Existenz von Ferrari, Lamborghini oder Aston Martin irgendwelchen ewigen Naturgesetzen folgt. Produkte kommen und gehen, Marken ebenso. Spannend wird's ab Ende Mai, wenn Ferrari seinen elektrischen Luce vorstellt, ein Art Mischung aus Limousine und Kombi. Gemäß der Argumentation von Lambo sollte der ein Flop werden. Irgendwie glauben wir das nicht. Ferraris gehorchen anderen Marktgesetzen. Die Frage nach der Zukunft des Sportwagens wird der Luce also wohl auch nicht beantworten können.

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