Würdigung: 50 Jahre Lechner Racing

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50 Jahre Lechner Motorsport sind zu feiern, eingewoben in ein untrennbares Muster der besten Leute, der besten Kontakte, eingefädelt mit liebenswertem Charme und Mut zum Erfolg.

Stimmen, Werte und Wegbegleiter der Familie Lechner

Man hört Sätze wie: „Unser wichtigster Fahrer ist der Lkw-Fahrer“ oder „Wir sind aufgewachsen wie Zirkuskinder – im Motorsportzirkus.“ „Wenn man kein Glück hat, kommt das Pech auch noch dazu – Zweiter werden ist erster Verlierer.“ (Die Saison 2005 lief nicht hervorragend.) „Eigentlich wäre ich lieber Musiker geworden als Rennfahrer“ (Robert Lechner am Schlagzeug beim Gig mit einer finnischen Hotel-Band in Bahrain).

Und vor allem: „I pay my bills. And I finish, what I start.“ Mit diesen Worten beeindruckte und überzeugte Walter Lechner Sheik Salman bin Isa al Khalifa, einen der wichtigsten Partner, um die Porsche GT3 Cup Challenge im Mittleren Osten einzuführen.

Vorneweg auch eine Wortspende von Toto Wolff, der als ehemaliger Walter-Lechner-Rennschul-Teilnehmer seit langem der Familie eng verbunden ist: „Bemerkenswert ist, wie die beiden Söhne trotz einer dominanten Vaterpersönlichkeit ihren Weg machen konnten bis dorthin, wo sie jetzt stehen mit höchster Anerkennung aus internationalen Kreisen.“ Und weiter: „Dass Vater Walter mir auf der quälenden Heimfahrt eines von mir verpatzten Rennens in Spa riet, ich möge am besten gleich mit Rennfahren aufhören und im Rennsport was anderes machen, war karrierefördernd.“

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50 Jahre Lechner Racing als österreichische Erfolgsgeschichte

Zurück zum Start. Gefeiert werden 50 Jahre Lechner Racing, eine österreichische Erfolgsgeschichte. Österreichisch insofern, als hier alles drinsteckt, die Begeisterung und Leidenschaft, der Familienzusammenhalt, aber darüber hinaus auch eine hohe Professionalität, der Mut für die große weite Welt, die Kraft, aus Rückschlägen Stärke zu beziehen und immer mit offenen Karten zu spielen. Die Akteure heißen Walter (gestorben 2020), Robert und Walter junior.

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Walter Lechners Aufstieg vom Quereinsteiger zum Champion

Den ersten Sprung in Richtung Weltläufigkeit schaffte der in St. Pölten geborene Walter zu Beginn der siebziger Jahre, als er begann, im Hotel Sacher zu arbeiten. Danach machte er sich selbständig mit einer Jim-Beam-Disco im salzburgischen Faistenau (wo er auch seine Christine kennenlernte). Pedro Rodriguez, den er geradeheraus fragte, wie man Rennfahrer wird, antwortete: „Fahren musst du. Am besten in einer Rennfahrerschule.“ Da kam nur die Jim Russell Driving School in Frage, die am Salzburgring einen aktiven Ableger betrieb. In einer Woche wollte er alles gelernt haben.

Ab 1978 fuhr er im Formelsport die ersten Rundstreckensiege auf March und Ralt ein, zerlegte ein paar Autos, das Übliche. Bemerkenswert war aber, dass er schon nach drei Jahren selber eine Rennfahrerschule gründete. 1979 war er bereits Dritter im deutschen Formel-3-Cup. Es folgten Formel Ford, VW Castrol Europa Pokal (den er 1983 gewann) – und danach wirklich großes Kino, die Interserie auf March CanAm-Boliden, wo er sich den Meistertitel holte. Erfolgreiche Langstrecken-Erfahrungen führten zu zwei Le-Mans-Teilnahmen auf Porsche 962, die er wegen Unfall/Reifenschaden vorzeitig beenden musste. Immer noch sammelte er Meister- und Vizemeistertitel in der Interserie, teilweise sogar auf dem eigenen, von Reynard entwickelten Lechner Spyder SC91. 1996 beendete er seine aktive Rennfahrerkarriere als österreichischer Tourenwagenmeister, zuletzt saß er 2023 und 2025 am Steuer eines SLS AMG GT3.

Wendepunkte und familiärer Zusammenhalt im Motorsport

Im Wesentlichen konzentrierte er sich auf die Etablierung der Porsche GT3 Challenge Middle East, wo er sich massiv auf die Unterstützung seiner Söhne verlassen konnte, die bereits am jeweiligen Zenit ihrer eigenen Rennfah­rerkarrieren angelangt waren, insbesondre, als der 1981 geborene Walter am Vorabend seines Imola-Einsatzes im April 2005 plötzlich und über Nacht an Leukämie erkrankte, was auch das Weltbild von Bruder Robert neu formatierte.

Nach zahlreichen Meisterschaften und Siegen (Robert gewann unter anderem die 24h vom Nürburgring, der 21-jährige Walter war 2002 jüngster Klassensieger von Le Mans) fokussierten sich die Brüder auf die unternehmerische Seite des Motorsports. Walter: „Ich war drei Wochen lang nicht ansprechbar. Ich dachte: Jetzt ist es was Ernstes. Mein Bruder war immer bei mir im Spital, das hat unsere ohnehin gute Bindung gefestigt. Aus der Phase ging ich, wie ich es heute sehe, eher positiv hervor, ich bin heute ruhiger, fürsorglicher, umgänglicher geworden.“

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Professionalisierung und enge Partnerschaft mit Porsche

Mit starken Partnern/Kunden gründete man aus der Talenteschmiede Lechner Racing School heraus die Lechner Racing Agency in Thalgau, die ein ganz neues Standing hatte, dank hochprofessioneller Aspekte, wo man gute Rahmenbedingungen für erfolgreichen Rennsport (Kunden und eigener) schaffte, unterstützt von „super Mitarbeitern“ (Robert) und genährt von den eigenen Talenten: Walter, der Schrauber, Robert der sich „eher um Helmbemalungen kümmerte oder um das Auftreiben von Sponsoren“.

Robert weiter: „Wir sind beide Geschäftsführer und trotz unserer unterschiedlichen Charaktere oder gerade deswegen verstehen wir einander per Augenzwinkern. Die großen Entscheidungen fällen wir unisono in Minutenschnelle, nur mit den Details können wir uns tagelang aufhalten.“ Ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor war die eh immer vorhandene Nähe zu Porsche, deren Kundensportfahrzeuge großteils über die Präparation via Lechners laufen – seit 2005 nicht nur im Porsche 911 GT3 Supercup (und Middle East), sondern seit 2019 auch in der Porsche Sprint Challenge Central Europe (wo sie auch vier- bis fünftausend Michelin-Rennreifen umgesetzt haben).

Dieser Bericht ist in autorevue 3/2026 erschienen.

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