
Die aktuelle EY Automotive Analyse ist da: Der europäische Neuwagenmarkt kämpft mit wirtschaftlicher Unsicherheit, geopolitischen Spannungen und wachsendem Druck durch chinesische Hersteller. Elektroautos legen zwar zu, doch das Wachstum verliert an Fahrt – und die Kluft zwischen Nord- und Südosteuropa bleibt groß. Ein Überblick über die aktuellen Zulassungszahlen und ihre Hintergründe.
Überblick
Schwacher Neuwagenmarkt: Wirtschaft und Geopolitik bremsen die Kaufbereitschaft
Der europäische Neuwagenmarkt zeigt weiterhin keine klare Erholung: Zwar stiegen die Neuzulassungen in der EU im Februar um 1,4 Prozent, im bisherigen Jahresverlauf liegt der Absatz jedoch noch 1,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau – und sogar 19 Prozent unter dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019. Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich, sieht die Rahmenbedingungen als zunehmend belastend: Schwache Konjunktur, steigende Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten dämpfen die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und Privathaushalten gleichermaßen. Hinzu kommt der wachsende Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller, die vor allem in südeuropäischen Märkten mit kleinen, preislich attraktiven Modellen spürbar Marktanteile gewinnen – ausgerechnet in jenen Segmenten, in denen europäische Anbieter traditionell stark positioniert sind.
Elektroauto-Wachstum verlangsamt sich trotz Fördermaßnahmen
Die Neuzulassungen von Elektroautos stiegen im Februar EU-weit um 21 Prozent, nach einem Wachstum von 24 Prozent im Jänner. Der Marktanteil erhöhte sich von 15,9 auf 18,3 Prozent – lag aber noch im vierten Quartal des Vorjahres deutlich über der 20-Prozent-Marke, im Dezember bei 22,6 Prozent. Die Wachstumsrate hat sich seit Dezember, als die Zulassungen noch um 51 Prozent zulegten, mehr als halbiert. In Österreich stiegen die Elektro-Neuzulassungen im Februar sogar nur um knapp fünf Prozent, der Marktanteil sank leicht von 21,6 auf 20,9 Prozent. Preiss bezeichnet diese Entwicklung als enttäuschend, aber nicht überraschend: Trotz umfangreicher Fördermaßnahmen und erheblicher Herstellerinvestitionen bleibe die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück. Hohe Anschaffungskosten, Reichweitenbedenken und eine unzureichende Ladeinfrastruktur halten viele Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin davon ab, auf Elektroantrieb umzusteigen. Auch steigende Kraftstoffpreise dürften laut Preiss keinen unmittelbaren Schub auslösen – in einem Umfeld wirtschaftlicher Unsicherheit würden Kaufentscheidungen eher aufgeschoben als beschleunigt. Der März mit seinen aktuellen Entwicklungen ist in dieser Analyse zwar noch nicht eingerechnet, aber ob die derzeitigen Kraftstoffpreise eine langfristige Stärkung der E-Mobilität bewirken, sei dahingestellt. .
Starkes Nord-Süd-Gefälle: Elektromobilität bleibt in Europa tief gespalten
In 13 der 27 EU-Länder lag der Elektro-Marktanteil im Februar unter zehn Prozent, lediglich vier Länder verzeichneten Anteile von über 30 Prozent. Das regionale Gefälle ist ausgeprägt: In Skandinavien – einschließlich des Nicht-EU-Landes Norwegen – stieg der BEV-Marktanteil von 55 auf 61 Prozent, in Osteuropa hingegen nur von fünf auf sechs Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet Preiss mit einem Wachstum der Elektro-Neuzulassungen in der EU von rund 30 Prozent und einem Marktanteil von knapp 23 Prozent. Impulse erwartet er vor allem durch neue Fördermaßnahmen und ein breiteres Modellangebot – insbesondere deutsche Hersteller zeigten derzeit technologische Stärke. Bei den meistzugelassenen Modellen zeichnen sich erste Verschiebungen ab: Das Tesla Model Y führte im Februar in Westeuropa, gefolgt vom Skoda Elroq. Erstmals schaffte es mit dem Leapmotor T03 ein chinesisches Elektroauto auf Platz drei – getrieben durch eine starke Performance in Italien.
Plug-in-Hybride auf dem Vormarsch – kombinierter Antrieb gewinnt an Gewicht
Noch stärker als reine Elektroautos legten im Februar Plug-in-Hybride zu: EU-weit stiegen die Neuzulassungen um 32 Prozent, der Marktanteil kletterte von 7,4 auf 9,7 Prozent. Die höchsten Anteile erzielten Plug-in-Hybride in Schweden und den Niederlanden mit jeweils 25 Prozent. Der kombinierte Marktanteil beider elektrischen Antriebsarten war in Dänemark mit 83 Prozent und in Schweden mit 65 Prozent am höchsten. Auch in Österreich entwickelten sich Plug-in-Hybride deutlich dynamischer als reine Elektrofahrzeuge: Die Zulassungen legten um 33 Prozent zu, sodass beide Antriebsformen zusammen im Februar auf einen kombinierten Marktanteil von 31,0 Prozent kamen – nach 29,8 Prozent im Vorjahr. Diese Zahlen unterstreichen, dass der Übergang zur Elektromobilität in Europa vielfach über hybride Zwischenlösungen verläuft, bevor der vollständige Umstieg auf reine Batteriefahrzeuge erfolgt.

